24. Februar 2017

Der WLAN-Test im ICE: 5 Monate WIFIonICE

Der WLAN-Test im ICE: 5 Monate WIFIonICE

WLAN gehört in die Züge. Im Jahr 2017 hat die Deutsche Bahn losgelegt. Ich konnte bereits ab September 2016 mehrmals das neue WIFIonICE, WLAN im ICE, testen. Das Ergebnis ist befriedigend, aber keinesfalls perfekt.

WLAN. Kein drahtloses Angebot polarisiert bei der Bahn aktuell öfter. Von sehr positivem Feedback bis hin zu Hasskommentaren ist alles dabei, wenn es sich um das neue WLAN im ICE mit dem Namen „WIFIonICE“ dreht.

Seit Ende September konnte ich auf der Strecke Hannover-Frankfurt sehr oft das WLAN testen, schon bevor es zum 01. Januar endgültig bei allen ICE-Zügen (Ausnahme Metropolitan und ICE TD) verbaut worden ist. Ich habe sowohl die Beta-Phase mitgemacht, als auch jetzt fast zwei Monate die „Version 1.0 Phase“ von WIFIonICE.

Eins kann ich schon vorweg nehmen: Besser als vorher, aber keineswegs reibungslos und schon gar nicht perfekt im Jahr 2017.

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Der ausführliche WIFIonICE-Test

Die Beta-Phase von September bis Ende Dezember hat aufgezeigt, was ein Potential und zugleich welche Herausforderung im neuen WLAN im ICE steckt. Ein wichtiger Punkt gleich vorab: Die Tests am Kunden in zahlreichen Zügen, bevor es final ausgerollt worden ist, waren wichtig, um das WLAN-System auf die Bedürfnisse anzupassen.

Hier gibt es zwar immer noch Probleme, aber dazu später mehr. Ich war überrascht als ich das erste Mal in Kontakt mit WIFIonICE gekommen bin. Die Landing-Page war einfach und verständlich und der Login-Vorgang ging deutlich einfacher und schneller von der Hand als das noch bei den Telekom-Hotspots der Fall war.

Vorteil der neuen „Providerbündelung“

Zudem konnte ich bei den Telekom-Hotspots immer feststellen, dass wenn man in abdeckungsarmes Gebiet der Telekom gekommen ist (konnte ich durch mein Smartphone sehen), eine sehr schlechte bis gar keine Verbindung zum Internet bekommen hat. Diesen kleinen Test habe ich mehrfach mit dem neuen WLAN getestet und ein sehr gutes Ergebnis erzielen können.

Durch die Unterstützung der drei Mobilfunkprovider (Telekom, Vodafone und Telefonica) hat man deutlich bessere Internetverfügbarkeit im Zug. Die Geschwindigkeit leidet zwar deutlich, wenn nur ein Mobilfunknetz zur Verfügung steht, aber man kann immerhin noch seine Mails abrufen und beantworten.

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Die Drosselung in der 2. Klasse

Der Aufschrei war groß, als die Drosselung ab 200MB für Kunden in der zweiten Klasse bekannt gegeben wurde. Ich persönlich hätte mir auch mehr gewünscht. Allerdings habe ich es getestet und muss jetzt ganz klar sagen: 200MB reichen – zumal diese pro Gerät verfügbar sind.

Ich habe mehrfach vier Stunden im Zug in der 2. Klasse verbracht, getestet und bin erst einmal in die Drosselung gekommen. Selbst mit gedrosselter Geschwindigkeit kann man noch einiges machen. Mails, WhatsApp, Facebook, Instagram. Die Geschwindigkeit während der Drosselung ist deutlich schneller als bei anderen Anbietern.

Videostreaming mit WIFIonICE

Auch das habe ich getestet – ohne Erwartungen. Es steht explizit auf der Landing-Page das Videostreaming bitte vermieden werden soll, da sonst alle Fahrgäste in ihrer Surfgeschwindigkeit eingeschränkt werden. Logisch. Der ICE ist nicht vergleichbar mit einem WLAN-Router.

Er fährt gerne 250 km/h und es sitzen oft mehr als 200 Fahrgäste im Zug. Zudem ist das Streckennetz der ICE-Züge leider von den Mobilfunkprovidern noch nicht so ausgeleuchtet, dass man eine konstante Geschwindigkeit anbieten kann.

Mein Ergebnis zum Videostreaming: Wenn der Zug sehr sehr leer ist, kann man ohne Probleme ein Video streamen. Ist der Zug voll, funktioniert es nicht. Ist aber überhaupt kein Problem. Ab Frühjahr kommt mit Maxdome onboard ein Entertainment-Angebot in die Züge.

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Die Schwächen

Zwei Monate nach den Roll-Out auf alle ICE-Züge sind aber auch ein paar Faktoren hervorzuheben, die nicht optimal laufen. Bei hohen Geschwindigkeiten (ab 230 km/h) fällt vermehrt auf, dass die Internet-Geschwindigkeit spürbar abnimmt. Hinzu kommt noch, dass die Verbindungen im Tunnel teilweise abbrechen.

Letzteres liegt aber vor allem an der geringen Mobilfunkabdeckung entlang der Tunnel. Hier soll sich in den kommenden Monaten aber noch etwas tun. Auch auf Strecken ohne Tunnel, wo die Ausleuchtung der Mobilfunkprovider noch nicht ausgebaut ist, lässt das WLAN im ICE kaum ein komfortables Surfverhalten zu. Es sind zwar nur sehr wenige Abschnitte, aber es ist spürbar.

Abzuwarten bleibt auch noch die Wiedereinführung des ICE-Portals. Vergangene Woche bin ich durch Zufall bereits auf einen ICE gestoßen bei dem das ICE-Portal wieder verfügbar war. Das ICE-Portal kann vor allem dann hilfreich sein, wenn man keinen Internetzugang hat, da die Inhalte auch offline verfügbar sind.

Ein erstes Fazit zu WIFIonICE

Ein erstes Fazit Es war definitiv der richtige Schritt WLAN in die ICE-Züge der DB zu bekommen. Es ist ein großer Fortschritt im Vergleich um Telekom-Hotspot spürbar. Jetzt sind aber die Mobilfunkprovider an der Reihe. Hier muss nämlich noch einiges passieren, sodass sich die Geschwindigkeit auf langen Zugfahrten stabil ist.

Die Geschwindigkeit bleibt Herausforderung der Bahn. Das Ziel muss es sein, bei Geschwindigkeiten über 230 Stundenkilometern, eine stabile und nutzbare Internetverbindung im Zug zu haben. Ich bin gespannt, wie sich das Angebot, auch mit Hinblick auf das ICE-Portal und Maxdome onboard, in den kommenden Monaten entwickelt.

Wie sind eure Erfahrungen nach den ersten Monaten mit WIFIonICE? Ich freue mich auf eure Meinung in den Kommentaren.

#Test#WIFIonICE#WLAN im ICE
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
11 Kommentare
  • […] In der zweiten Klasse wird zudem die Geschwindigkeit nach 200 MB Datenverbrauch gedrosselt. Die anschließende Geschwindigkeit wird brauchbar bleiben, aber die Ladezeit werden sich deutlich verlängern. Für die Streaming-Freunde unter uns wird mit Maxdome onboard zudem ein Film- und Serienangebot in den Zug Einzug erhalten. Mehr Infos dazu hier. Meinen ausführlichen Testbericht nach 5 Monaten „WIFIonICE“ kannst du hier nachlesen! […]

  • Michael sagt:

    Ich habe sehr ähnliche und fast immer durchweg positive Erfahrungen mit dem WLAN im ICE machen dürfen und bin froh, das die Bahn diese nächste Stufe so gut hinbekommen hat.

    Aber bei der Einleitubg zu diesem Beitrag musste ich an deinen Artikel zum WLAN im Regionalverkehr denken. Hat sich deine Meinung darüber geändert?

    • Tim Grams sagt:

      Hey Michael,

      vielen Dank für dein Feedback und für deine Erfahrungen.

      Bei WLAN im Regionalverkehr sehe ich das alles immer noch so, wie im Beitrag geschrieben.

      Beste Grüße
      Tim

  • Auch ich habe bisher fast nur positive Eindrücke sammeln können. Auf meinen Fahrten von Bremen nach Basel bzw. zurück habe ich meist durchgehend funktionierendes WLAN, wenn man einzelne Tunnel mal außen vor lässt. Aber sogar im 16km langen Katzenbergtunnel zwischen Freiburg und Basel gibt es Tage, an denen man dort noch sehr guten Empfang hat. Einwählen kann man sich meist eh erst kurz vorm Tunnel bzw. im Tunnel, wenn man von Basel kommt. Auf dem Abschnitt Basel Bad Bf bis Haltingen scheint das Schweizer Netz alles zu überdecken, was mir aber auch im normalen Handynetz entlang der Hochrheinbahn aufgefallen ist.

    Was man aber definitiv noch verbessern kann, sind die Infos darüber, ob das WLAN funktioniert oder nicht. Wenn ich im Zug sitze und nur einmal kurz die Möglichkeit habe mich einzuwählen und wieder rausgeschmissen werde in einem leeren Zug, möchte ich das vorher wissen. Auf keiner der mir bekannten Seiten konnte ich eine solche Info über meinen Zug finden.
    Naja, aber sonst sehr positiv :)

    Grüße

    • Tim Grams sagt:

      Hey Florian,

      vielen vielen Dank für dein ausführliches Feedback zum WLAN.
      Freut mich, dass dir das Angebot so positiv aufgefallen ist.

      Beste Grüße
      Tim

  • Klaus sagt:

    Danke für den Bericht zum Wifi an Bord der ICE Züge. Das war der richtige Schritt der Bahn und bisher habe ich gute Erfahrungen mit der Verbindungsqualität gemacht. Und das auf der schwierigen Schnellstrecke zwischen Frankfurt Flughafen und Köln. Mein Eindruck ist, dass die jetzige Technik die ständigen Tunnel etwas besser verkraftet als die Telekom Hotspots.

  • Trainspotter210 sagt:

    Ich durfte auch das SLAN einmal testen und bin da ganz deiner Meinung. Es ist schon ein großer Schritt nach vorne da sich die Welt ja immer mehr digitalisiert.
    Die Anmeldung verlief sehr einfach und übersichtlich. Zu der Drosselung, ich fahre immer von Fulda nach Frankfurt und die 200 MB erreiche ich auf dieser kurzen Fahrt nie. Auch wo ich mal von FFM nach Hamburg gefahren bin habe ich ebenfalls das Volumen nicht erreicht. Deswegen ist 200 MB völlig ausreichend. Auf meiner RB 58 wird dann die Hessische Landesbahn die Leistungen übernehmen und es sird dann auch WLAN geben, allerdings hibt es da das Problwm nicht mit den Netzlücken da das Rhein Main Gebiet sehr sehr gut ausgebaut ist was Internet angeht.
    Naja auf jeden Fall ist das WLAN und onboard der richtige Schritt.
    LG Jannis :)

    • Tim Grams sagt:

      Hey Jannis!

      Vielen lieben Dank für dein ausführliches Feedback zum neuen WLAN und dein Kommentar zur Drosselung.
      Stimme ich dir voll und ganz zu.

      Beste Grüße
      Tim

  • Olaf Lange sagt:

    Das sind nicht (nur) die Mobilfunkbetreiber, aber es will ja offensichtlich niemand hören. Heute früh mache ich die dritte Fahrt Berlin – Köln und habe zum zweiten Mal kein WLAN (1. Klasse). Und dies ist kein Einzelfall, so geht es mir Woche für Woche. Nochmal…. nicht grauenhafte Übertragungsraten, sondern die Verfügbarkeit der WLAN Infrastruktur ist ein Problem. Wir haben uns nur leider alle an den Umstand gewöhnt, dass die Bahn das halt nicht zuverlässig hinbekommt.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Olaf,

      es hat ja auch niemand gesagt, dass nur die Mobilfunkbetreiber dafür verantwortlich sind. Du hast vollkommen recht. Erstmal muss das WLAN überhaupt da sein und dann darf man sich auch über die Internetverfügbarkeit beschweren.
      Zuerst ist die Bahn in der Pflicht die Infrastruktur zu stellen und anschließend sind es die Mobilfunkprovider.

      Danke für deine Offenheit und dein Feedback.

      Beste Grüße
      Tim

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