4. Oktober 2017

4 Unterschiede zwischen Bahnhöfen in Deutschland und Österreich

4 Unterschiede zwischen Bahnhöfen in Deutschland und Österreich

Mein Sommerurlaub ging in diesem Jahr in die österreichische Hauptstadt Wien. Für mich war es das erste Mal in dieser tollen Stadt. Auch konnte ich zum ersten Mal die Bahnhöfe in Österreich genauer unter die Lupe nehmen. Das habe ich während meines Urlaubs auch gemacht und für euch die Unterschiede zusammengeschrieben.

Was können wir in Deutschland von unseren österreichischen Kollegen der ÖBB lernen? An welchen Punkten haben die Bahnhöfe in Österreich Vorteile? Können wir einzelne Strukturen auch auf Deutschland übertragen?

Es geht in dieser kleinen Analyse nicht darum, dass die Bahnhöfe in Deutschland total unterentwickelt sind, allerdings habe ich festgestellt, dass man mit kleinen Dingen, die in Österreich clever umgesetzt worden sind, schon großes bewegen kann.

Wartebereiche vom Flughafen

Als ich nach 7 Stunden und 45 Minuten pünktlich am Wiener Hauptbahnhof angekommen bin, fiel mir sofort auf, dass kaum etwas auf den Bahnsteigen los war. Um 17 Uhr. In Deutschland ist zu dieser Uhrzeit an jedem großen Bahnhof immer die Hölle los. Wo waren die Reisenden in Österreich?

Als ich die Rolltreppe vom Bahnsteig heruntergefahren bin, wusste ich, wo sich alle aufhalten. In den Wartebereichen im Bahnhof. Wie am Flughafen waren im Wiener Hauptbahnhof (auch am Wiener Westbahnhof) zahlreiche Sitzreihen aufgebaut. Nebenan zahlreiche Bildschirme mit aktuellen Informationen zum Bahnverkehr und zu den Zügen.

Es ertönt eine klare und verständliche Ansage: „Railjet 1721 nach München Hauptbahnhof fährt auf Gleis 8 ein“. Sofort setzten sich einige Reisende aus den Wartebereichen in Bewegung.

Warum haben wir diese Struktur in Deutschland nicht? Warum gibt es im Bahnhof eigentlich so wenig Sitzmöglichkeiten? So leer wie am Wiener Hauptbahnhof sind die Bahnsteige am Hauptbahnhof in Frankfurt nur Nachts zwischen eins und drei.

Infodisplays am Wieder Westbahnhof

Aufbau des Bahnhofs

Nach mehr als sieben Stunden Fahrt hatte ich ein wenig Hunger. Doch kaum hatte ich den Bahnsteig und die Wartebereiche im Bahnhof hinter mir gelassen, fiel mir auf, dass kein Bäcker und Fast-Food Restaurant in Sichtweite war.

Bevor ich das Smartphone zücke, ging ich nochmal um die nächste Ecke. Dort wurde mir dann alles klar. Die ganze „Food-Meile“ war bewusst von den Zugängen zu den Gleisen abgetrennt, damit sich die Menschen, die auch nur zum Essen in den Bahnhof kommen, nicht mit den Reisenden über den Haufen laufen.

Dieses Bild sieht man immer wieder in Hannover am Bahnhof. Dort ist zu den Hauptverkehrszeiten kaum ein Durchkommen. Auch die Lautstärke in den Wartebereichen, die meist in der Nähe von Gleisaufgängen platziert sind, ist dadurch deutlich ruhiger. Zudem gibt es mehr Rolltreppen, meist drei, zu den Gleisen.

Alle Displays im Bahnhof sind digital und gut lesbar. Die Beschilderung ist durchdacht und verliert nicht den roten Faden. Das haben wir allerdings auch in Deutschland.

Bahnhofstafel im Wiener Hauptbahnhof

Kurz nach dem Waschgang

Frauen haben in ihren Handtaschen oft einen Spiegel dabei. Am Wiener Hauptbahnhof brauchen sie diesen nicht unbedingt. Der Boden ist an nahezu allen Stellen so sauber, dass man sich auch ohne Probleme darin spiegeln kann. Ich kenne sehr viele Bahnhöfe in Deutschland, vor allem große Bahnhöfe, die durchaus mit dem Wiener Hauptbahnhof vergleichbar sind. Keiner dieser Bahnhöfe war bisher so sauber.

Bevor jetzt jemand sagt: „Der Müll und Dreck kommt ja nicht von der Deutschen Bahn, sondern von vielen Kunden“, möchte ich da direkt einhaken. Natürlich legt die Deutsche Bahn keinen Müll aus. Die ÖBB oder andere Eisenbahnverkehrsunternehmen machen das auch nicht. Natürlich bringen Reisende, Besucher und viele andere Müll mit den in den Bahnhof.

Nicht jeder trifft den Mülleimer und hat immer saubere Schuhe. Das ist nicht nur in Deutschland der Fall. Der Unterschied liegt in der Regelmäßigkeit des Putzens. Man braucht nur 30 Minuten am gleichen Ort sitzen oder auch stehen bleiben und man sieht das Service-Personal am Wiener Hauptbahnhof in Aktion.

Der DB Reiniger

Die Deutsche Bahn hat diese Regelmäßigkeit bereits für ihre Züge eingeführt. Auf langen Zugfahrten kommt mehrfach ein Mitarbeiter und leert die Mülleimer und kontrolliert die Toiletten. Das ist ein sehr wichtiger Schritt. Doch der Bahnhof ist auch dran: Mit dem sogenannten DB Reiniger können Kunden per WhatsApp an ausgewählten Bahnhöfen Schmutz melden.

Ein Mitarbeiter kümmert sich schnellstmöglich darum und der Kunde bekommt eine Nachricht, wenn der Müll beseitigt wurde. Ich persönlich bin gespannt, wie sich dieser Service in den kommenden Jahren an den Bahnhöfen weiterentwickelt und wie es sich auf die Sauberkeit an Bahnhöfen auswirkt.

ICE T steht im Wiener Hauptbahnhof zur Anfahrt bereit

Service

An meinem Anreisetag hat die ÖBB ein sehr spannendes Pilotprojekt ins Leben gerufen. Kunden können sich unter einer Hotline, im Reisezentrum oder auf der Webseite melden und einen Gepäckservice zum Gleis buchen. Aktuell ist dieser Service nur rund um den Wiener Hauptbahnhof buchbar.

Aus meiner Sicht ist dieses Angebot ein wirklich wichtiger Schritt für die Kunden, den man auch in Deutschland so anbieten könnte. Wie bereits angesprochen sind mir sehr viele Service-Mitarbeiter im Hauptbahnhof Wien aufgefallen, die immer wieder die Augen nach Kunden, die sich nicht so auskennen offen gehalten haben.

Fazit

Alles in allem lässt sich festhalten, dass die Österreichische Bundesbahn mit ihren Bahnhöfen im Vergleich zu Deutschland einen Schritt weiter ist. Mehr Servicepersonal, deutlich sauberer, strukturierter aufgestellt und wirklich sehr passende Wartebereiche wie man sie aus Flughäfen kennt.

Ich kann bei diesem Vergleich zwar nicht für alle Bahnhöfe in Österreich und Deutschland sprechen, da ich weder alle Bahnhöfe in Österreich noch Deutschland kenne, allerdings sind die vier von mir angesprochenen Punkte definitiv vergleichbar mit den Bahnhöfen in Deutschland.

Ich freue mich auf dein Feedback zu diesem spannenden Vergleich.

#Bahnhöfe#ÖBB#Vergleich
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
9 Kommentare
  • m sagt:

    Finde es nicht gerade super, dass du von einer Handvoll Wiener Bahnhöfen auf ALLE in ganz Österreich schließt. Hier ist definitiv Verbesserungspotenzial!

    • Tim Grams sagt:

      Hey, ich schließe hier keineswegs auf alle Bahnhöfe. Ich betone mehrfach, dass ich nicht für alle Bahnhöfe in Österreich und Deutschland sprechen kann.

      Beste Grüße
      Tim

  • Patrick Leitner sagt:

    Ja ist in Innsbruck genau so auch wenn der Wiener Hbf neuer ist der ICE dürfte dir ein Stück heimisch vor gekommen sein Sonst alles in einem ein gelungenener Bericht

  • Axel sagt:

    Und jetzt schau mal wie viel Deutschland pro Kopf in den Schienenverkehr investiert, und wie viel Österreich. Mehr muss man dazu nicht sagen.

  • Mark sagt:

    Spannend. Die Frage ist, ob das geschriebene wirklich für Österreich repräsentativ ist. Der Wiener Hauptbahnhof ist ja ein Neubau und auch noch nicht so lange in Betrieb. Da ist es natürlich leicht, so etwas umzusetzen. Ich war in diesem Jahr auch mal da und fand es wirklich angenehm. Die Frage ist, wie die ÖBB das in anderen Bahnhöfen umsetzt. Salzburg Hbf, der ja zumindest umfassend modernisiert wurde, so dass man fast von einem Neubau sprechen könnte, fand ich jetzt weniger angenehm.

    • Lorenz sagt:

      Ich denke, dass dieser Artikel schon auf die meisten Bahnhöfe in Österreich zutrifft. Ich als Salzburger finde den neuen Salzburger Hauptbahnhof sehr gelungen, da er viele praktische Merkmale aufweist, die selbst die modernisierten Bahnhöfe der DB nicht bieten. Beispiel sind die Abfahrtsanzeigen: im kürzlich modernisierten Bahnhof Traunstein fand ich im gesamten Bahnhof glaube ich 2 Abfahrtsmonitore. Auf jedem Bahnsteig standen zwar auf den Zugzielanzeigen die nächsten Abfahrten des jeweiligen Bahnsteiges, jedoch muss man, wenn man einen speziellen Zug auf den Anzeigen finden will entweder alle Bahnsteige abklappern oder zurück in die Haupthalle gehen, wo man dann eine (nicht allzu große) Abfahrtstafel vorfindet. Im Salzburger Hauptbahnhof hängen so viele digitale Anzeigen, dass man nicht mehr als einige Meter gehen muss, um eine Anzeige zu finden, auf der die nächsten Züge übersichtlich aufgelistet sind. Derartige Anzeigen gibt es in fast jedem ÖBB- Bahnhof zur genüge. Auch sind alle österreichischen Bahnhöfe immer sehr sauber (die in Deutschland m. M. n meistens auch).

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