14. Juni 2016

Traumberuf Lokführer: Darum hat Claus Weselsky recht!

Traumberuf Lokführer: Darum hat Claus Weselsky recht!

Es sind harte Wochen für die Menschen, die Tag für Tag die Züge durch Deutschland fahren. Lokführer stehen auf Grund von autonomen Zügen vor dem Aus. So soll es ab 2021, 2022 oder 2023 sein. Die Spekulationen um den Traumberuf Lokführer bringen allerdings viele Probleme mit sich.

Eins steht fest: Der Lokomotivführer steht keineswegs vor dem Aus! Frust bei Lokführern macht sich breit – viele junge Menschen sehen ihre Zukunft in Gefahr, weil sie ihren Traumberuf nicht ausüben können und in den sozialen Netzwerken wird von der gerechten Strafe für die Streiks gesprochen.

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky hat sich zu diesem Thema geäußert und auch ich möchte das tun, weil er recht hat.

Bereits heute schon werden viele Diskussionen über autonomes Fahren auf der Schiene geführt. Auch ich habe ein Video zu diesem Thema veröffentlicht, in dem ich betone, dass ich es sehr kritisch sehe, die Verantwortung von teilweise mehr als 800 Menschen im Zug auf eine Maschine abzuwälzen. Auch wenn es bereits bei U-Bahnen funktioniert, heißt es nicht, dass es auf dem Schienennetz der Deutschen Bahn auch funktioniert.

Frust auf ganzer Schiene

Den Frust der Lokführer nach den Schlagzeilen in den letzen Wochen kann ich voll und ganz nachvollziehen, denn “Züge fahren” ist mehr als den Zug nur mit ein paar Sensoren auszustatten.

Handlungen, die nur von Menschen durchgeführt werden können, wie zum Beispiel eine Störung am Fahrzeug oder an der Strecke, sind Tagesgeschäft. Eine Maschine kann diese Störungen nicht beheben, da man menschliche Hände und Feingefühl benötigt, um diese Einschränkungen zu beseitigen.

Ich musste vergangene Woche auf Twitter lesen, dass die Ankündigung der autonomen Züge eine Strafe für die Lokführerstreiks ist.

Das und noch viel mehr Schwachsinn erstreckt sich Tag für Tag durch die gesamten sozialen Netzwerke, wo vermeintliche Experten, die den Bahn-Betrieb in Deutschland seit Jahren „kennen”, ihre Meinung äußern, aber selbst seit Jahren keine Bahn mehr gefahren sind und digital noch mit einem Nokia 3510i unterwegs sind.

Schade, dass die Deutsche Bahn in Deutschland so eine schlechte Stellung hat. Vor allem die Presse spielt auch dafür eine große Rolle, die jede vermeintliche negative Schlagzeile in eine Story verpackt und den Menschen vor die Nase hält. Das muss aufhören!

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Mischverkehr

Ein weiteres sehr kritisches Thema in Deutschland im Bezug auf autonomes Fahren auf der Schiene ist der Mischverkehr. Denn nicht alle Züge fahren die gleichen Geschwindigkeiten, haben die gleiche Ladung und haben zudem auch bestimme Beförderungsanordnungen, die auch der Triebfahrzeugführer (Lokführer) beachten muss.

Wenn selbst der Skytrain am Frankfurter Flughafen im Hintergrund 50 Menschen benötigt, um führerlos zu fahren, wie soll die Anzahl der Mitarbeiter dann bei der Deutschen Bahn sein?

Infrastruktur

Aktuell arbeitet die Deutsche Bahn Tag für Tag an der Schieneninfrastruktur, da diese in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden ist.

Doch die Infrastruktur, die ich hier ansprechen möchte, ist die technische Infrastruktur für das autonome Fahren. Jeder weiß, dass die Deutsche Bahn im Sektor Digitalisierung erst in den Startlöchern steckt.

Das bedeutet, dass Prozesse, die bei anderen Unternehmen schon seit 10 Jahren digital sind, erst heute bei der Bahn digitalisiert werden. Klar, dass Unternehmen ist groß, aber die Umstellung auf das autonome Fahren auf der Schiene braucht eine digitale Grundlage, die die Deutsche Bahn nicht hat und auch 2021, 2022 und 2023 nicht haben wird.

Wir sprechen hier von fünf bis sieben Jahren. Ein kurzer Zeitraum um eine Infrastruktur zu schaffen, die einen Menschen ersetzen soll, die Sicherheit der Fahrgäste gewährleisten soll und gleichzeitig auch noch zuverlässig funktioniert. Ein viel zu kurzer Zeitraum!

“Wer den Menschen vorgaukelt, 2021 sei unsere Eisenbahn komplett anders, der ist ein Scharlatan und lenkt nur vom aktuellen Chaos ab” – Claus Weselsky

Es ist richtig, dass die Deutsche Bahn im digitalen Sektor aktiver ist als je zuvor. Auch ich bin Befürworter davon. Dennoch weiß ich, welch’ eine Herausforderung es ist den Bahn-Betrieb zu automatisieren.

Der Lokführer ist auf Grund von elektronischen Stellwerken, die in Betriebszentralen fernab von Bahngleisen stehen, das Auge der Fahrdienstleiter. Eine Kamera würde dieses Auge ersetzen, aber der Fahrdienstleiter hat andere wichtigere Aufgaben als auf eine Kamera zu schauen. Auch hier ist es nahezu unmöglich eine technische Infrastruktur in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen.

Denn jeder weiß, wie komplex die Datenmengen von Kameras sind. In diesem Fall werden die Aufnahmen nämlich dann nicht lokal aufgezeichnet, sondern müssten LIVE sein.

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Vertrauen

Seit der Ankündigung habe ich mit vielen Menschen gesprochen und denen vom autonomen Fahren auf der Schiene erzählt. Im Schnitt würden 8 von 10 Menschen nicht in einen Zug ohne Lokführer einsteigen.

Auch ich als “digitaler Freak” bin skeptisch.

Ebenfalls bin ich mir sicher, wenn die Bahn-Kunden wüssten welche Verantwortung jeder Lokführer Tag für Tag auf seinen Schultern trägt, würden sich sogar 10 von 10 dagegen entscheiden.

Kein klares Konzept

Auf Worte müssen Taten folgen bzw. am Besten schon ein untermauerndes Konzept vorliegen. Tut es aber nicht.

Dr. Rüdiger Grube hat sich lediglich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu diesem Thema geäußert und eben gesagt, dass es ab 2021, 2022 oder spätestens 2023 autonome Züge der Deutschen Bahn in Deutschland geben wird.

Doch diese Aussage hat eigentlich keinerlei Inhalt. Allein die Unklarheit beim Datum. Kein genauer Ablauf deutet darauf hin, dass im Jahr 2023 wirklich ein funktionierendes automatisiertes System auf der Schiene zu finden ist.

Ähnlich wie bei Stuttgart 21 vermisst man einen Ablaufplan und ein Konzept.

Zusammenfassung

Nehmen wir alle die aufgeführten Punkte zusammen, sollte schnell klar sein, dass 2023 vielleicht ein Zug auf einer Strecke von 20km alleine hin und her fahren kann.

Es wird noch sehr lange so sein, dass wir die Fachkompetenz aller Lokomotivführer in Deutschland brauchen. Jahrzehnte!

Auch Weselsky untermauert das in seinem Interview mit dem Deutschlandradio. Bisher gibt es kein Konzept, kein Vertrauen, keine digitale Infrastruktur, aber viel Mischverkehr und Frust beim Thema autonomes Fahren.

Die Deutsche Bahn muss sich auf die grundlegenden Dinge fokussieren. Das Befördern von Kunden und Transportieren von Gütern.

Wenn das alles reibungslos klappt und sich noch weiter verbessert könnte man auch ans autonome Fahren denken! Vorher bitte ich alle Kunden: Habt Respekt vor dem Beruf eines Lokführers oder Fahrdienstleiters.

Diese Verantwortung auf eine Technik abzuwälzen halte ich für Kritisch und sicherheitstechnisch nicht richtig.

#Autonome Züge#Autonomes Fahren#Kommentar#Weselsky
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
38 Kommentare
  • Anna Amely sagt:

    Ich hab mal ausgerechnet wieviele Menschen es bräuchte, um alle ICEs führerlos fahren zu lassen: 30000. Wie gesagt alleine für alle ICEs.
    Und dann muss man ja noch bedenken, dass da noch viel mehr Züge dazukommen.
    Also ich halte es auch für unrealistisch, dass schon ab 2021 Züge führerlos fahren werden.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Anna, so kann man das natürlich nicht rechnen, wenn es ein ausgereiftes System gibt. Das war ja erstmal nur ein Vergleichswert. 🙂

      Dennoch danke für deine Einschätzungen.

      Beste Grüße
      Tim

  • Christian sagt:

    Das einige Züge irgendwann mal automatisiert fahren werden, kann ich mir vorstellen. Die Betonung liegt aber auf IRGENDWANN.
    Warum, weil es derzeit politisch nicht gewollt ist, das die Bahn in Deutschland vorran gebracht wird. Man schaue sich tagsüber auf einer deutschen Autobahn um, LKW an LKW. Man schaue sich den Dieselskandal an. Wie kann soetwas in einem demokratischen Land wie Deutschland möglich sein. Weil Lobbyisten der Autoindustrie in Deutschland das sagen haben. Wenn Züge der Bahn verspätet sind oder Ausfallen, wenn mal wieder eine Langsamfahrstelle (teilweise auf 40 km/h) wegen eines Gleislagefehlers eingerichtet wird, obwohl der Fehler bereits 1½ Jahre bekannt ist, dann hat das politische Ursachen. Nicht die Bahn ist daran schuld. Sondern politische Entscheidungen in Deutschland. Das die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, lassen deutsche Politiker zu.
    Unter dem Strich steht in der Mathematik bei einer Gleichung immer der Nenner. Bei den Lobbyisten steht unterm Strich meistems Geld (Profit), bei Politikern Macht. Solange diese beiden Punkte den Verantwortlichen in Deutschland am wichtigsten sind, werden wir u.a. keine vernüftig funktioniernde Bahn und auch keine soziale Gerechtigkeit haben.
    Von daher mache ich mir zumindest keine Sorgen um die Lokführer oder Fahrdienstleiter. Sie werden weiterhin in unserem teilweise maroden System Bahn alles gaben, um den Bahnbetrieb aufrecht zuerhalten.
    Liebe Reisenden, denkt bei der nächsten Verspätung oder Zugausfall bitte an die oben genannten Worte, wenn ihr wieder auf die Bahn schimpft. Mit eurem Kreuz alle 4 Jahre habt ihr es selbst in der Hand, ob sich in Deutschland was ändert. Solange ihr es bei einer Partei wie dem Dobrint-Verkehrsbahnvernichtungsminister macht, werdet ihr euch auch weiterhin über Verspätungen und Zugausfälle ärgern.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Christian, vielen Dank für dein Feedback zu diesem Thema. Allerdings sehe ich das etwas anders. Es ist schon gewollt, dass langfristig die Züge automatisiert werden, aber erstmal ist die Technik nicht soweit.

      Denn wenn man ehrlich ist, ist das autonome Fahren am Ende eine Kosteneinsparung an Personal und ich denke, dass da vor allem der Profit zu buche schlägt.

      Erstmal brauchen wir eine Technik, die das kann und das vor allem sicher. Solange das nicht da ist, kann die Politik so viele Machtspielchen machen, wie sie will.

      Dennoch stimme ich dir teilweise zu, dass die Politik in Deutschland aktuell eher den Fokus auf die Autoindustrie legt, aber in Richtung Bahnverkehr hat sich in den letzten Jahren auch einiges getan. Schauen wir mal, wie es sich weiter entwickelt.

      Beste Grüße
      Tim

  • Paul sagt:

    Ich möchte nur im Ansatz wissen, wiee eine solche “automatische” Infrastruktur vandalensicher sein könnte? ETCS ist es bestimmt nicht.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Paul,

      ich kann es mir auch einfach noch nicht vorstellen. Schauen wir mal, was da in den kommenden Jahren noch auf uns zu kommt.

      Beste Grüße & danke für deinen Kommentar.
      Tim

  • […] beziehe mich hier vor allem auf die Berufe im Bahnbetrieb, wie Lokführer, Fahrdienstleiter und z.B. Gleisbauer. Diese Berufe sind, neben einigen andern, das Fundament der […]

  • Nun, völlig unabhängig, ob die Züge nun eines Tages automatisch rollen oder nicht. Sie fahren immer nur hintereinander her. Wenn mehr Verkehr auf die Schiene gebracht werden soll, dann muss die Politik endlich damit aufhören, die Eisenbahninfrastruktur in Deutschland immer weiter abzubauen. Jetzt gerade ist wieder eine Nebenbahn stillgelegt worden und die Fahrgäste dieser Strecke werden so gezwungen, nun auf die Straße auszuweichen, weil kein Zug mehr fährt. So ging das bereits seit Kriegsende Jahr für Jahr und die Bahnreform hat dieses Streckensterben sogar eher noch beschleunigt und den Ausverkauf der Bahn extrem befördert. Inzwischen sind weite Teile der Eisenbahninfrastruktur nachhaltig so zerstört worden, dass einst völlig selbstverständliche Dienstleistungen von der Bahn überhaupt nicht mehr angeboten werden können, selbst wenn die Bahn auf einmal wieder wollte.

    Die Rede ist einmal von der Gepäckbeförderung im Zug. Die heute völlig verwaisten Gepäckbahnsteige in Köln Hbf standen früher voll mit Gepäckkarren. Der Aufzug am Bahnsteig führte hinunter zu einem riesigen Gepäcklager, aus dem heute der “Einkaufsbahnhof” geworden ist. Dafür stehen heute die Koffer überall im Gang und gibt man die Koffer auf, fahren sie neben dem Zug her über die Autobahn, auf der Ladefläche eines LKW.

    Früher gab es auch überall Stückgutabfertigungen. In dem Güterschuppen konnte man Pakete einliefern, wie bei der Post. “Gütr gehören auf die Bahn” erzählte mir dort Nick Knatterton von einem ovalen Aufkleber, der überall damals zu sehen war. Nichts davon ist geblieben.

    Der Obst und Gemüsegroßmarkt hatte früher einen Gleisanschluss. Bananen kamen mit der Bahn, meistens mit Bananenwagen von “Transfesa”aus Spanien. Das ist deshalb interessant, weil diese Güterwagen umspurfähig waren, weil in Spanien auf Breitspur gefahren wird, außerhalb der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken. Selbst diese Systemeinschränkung und die Notwendigkeit , dafür spezielle Güterwagen vorhalten zu müssen, waren damals kein Grund, alles auf den LKW zu verladen. Fahren heute überhaupt noch Bananen mit der Bahn? Wenn überhaupt, dann nur noch Transit, denn in Deutschland wurden die Ladestellen dafür schon längst geschlossen.

    Und jetzt faselt Grube etwas vom automatischen Fahren? Auf einer völlig vernachlässigten und obendrein sogar vielfach regelrecht mutwillig zerstörten Eisenbahninfrastruktur, dessen Sicherheitstechnik stellenweise noch aus den dreißiger Jahren stammt, will er bis 2021, 22, 23 automatisch fahren? Das hätte ich ihm geglaubt, wenn die Eisenbahn in Deutschland nach dem Krieg ebenso gefördert worden wäre, wie die Straße oder nur die Binnenschifffahrt. Überall wurde aufgebaut, doch Eisenbahn wurde in Deutschland seit 1921 eigentlich nur noch abgerissen. Stillgelegte Nebenstrecken waren der Anfang, danach waren es die Rangierbahnhöfe, denn rangieren hält ja nur auf. Ein lokführerloses System auf die Schiene zu bringen, gehört nach den Stand der Technik in das Reich der Utopie. Prinzipiell sicherlich möglich, aber nicht mit einer Eisenbahn, die von unserer Gesellschaft derart stiefmütterlich behandelt und sich selbst überlassen wird. Wo sind die Menschen, die für den Erhalt des Systems “Eisenbahn” auf die Straße gehen. Die den Ausbau der Eisenbahn fordern, statt 60 Tonner auf der Autobahn zuzulassen.

    In der DDR musste jedes Ladegut, dass über mehr als 100 Km befördert wurde, grundsätzlich auf die Schiene. So strikt müsste es gar nicht sein. Aber warum haben sämtliche Zentrallager der Deutschen Supermarktketten eigentlich keinen Gleisanschluss mehr? Warum kehrte die Post der Bahn gleich so den Rücken, dass es nahezu unmöglich ist jemals wieder zu kommen? Das sind die Fragen, die ich mir stelle. Automatisierung ist da ein völlig untergeordnetes Problem, denn sie verlagert den “Lokführer” lediglich in ein Stellwerk, wo sich dann unzählige Menschen um jeden einzelnen Zug kümmern müssen. Der Beruf des Lokführers wird sich also teilweise stark verändern, überflüssig wird er nicht.

  • Rene sagt:

    Solange vergleichsweise einfache Softwareprobleme wie die Integration der La-Stellen in den elektronischen Buchfahrplan nicht funktioniert, sollte man auf das Gerede vom Potsdamer Platz nichts geben. Es wird wie bei der Neigetechnik Geld versenkt und einige Firmen stossen sich gesund.

  • Ra kapott sagt:

    Es gibt schon länger Elektronische Stellwerke in denen auch “Selbststellbetrieb” genutzt wird. Voll digital. Trotzdem sitzt da ständig ein Fahrdienstleiter. Warum? Weils eben nicht ohne geht. Und die neue Technik eben nicht zuverlässig ist. Weil es Kabeldiebe gibt… wahrscheinlich demnächst auch Balisendiebe. Weil in dem chip sicher Edelmetall enthalten ist. Ich denke vob der tollen Technik wird zu viel erwartet. Das kann sie so in absehbarer Zeit noch nicht erfüllen

  • Matze sagt:

    “Ähnlich wie bei Stuttgart 21 fehlt das Konzept” – und trotzdem werden monatlich Unsummen dafür ausgegeben obwohl man genau weiß das der Kostendeckel schon mehr als einmal überschritten wurde. Nein, egoistisch wie die Bahn ist wird weiter Geld vergraben. So wird es beim autonomen Fahren der Züge auch sein, koste es was es wolle, es wird gemacht. Und Alternativen gibt es natürlich keine.
    Das Geld wäre besser in der Verbesserung der Infrastruktur und dem barrierefreien Ausbau aller deutschen Bahnhöfe investiert.

    Ich persönlich würde mich auch nur ungern in einen autonomen ICE setzen. Mensch vor Maschine.

  • Paul sagt:

    Habe eine frage zu dem Beruf des Lokführer’s kann man diesen auch mit einer rot grün schwäche ausüben?

    • Tim sagt:

      Guten Tag Paul,

      vielen Dank für deine Frage!
      Leider muss ich ich dir mitteilen, dass Rot und Grün die Hauptfarben für diesen Beruf sind. Daher ist es nahezu unmöglich Lokführer mit einer Rotgrün-Schwäche zu werden.

      Tut mir leid.

      Beste Grüße
      Tim

  • Josua sagt:

    Ich persönlich wohne in Nürnberg und hatte noch nie Angst, in eine automatische U-Bahn einzusteigen.
    Inzwischen fahren auf der U3 und, was der Presse anscheinend teilweise noch nicht bekannt ist, auch auf der U2 ausschließlich DT3(F).
    Leider fahre ich nicht täglich mit der U-Bahn. Somit kann ich schlecht beurteilen, ob diese zuverlässig ist oder nicht (Ich pendle mit der DB zur Schule und bin sehr zufrieden).

    Wenn es eine U2 und eine U3 gibt, muss es ja normalerweise auch eine U1 geben. Doch von der hört man in den Medien eher selten etwas. Sie wird noch konventionell mit einem Fahrer betrieben, weil es zu kostenintensiv wäre, diese Strecke für einen automatischen Betrieb umzurüsten.
    Ich denke, dass die DB auch auf diese Art von Problemen stoßen wird.

    Ich glaube, dass irgendwann, warscheinlich noch dieses Jahrhundert, viele Züge in Deutschland autonom fahren werden.
    Die Aussage von Dr. Rüdiger Grube ist schwer zu beurteilen, da er nichts über die Anzahl der Züge sagt. Ein Testbetrieb in 7-9 Jahren kann ich mir durchaus vorstellen, vielmehr aber nicht.

    Grüße,

    Josua

  • Thomas sagt:

    Ich möchte hierzu mal noch einen, m.E. nicht unwesentlichen, Gesichtspunkt zu diesem Thema erörtern. Das vollautomatisierte Fahren ist zum Teil schon heute möglich, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen, so zum Beispiel auf Triebfahrzeugen mit entsprechender Technik (der sogenannten ” automatischen Fahr- und Bremssteuerung AFB”; ich bezeichne diese gerne als Geschwindigkeitssteuerung) und der linearen Zugbeeinflussung (LZB). Unabhängig von der Tatsache, dass diese technischen Eigenschaften deutschlandweit noch lang nicht überall zu finden sind, funktioniert das ganze auch nur störungsfrei bei Sonnenschein und trockener Schiene. Jeder, der vom Gegenteil überzeugt zu seien scheint, sollte einmal bei Rauhreif oder Regen, mit einem grenzlastigen Güterzug, beispielsweise von Mannheim nach Vaihingen in diesem System fahren, ich schätze, diese Fahrt ist ziemlich schnell zu Ende. Und ob das neue System ETCS “AFB”-tauglich sein wird, wage ich zu bezweifeln, ich meine, die, in europäischen Eisenbahnangelegenheiten, starken Franzosen trauen ihren Personalen wesentlich mehr zu als unsere Manager uns (ich sage nur: Frau Suckale, seinerzeit)

    • Tim sagt:

      Hallo Thomas,

      vielen Dank für dein ausführliches Feedback zu diesem Thema. Sehr realistische und ehrliche Einschätzungen!

      Beste Grüße
      Tim

  • Hallo,

    ich Stimme deinen Ausführungen und den Aussagen von Herrn Weselsky nicht zu. Auch wenn die angepeilten Zeiträume von Herrn Grube wohl deutlich zu optimistisch sind so ist der technische Fortschritt wohl auch im Bereich der Eisenbahn nicht aufzuhalten. Es wäre geradezu kurzsichtig mit dem Verweis auf aktuellen Schwierigkeiten die Augen vor der Zukunft zu verschließen.
    Die Veränderung wird nicht morgen stattfinden. Sie wird wohl Veränderungen bei der Infrastruktur und den Fahrzeugen benötigen und im Endeffekt viele Arbeitsplätze kosten. Aber wer glaubt, dass es den Traumberuf Lokführer immer geben wird, kann sich in die Reihe der Menschen stellen, die Angst vor Zügen hatten, die schneller als 30km/h fahren.

    • Tim sagt:

      Hey Marcus,

      Danke für dein Feedback zu diesem schwierigen Thema.

      In diesem Beitrag habe ich nicht gesagt, dass es den Beruf Lokführer immer geben wird. Ich gehe lediglich auf die Aussage von Herrn Grube ein, die wie du auch sagst übertrieben ist.

      Es wird Veränderungen geben, doch zu erst müssen Voraussetzungen für die Umsetzung geschaffen werden, ohne eine funktionierende digitale Infrastruktur brauchen wir keinen Gedanken an autonome Züge verschwenden.

      Beste Grüße
      Tim

  • Nickel sagt:

    Hallo Tim,

    ich stimme dir voll und ganz zu, denn solch eine Automatisierung würde das sonst so sichere Verkehrsmittel Eisenbahn nicht gerade sicherer machen. Gegen Systeme wie ETCS habe ich nichts, aber autonome Züge gehen eindeutig zu weit!

    Grüße Nickel

    • Tim sagt:

      Hallo Nickel,

      vielen Dank für dein Feedback zu diesem Artikel.
      Lass uns realistisch bleiben. Wie im Artikel geschrieben gibt es kein klares System bzw. Konzept, sodass wir schnell keine komplette Automatisierung im Bahn-Betrieb haben werden.

      Beste Grüße
      Tim

  • Der Putzlappen sagt:

    Eigentlich könnte mir dieses Thema egal sein, denn ich beende so gg 2021 meine Tätigkeit als EF (Eisenbahnfahrzeugführer). Ist es aber nicht. Dafür bin ich zusehr Eisenbahner. Habe in den über 40 Jahren bei der Bahn schon viele Chefs kommen und gehen sehe. Jeder von ihnen hatte irgendwelche Flausen im Kopf. Und es wurde geändert und geändert und umstrukturiert und….. .Und trotzdem fährt die Eisenbahn in Deutschland. Das dies so ist, ist den Eisenbahnern zu verdanken. Dazu gehören auch die Lokführer. Sie sind nicht durch Computer zu ersetzen. Sehr, sehr viele Fehlstörungen bei einer Zugfahrt werden vom Mensch hinter der Scheibe(ICE-T, ICE3) abgearbeitet, ohne das es jemand im Zug bemerkt. Sicher hat sich das BerufsBild eines EF sehr geändert,von körperlicher zu geistiger(Überwachung der Zugfahrt)Arbeit. Das ist aber auch gut so. Aber so ganz ohne EF wird es auch in absehbarer Zeit nicht gehen. Dies haben zb. die japanischen Eisenbahnen bereits in einem Großversuch in den 70ger Jahren des vorigen Jahrhunderts festgestellt: zu Testzwecken ließen sie einige Shinkansenexpresszüge führerlos fahren (Der Lokführer fuhr im Zug mit). Allerdings ging die Besetzung der Züge mit Fahrgäste stark zurück. Außerdem muss man auch mal die Kosten der Technisierung des gesammten Bahnetzes sowie die bauliche Ertüchtigung dieses zum eingesparten Geld sehen. So wird sich das autonome Fahren langsam entwickeln. Sicher muss ein Bahnchef mal Visionen entwickeln und ein spurgeführtes Fahrzeug bietet sich dazu gerade an, automatisiert zu werden. Trotzdem muss ein Chef wissen, wann und wem er was sagt. Mehr Angst habe ich vor autonomen Autos, wer hält diese auf,wenn der Computer spinnt?

    • Tim sagt:

      Guten Tag,

      vielen Dank für dein Feedback zu diesem Thema! Großartig, wie du dich für den Beruf einsetzt. In einigen Punkten stimme ich dir durchaus zu. Wir sollten das Thema aber nicht zu eng sehen. Wir sollten realistisch bleiben und da werden wir schnell merken, dass 2023 sehr unrealistisch ist.

      Beste Grüße
      Tim

  • Ebert Olav sagt:

    Alles auf den Punkt gebracht, Wobei Automatisches Fahren im Artreinen Betrieb schon lange Funktioniert sogar mit Rangieren,
    Stichwort Salzgittet AG. Ich habe dieses Thema nicht weiter verfolgt aber seit ende der 90iger Jahre wurde das dort erprobt.

  • Grabbi sagt:

    Ich bin Busfahrer kein Lockführer, aber hast es Klasse beschrieben

  • Ra kapott sagt:

    So ähnlich sehe ich das auch. Wenn ich sehe wie lange es dauert und vor allem wie teuer es ist eine Software für einen Triebzug zu ändern und vom EBA abgenommen zu bekommen, dann find ich die Aussagen vom Herrn Grube sehr sportlich. Dann gibt’s jede Menge Eventualitäten für die die Maschine die richtige Handlung parat haben muss. Zb. Notrufe, Brand im Zug, Evakuierung, technische Störungen wie angesprochen. Das alles sind keine Ausnahmen. Auf den s-Bahnen ist jetzt schon der Lokführer der einzige Ansprechpartner wenn es zb. Um einen ärztlichen Notfall im Zug geht. Er kann sofort Hilfe holen und Fahrgäste zb. vom aussteigen abhalten. Wenn es keine Lokführer mehr geben soll hängen auch Jobs wie Disponenten, Teamleiter, Geräteverwalter, Lohnbuchhalter und viele mehr dran.

  • Florian Kammlott. sagt:

    Den Nagel auf den Kopf getroffen… Dem ist nichts mehr hinzuzufügen…!!!

  • Thomas Toschka sagt:

    Hallo,

    schade ist nur, dass wir Eisenbahner solche Ideen von vorne herein negativ diskutieren.

    Natürlich ist es nicht einfach. Aber wenn man spurgeführte Fahrzeuge nicht automatisiert fahren lassen kann, geht es schon gar nicht auf der Straße oder in der Luft. Aber genau hier liegt das Problem. Wenn man als Verkehrsminister von automatischen Fahren der LKWs auf der Autobahn spricht, klatschen alle Beifall. Wenn der gleiche Mensch oder sein Bahnchef das für die Bahn auch anspricht, brandet Protest von allen Seiten auf, sogar von der eigenen Seite. Ich persönlich hätte vor automatisch fahrenden Autos und LKWs viel mehr Angst.

    Wir haben schon jetzt keine Lobby, weder in der Gesellschaft noch in der Politik. Aber so schaffen wir es, den letzten Rest gegenüber der Straße aufzugeben.

    Denke, darüber sollte man nachdenken …

    Gruß

    Thomas

    • Tim sagt:

      Hey Thomas,

      negativ ist in diesem Zusammenhang, zumindest aus meiner Sicht das falsche Wort. Realistisch passt eher.
      Die von mir aufgeführten Punkte sind aus der aktuellen Sicht mit einem weitreichenden, realistischen Blick bis 2023.

      Beste Grüße
      Tim

      • Marco Günther sagt:

        Negativ, Positiv, das ist doch gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass es Schwachsinn ist. Es kann doch nicht sein, dass die Arbeitsplaetze von Tausenden zur Disposition gestellt werden, nur weil der Chef durchdreht. Autonomes Fahren gehoert von Anfang bis Ende in die Tonne. Aber lasst uns ruhig weiter so machen. Irgendwann hat dann halt keiner mehr Arbeit und die Bonzen machen sich nur noch mit Maschinen die Tasche voll…. Wer hier von Möglichkeiten spricht hat den Schuss nicht gehoert.

        • Tim sagt:

          Hallo Marco,

          eins steht fest: Es wird autonome Züge geben! Funktionieren werden sie auch irgendwann. Da brauchen wir nicht drum herum reden. In diesem Artikel sage ich aber sehr deutlich, dass bis 2023 ohne klares Konzept nicht ein autonomer Zug fahren wird. Bevor wir hier alle in Hasstiraden verfallen sollten wir uns nochmals klar machen, dass so etwas nicht von heute auf morgen geht. Es bedarf mehr als nur mal eben ein paar Sensoren verbauen. Ich gehe mal davon aus, dass du weißt welche Aufgaben so ein Lokführer hat und ich mir auch heute schwer vorstellen kann, das ganze von einer Maschine steuern zu lassen.

          Aber nochmal: Es wird kommen und ich spreche bewusst von einer Möglichkeit. Und zwar der Möglichkeit dieses autonome Technik sinnvoll einzusetzen und nicht mit aller Gewalt zum Schaden anderer!

          Beste Grüße
          Tim

          • Ra kapott sagt:

            Also ich befürworte auch nicht das autonome Fahren von Kraftfahrzeugen. Ich fahre gern und möchte das auch weiterhin selbst tun. Und ich bin auch der Meinung, dass der Bahn Betrieb mit all seinen Facetten viel zu komplex ist für autonomes Fahren. Im Auto wird meiner Meinung nach auch immer einer die Verantwortung übernehmen müssen, siehe tödlichen Unfall dieses Tesla Piloten wo der Computer einen LKW übersah. Ich bin da sehr skeptisch.

          • Marco Günther sagt:

            Hallo Tim,

            ich denke du hast recht. Die autonomen Züge wird es geben auf Kurz- und Stichstrecken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine autonome Lok meine Aufgaben im Rangierdienst übernehmen wird. Kennst du dich aus mit dem Versuch in München Nord Rbf? Dort hat man versucht die Berglok autonom bzw. computergesteuert fahren zu lassen. Das ging Gründlich in die Hose. Heute schiebt die Lok nur computergesteuert zum Berg, den Rest übernimmt der Lrf. Das ist nur eine einfache Tätigkeit ohne Rangieren & Handweichen stellen… Aber auch da sehe ich wieder die €-Zeichen in den Augen leuchten: “Alles nicht mehr rentabel. Rangiert wird nicht mehr.” – und zugemacht. Gesetzt dem Fall alle Tfs und Lrfs wären von heute auf morgen quasi überflüssig: Was passiert dann mit uns? Hat sich auch nur ein Einziger unter den “hohen” Herren darüber Gedanken gemacht? Hinter jeder Personalnummer steht ein Mensch und in vielen Fällen auch eine Familie. Dieses ganze Geschwafel zeigt doch wieder geradewegs Richtung Lohndumping. Ich sehe diese Technik auch nicht als Möglichkeit, sondern eher als weiteren Schritt zur vollkommenen Technik-Hörigkeit. Besonders interessant wird es dann, wenn ISIS oder Wer-auch-immer diese Technik dann für sich entdeckt… Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen um als gesamte Belegschaft gegen den Vorstand aufzustehen und diesen geschlossen in seine Schranken zu verweisen. Wir haben jetzt über 20 Jahre lang zugesehen, wie “Manager” und andere korrupte Subjekte unsere Eisenbahn Stück für Stück ruiniert haben. Ich möchte es nicht als Putsch bezeichnen.. obwohl doch Putsch wäre das richtige Wort.

  • M.Müller-Stein sagt:

    Danke für diesen Beitrag.!!!
    Schade nur das ihn wohl kaum jemand liest. Schon gar kein verantwortlicher.!!!

    • Tim sagt:

      Hallo Herr Müller,

      Danke für das Feedback! Den Beitrag haben bereits jetzt schon genug Menschen gelesen und wenn man will erreicht es die Richtigen!

      Beste Grüße
      Tim

  • David Conrad sagt:

    Danke für diesen wirklich klasse Beitrag. Du sprichst aus was alle derzeit denken.

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