23. Januar 2016

So erklärst du deiner Familie, was du tust!

So erklärst du deiner Familie, was du tust!

Du wirst dieses Problem kennen. Kaum jemand überblickt deinen Beruf, den du ausübst oder kann sich einfach nichts dadrunter vorstellen. Ich sage dir, wie ich es meiner Familie erkläre, damit garantiert auch jeder versteht, was du tust!

Es ist mal wieder soweit. Die nächste Familienfeier steht an. Erneut prasseln wieder einige Fragen zu deinem Beruf ein. Schon beim letzten Mal bist du verzweifelt und konntest nur schwer erklären, was denn eigentlich ein Fahrdienstleiter tut. Bei mir steht sogar noch ein weiteres Problem auf der Liste: Was ist eigentlich ein Blogger? Dieses Problem werden nicht nur Fahrdienstleiter und Blogger mit ihren Familien haben, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit auch andere Berufsgruppen der Bahn. Ausgenommen hierbei sind Familien, wo bereits Familienmitglieder bei der Deutschen Bahn arbeiten oder gearbeitet haben.

Gibt es deinen Beruf überhaupt?

Es sind immer wieder die gleichen Fragen:

  • Als was arbeitest du nochmal?
  • Du arbeitest bei der Bahn? Als Lokführer?
  • Werden die Züge nicht durch Computer gesteuert?
  • Du schreibst Artikel im Internet?
  • Du hast doch gar keine Ausbildung in dem Bereich?
  • Guckt sich das überhaupt einer an?

Das sind alles Fragen, denen ich mich auf vielen Familienfeiern immer wieder stellen musste. Auf der einen Seite finde ich es klasse, dass sich meine Familie mit meinen Tätigkeiten auseinander setzt. Auf der anderen Seite ist es aber echt zäh immer wieder das Gleiche erklären zu müssen. Ich habe mir also überlegt, wie man das Ganze schnell und einfach jedem erklären kann. Ohne große Fachwörter kann jeder seinen Beruf erklären. Menschen brauchen Bilder im Kopf, damit sie sich vorstellen können, was du tust. Also sprich mit ihnen auch so. Wichtig ist, dass du dir diese Fragen nicht zu Herzen nimmst, auch wenn sie immer wieder gestellt werden.

Hannover Hauptbahnhof, ESTW, Der bloggende Bahner, Deutsche Bahn, Reisen, Deutschland, Beruf

So erklärst du, was du tust!

Zuerst habe ich drei Punkte, auf die du bei deiner Berufsbeschreibung achten solltest:

  • Benutze keine Fachwörter
  • Beschreibe mit Bildern
  • Stell dir vor, du erklärst es einem Kind

Letzteres hört sich zwar hart an, aber es funktioniert. Fangen wir bei meinem Beruf an. Der Fahrdienstleiter.

Hier solltest du niemals mit der Standardbeschreibung anfangen: „Der Fahrdienstleiter sorgt für den reibungslosen und sicheren Ablauf des Zugverkehrs“. Unter dieser Aussage kann sich niemand etwas vorstellen. Fange anders an. Nimm den Straßenverkehr als Vergleich. Benutze Ampeln als Signale, die du bedienen darfst und kein Computer. Du hast den Überblick über den Zugverkehr im Bahnhof. Das ganze steuerst du von einem Stellwerk oder einer Zentrale. Entweder alleine oder mit vielen Kollegen. Betone hierbei nochmal, dass wenn du auf einem größeren Bahnhof tätig bist, dir Kollegen an der Seite stehen. Sonst wird kommuniziert, dass du diesen großen Bahnhof alleine steuerst, was nicht so gut kommt, denn dann darfst du bald alles nochmal erklären.

Beschreibe nun deinen Arbeitsplatz. Stelle klar, dass du keinen Kontakt zu den Bahn-Kunden hast und mache auch klar, dass du nur für deinen ausgebildeten und geprüften Bereich zuständig bist. Im Zeitalter der digitalen Endgeräte erhältst du sonst täglich Nachrichten aus ganz Deutschland mit Fragen zum Zugverkehr. Beschreibe deine Abläufe, die du tust um eine Zugfahrt durchzuführen. Störungen sind dabei erstmal Nebensache. Wichtig sind Antworten auf die Fragen:

  • Wie kommt ein Signal auf Fahrt?
  • Wie stellst du eine Weiche um?

Beschreibe wirklich nur diese beiden Fragen. Denn unter den Begriffen „Signal” und „Weiche” können sich die Meisten etwas vorstellen. Wenn nicht, dann beziehe dich wieder auf den Straßenverkehr. Wenn dir dein Beruf Spaß macht, probier auch das mit einzubringen, indem du es spannend erzählst. Hilfreich kann hier eine Situation, die du in deiner letzten Schicht erlebt hast, sein.

Ähnlich ist es auch beim „Bloggen“. Der Blogger ist meiner Familie überhaupt kein Begriff gewesen. Das wird bei anderen Familien auch der Fall sein, sofern nicht jemand im Online-Business tätig ist. Auch hier habe ich keinerlei Fachwörter benutzt und einfach erklärt was hinter meinem Blog steckt. Was einen Blog von einer journalistischen Seite unterscheidet. Warum das jemand liest und wieso ich das überhaupt mache. Bilder sagen mehr als 1000 Worte, aber du kannst Bilder mit deinen Worten in die Köpfe malen. Beschreibe also so detailliert, wie möglich, aber drifte nicht ab.

BR 362, Hannover Hauptbahnhof, ESTW, Der bloggende Bahner, Deutsche Bahn, Reisen, Deutschland, Beruf

Bleib’ dran – gib nicht auf!

Ich bin mir sicher, dass viele von euch vor einem ähnlichen Problem standen. Man darf es einfach nicht als selbstverständlich ansehen, dass jeder weis, was du tust. Bleib dabei und benutze bei der Beschreibung keine Fachwörter, erzähle in Bildern und stell dir vor, dass du deinen Beruf einem Kind vorstellst. Mit diesen drei Punkten, konnte ich bisher immer wieder bei meiner Familie klarstellen, was ein Fahrdienstleiter und Blogger eigentlich macht. Wenn du auch vor diesem Problem stehst, probier es aus und schreib mir deine Erfahrung in die Kommentare.

Ganz wichtig: Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, bleib dran und versuch es immer wieder. Irgendwann macht es „klick“ und man versteht dich. Nicht aufgeben!

#Beruf#Blogger#Fahrdienstleiter#Familie#Jobkenntnisse
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
8 Kommentare
  • Derda sagt:

    Ich erzähle den Leuten immer ich bin Fluglotse für Arme oder ich mache die Ampel grün damit der Zug losfahren kann. Versteht dann auch der letzte.

  • Thomas Minar sagt:

    Da habe ich es als Lokführer einfach.
    Kinder begreifen schnell, was das ist.
    Jim Knopf und Lukas von der Augsburger Puppenkiste haben da gute Arbeit geleistet.
    Sie haben mehr Schwierigkeiten damit, dass sie tatsächlich einen “echten” vor sich haben.
    Schwieriger wird es bei Erwachsenen.
    “Wie geht das, dass eine Lok mit sooo viel Anhängern um die Kurve kommt, ohne das die Häuser abgerissen werden?”
    “Wie könnt ihr mit 200km/h und mehr herumfahren, obwohl ihr auch nicht über einen Hügel schauen könnt?”

  • Nicole sagt:

    Ich habe ein erklärungsresistentes Familienmitglied. Letztens hat sie mich doch tatsächlich gefragt, warum sie auf der Internetseite der Bahn die Sparpreise nicht sehen kann. ?

  • Paul sagt:

    Danke. Ich habe auch ewig gebraucht, meiner Familie zu erklären, was ich eigentlich bei der Bahn arbeite. Erstmal habe ich erklärt, was die DB Systel im Umfeld der Bahn macht, für was mein Bereich zuständig ist und was in meinem Verantwortungsbereich liegt. Aber erkläre mal, was ein Kaufmann in der IT macht…
    Daher danke. Ich weiß nun, dass ich nicht allein bin mit diesen Schwierigkeiten ??

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.