11. Februar 2018

Lasst euer Handtuch zu Hause, wir sind in der S-Bahn | Dein Bahn-Update

Lasst euer Handtuch zu Hause, wir sind in der S-Bahn | Dein Bahn-Update

Dein Bahn-Update geht in die nächste Runde. Mit dabei ist unteranderem das autonome Fahren auf der Schiene und die Sitzplatzreservierung in der Nürnberger S-Bahn. 

Diese Woche waren besonders Handtücher und Seitenhiebe gegen Lokführer Thema im Bahnsektor. Zu beiden Themen gibt es einen kleinen Kommentar. Natürlich beantworte ich euch auch wieder persönliche Fragen und gebe Leseempfehlungen. Viel Spaß bei eurem Bahn-Update für diese Woche.

Jetzt werden die Handtücher ausgerollt

Ein Deutscher reserviert sich gerne mit Handtüchern eine Liege am Strand, damit er den Platz sicher hat und sich um andere Dinge kümmern kann. Nun soll dieses Phänomen auch in der S-Bahn in Nürnberg Einzug erhalten. Im Fernverkehr sind Sitzplatzreservierungen bereits bekannt und auch immer dazu buchbar oder sogar mit inbegriffen (1. Klasse).

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Ich musste tatsächlich etwas schmunzeln als ich das gelesen habe. 40€ soll das Angebot im Jahr kosten, damit man jeden Morgen oder auch Abend in der S-Bahn seinen Sitzplatz hat. Ich bitte euch. In der S-Bahn?!

Wie lange ist ein Pendler durschnittlich in der S-Bahn? 20 Minuten? 25 Minuten? Oder sogar weniger? Ist es tatsächlich so wichtig in dieser Zeit einen Sitzplatz zu haben und den Instagram Feed dort zu checken statt im Stehen? Das ist zwar höchst provokant formuliert, allerdings sehe ich tatsächlich für dieses Angebot keinen Grund der Einführung.

Dennoch gehe ich stark davon aus, dass es auch dafür eine Zielgruppe gibt. Sonst hätte man dieses Angebot für die Fahrgäste wohl nicht eingeführt.

Ich bin gespannt auf eure Meinung zu diesem Thema – haltet ihr solch ein Angebot für sinnvoll oder haltet ihr es für überflüssig?

Buzzword “Autonomes Fahren” ist zurück

Im letzten Jahr war das Thema autonomes Fahren auf der Schiene immer wieder Thema. Nun kam diese Woche wieder die Aussage, dass die Deutsche Bahn in den kommenden 15 Jahren ihre Flotte im Fernverkehr auf autonom umstellen möchte.

Die Woche zuvor kam die große Nachricht, dass die Deutsche Bahn 19.000 neue Mitarbeiter im Jahr 2018 einstellen möchte, wozu auch zahlreiche Lokführer zählen. Ich persönlich finde es fatal diese Aussagen beide nahezu gleichzeitig zu kommunizieren.

Auf der einen Seite möchte man neue Mitarbeiter im Bahnbetrieb einstellen, auf der anderen Seite redet man aber vom autonomen Fahren auf der Schiene. Das passt nicht wirklich zusammen. Solange es keine konkreten Ablaufpläne gibt, was passiert, wenn ein Lokführer durch ein autonomes Fahrzeug ersetzt wird, sollte man die Füße still halten.

Zumal Berthold Huber, Vorstand Personenverkehr, im letzten Jahr selbst noch gesagt hat, dass man Lokführer noch in 40 Jahren brauchen wird. Es wird Teststrecken geben, keine Frage, allerdings werden diese zuerst das einfachste vom autonomen Fahren auf der Schiene abbilden.

Dahinter steckt zudem das Projekt „Digitale Schiene Deutschland“, welches ich bereits im ersten Bahn-Update kommentiert habe. Dort gibt es auch noch zu viele offene Fragen.

Ich bin gespannt auf das Feedback zu den beiden kontroversen Themen und freue mich von euch zu lesen.

Social Media Bahn Personenverkehr, ICE, InterCity-Express, Der bloggende Bahner

Persönliche Fragen

Was habe ich diese Woche gelernt?

Am Mittwoch hatten wir auf der Arbeit einen Workshop zum agilen Projektmanagement. Ich hatte zu dem Thema schonmal einen Grundkurs. Jetzt sitzt das ganze noch etwas fester und kann noch effizienter auf die Team- und Einzelarbeit angewendet werden.

Worüber habe ich mich gefreut?

Diese Woche habe ich drei Blog-Beiträge veröffentlicht. Alle Beiträge bieten einen persönlichen Einblick in die Dinge, die ich Tag für Tag erledige und vor allem auch, wie ich diese erledige. Euer Feedback dazu war zahlreich und genau das zeigt mir, dass euch auch persönliche Einblicke immer wieder interessieren. Da kommt dieses Jahr auf jeden Fall noch mehr. Alle Beiträge findest du weiter unten.

Leseempfehlungen der Woche

Eigene neue Blog-Beiträge

Letzte Woche habe ich das Thema “19.000 Neueinstellungen im Jahr 2018 bei der DB” kommentiert (hier nachlesen!). Wenn dir “Dein Bahn-Update” gefällt, dann teile den Beitrag mit deinen Freunden. So können noch mehr Leute von den Informationen profitieren. 

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Weniger Oberfläche. Mehr Tiefe. Dein Bahn-Update.  Jede Woche einen Kommentar zur aktuellen Lage im Bahn-Sektor. Zudem persönliche Highlights der Woche und meine Leseempfehlungen.


Bahn-Wissen auf der Tonspur im Bahnfunk-Podcast

Bahnfunk-Podcast, Bahn-Podcast, BahnfunkIm Bahnfunk-Podcast habe ich zusammen mit meinem Kumpel Lukas bereits über 50 Episoden zu unterschiedlichen Bahn-Themen aus dem Bahn-Sektor veröffentlicht. Auch dort veröffentlichen wir jede Woche “Die Bahn-Woche”, wo wir gemeinsam die Themen der Woche analysieren. Jetzt abonnieren und reinhören!

 


#Autonomes Fahren#Bahn-Update#Sitzplatzreservierung
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
13 Kommentare
  • Bernd K. sagt:

    Sitzplatzreservierung in der S-Bahn. Ganz kurz meine Meinung: Ein Schmarrn, bzw. der Versuch aus einer Mangelsituation noch Geld zu machen. Konkret gibt es im Raum Nürnberg vor allem zwischen Erlangen und Nbg. zu wenig Sitzplätze in der Hauptverkehrszeit, weil der Ausbau zwischen Fürth und Erlangen nicht vorangeht, da die Bahn 20 Jahren lang die Einwände der Stadt Fürth zur Ausbauplanung ignoriert und letztes Jahr dafür eine Klatsche vorm Bundesverwaltungsgericht kassiert hat.

    Zum autonomen Fahren: kann ich mir beim Personenverkehr der Bahn nicht vorstellen. Frag mal die Fahrgäste der Nürnberger U-Bahn auf den Linien 2 und 3 was die vom fahrerlosen Betrieb halten. Tatsache ist, dass die Linie 1 mit Fahrer deutlich zuverlässiger fährt.
    http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/u2-stillstand-bei-der-vag-kaputter-rechner-war-schuld-1.5742781?searched=true

  • […] Woche habe ich das Thema „Sitzplatzreservierungen in der S-Bahn“ kommentiert (hier nachlesen!). Wenn dir „Dein Bahn-Update“ gefällt, dann teile den Beitrag mit deinen Freunden. So […]

  • Nina Picasso sagt:

    Hallo Tim,

    danke für die Antwort. Ja ich weiß, ich bin da härter – das liegt halt daran, dass viele Tausende Bahnkunden in und um Stuttgart, darunter auch ich, täglich massiv vom unsäglichen s21 betroffen sind. Was Pendler hier leiden müssen an Verspätungen und Zugausfällen, Umwegen, etc. seit Baubeginn s21, ist unter aller Kanone. Wir waren einst der pünktlichste Kopfbahnhof Deutschlandweit inkl. guter S-Bahn!
    Falls es je fertig werden sollte, sind leider die Engstellen fest einzementiert. Aber das soll nicht das Thema hier sein. Es war nur zum Verständnis.
    Viele Grüße
    Nina

    • Tim Grams sagt:

      Alles gut, Nina. Jeder darf hier seine Meinung konstruktiv und begründet äußern. Vielen Dank nochmal. Freue mich auf weiteres Feedback zu anderen Themen.

      Beste Grüße
      Tim

  • Nina Picasso sagt:

    Hallo Tim,
    zum Thema “Autonomes Zugfahren”: Ich bin jetzt mal ein bisschen Provokant – dies bezieht sich aber nicht auf die Bahnmitarbeiter an der Basis, die alles geben! Das bezieht sich auf den Bahnvorstand und auch Aufsichtsrat.
    Solange, wie die Bahn den normalen Schienenalltag oft nicht im Griff hat, wie sie uralte Stellwerke, Signal-Sicherungsanlagen und Züge, bundesweiten Sanierungsstau (daraus resultierend viele LAFAS), desolate Bahnbrücken, lebensgefährliche Zustände trotz Warnungen der Bahnmitarbeiter länger bestehen, Aufbau bahneigener Konkurrenz, Reinpumpen von Milliarden Euros in gefährlichen (für Reisende wie Mitarbeiter!) Bahnrückbau wie Stuttgart21 trotz Alternative (www.umstieg-21.de), Milliardenaufkäufe branchenfremder Unternehmen (Arriva) usw. weiter vollführt, braucht sie nicht von Autonomen Fahren fabulieren. Mag sein auf kurzen Neben-Güterzugstrecken, aber nicht im Hauptalltag – erst Recht nicht mit Personenbeförderung! Mein Vertrauen in so ein System wäre Null! Gerade in Notfällen müssen Bahner direkt vor Ort sein – Illusorisch bei tausenden von Schienenkilometern.
    Ich weiß nicht, in welchen (globalisierten) Sphären die Bahnmanager schweben – Bahn bedeutet Allgemeinwohl, Kernkonzentration auf das Brot und Buttergeschäft, Faszination FÜR Bahn und volle Empathie/Unterstützung für ihre Mitarbeiter – und sei der Job noch so “gering”. Eine Bahn sollte eine GmbH sein und keine Aktiengesellschaft.
    Ich werde nicht verstehen, wie der Bahn-verflixt nochmal-Immobilien wichtiger sind als eine gewachsene Bahnstruktur wie jetzt aktuell auch bei geplanter Verlegung Bahnhof Hamburg Altona-politikgewollt-und Bahn macht einfach. Dabei gibt es auch hier eine Alternative ( http://prellbock-altona.de/ ). Anstatt sich nur auf den Ausbau und Erhalt zu konzentrieren – da gibt es genug zu tun, fantasiert Management permanent über Autonomes Zugfahren. Himmel-hilf!
    Persönlich bin ich ein Bahnfan und Bahnnutzer, sonst würde ich mich nicht aufregen! Sehr erfreut bin ich, dass Du das autonome Zugfahren doch auch kritisch siehst. Bahn geht nur mit viel Personal – Digitalisierung ist in manchen Teilen natürlich sinnvoll, aber Menschen ersetzen – nein.
    Was die S-Bahn-Sitzplatzreservierung betrifft, bin ich nicht unbedingt ein Freund davon. Ich halte es für nicht sinnvoll, da S-Bahnen oft sehr voll sind und nur kurze Standzeiten haben. Was, wenn die Reisenden IHR Zugteil suchen. Entweder behindern sie bei der Suche die Aus-Einsteigenden oder sie können gucken, wie sie an ihren Platz gelangen. Dann eher auf die Erste Klasse verzichten, stattdessen nur ein kleines “Reservierabteil”.
    Beste Grüße
    Nina

    • Tim Grams sagt:

      Hallo Nina, danke für dein Feedback zu beiden Themen. So hart wie du das Thema siehst sehe ich es tatsächlich nicht. Im Bezug auf autonomes Fahren bleibe ich voll und ganz bei meiner Meinung. Es muss eine solide und grundlegende Infrastruktur her, bevor man sich diesem Thema nähert. Grundsätzlich ist Personal wichtig und sollte auch entsprechend eingesetzt werden. Ich bin fest davon überzeugt und da bin ich nicht alleine, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis es autonomes Fahren auf der Schiene großflächig geben wird. Auch dann sprechen wir wahrscheinlich nicht wirklich von der höchsten Stufe, also ohne Fahrer, sondern eher weiterhin mit Lokführer/Loküberwacher.

      Ich blicke was das Thema Investitionen in die richtigen Bereiche angeht positiv in die Zukunft. Von der politischen Seite wird sich einiges tun und entwickeln, zumindest wurde das so nach den Koalitionsverhandlungen bekannt gegeben. Siehe auch Leseempfehlung in diesem Bahn-Update.

      Beste Grüße
      Tim

  • Michael sagt:

    Eine Sitzplatzreservierung im Nahverkehr halte ich (noch?) nicht für sinnvoll. Aber wer es möchte, soll es gerne machen. Auch wenn es nur für eine Station oder 5 Minuten Fahrzeit ist. Wenn die Bahn das anbietet und es einen Abnehmerkreis dafür gibt, warum nicht? Leben und leben lassen …

    • Tim Grams sagt:

      Hey Michael, danke für dein Feedback. Natürlich leben und leben lassen. Wenn es eine Zielgruppe gibt und es funktioniert, dann super gut! Allerdings halte ich persönlich es im Bereich der S-Bahnen für nicht sinnvoll.

      Beste Grüße
      Tim

    • Fabian sagt:

      Hallo Tim,
      ich stehe dem Thema autonomes Fahren auch sehr kritisch gegenüber. Ich habe ein besseres Wohlempfinden, wenn ich weiß das vorne ein ausgebildetes Fachpersonal sitzt welches im Notfall eingreifen kann. Die meisten Leute und auch die Presse denken halt das wenn autonomes Fahren auf der Straße schon gut möglich ist (z.B. durch Tesla) das einfach so auf die Schiene übertragen werden kann weil die Züge ja nicht lenken müssen. Wenn ich dann auf Seiten wie Wikipedia lese “Für spätestens 2023 ist in Teilen des Netzes ein automatischer Betrieb geplant.” ist es kein Wunder das viele junge Leute von dem Beruf Lokführer erstmal abgeschreckt sind auch wenn Wikipedia nicht zu den seriösesten Seiten gehört.
      Schönen Sonntag noch
      Fabian

      • Tim Grams sagt:

        Hey Fabian, vielen lieben Dank für dein Feedback zum Thema autonomes Fahren. Ich gehe vor allem beim zweiten Teil deines Kommentars voll und ganz mit.

        Beste Grüße
        Tim

  • Frank sagt:

    Hallo Tim,
    Zum Thema Sitzplatzreservierung fällt mir zum Beispiel eine Person ein die auf Grund einer Erkrankung nicht stehen kann aber trotzdem jeden Tag zur Arbeit oder zum Arzt muss jedoch keinen Anspruch auf einen Behindertenausweis hat.
    Danke für die vielen Beiträge dieses Woche und frohes Pendeln.
    Gruß Frank

    • Tim Grams sagt:

      Hey Frank, danke dir für dein Feedback. Da stimme ich dir zu. Allerdings gehe ich davon aus, dass man für kranke oder mobilitätseingeschränkte Personen den Platz sowieso freiwillig freigibt.

      Beste Grüße
      Tim

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