24. Februar 2015

Notruf: Kinder im Gleis!

Notruf: Kinder im Gleis!

Es war Sonntag. Es schien eine vergleichsweise ruhige Schicht zu werden. Es hat, wie immer, sehr viel Spaß gemacht. Der Verkehr nahm zu, einige verspätete Züge trafen in Hannover ein. Auf einmal kam dieser Ton. Wie eine Sirene schallt er aus dem GSM-R Gerät. Notruf: Alle Züge sofort anhalten: Kinder im Gleis!

Die Signale flogen auf Halt. Alle Züge im betroffenen Bahnhofsteil blieben stehen. Kinder haben Steine auf die Schienen gelegt und haben dann beobachtet, was passiert, wenn ein Zug diesen Abschnitt passiert. 

Ich war mal wieder fassungslos. Konnte es noch gar nicht so recht realisieren, was da gerade wieder passiert. Die Bundespolizei hat umgehend den Bahnhofsteil sperren lassen. Es war die Zeit, in der Hannover Hauptbahnhof sowieso kaum Gleiskapazität hat und dann das! Stilstand am Sonntag! 

Nach etwa 20 Minuten gab die Polizei Entwarnung. Keine Kinder mehr in Sichtweite. Der Bahn-Verkehr konnte wieder aufgenommen werden. Dann realisierte ich das Ganze so langsam, was da abgegangen ist!

Weiche_Blog

Mehr als 200 Minuten Verspätungen. Alles nur, weil Kinder an einem sonnigen Sonntag Langeweile hatten. Langeweile ist das eine, aber wie kann man sich bitte in den Gleisbereich begeben, wo Züge mit teilweise 100 Stundenkilometern fahren. Wenn es schief läuft, wird ein Kind erfasst oder der Zug entgleist mit vielen Reisenden. 

Solche Situationen sind bei guten Wetter Tagesgeschäft und stellen alle Beteiligten immer wieder vor eine schwierige Aufgabe. 

Das geht an alle Eltern. Redet mit euren Kindern. Warnt sie vor dem Gleisbereich. Leider passieren jedes Jahr zahlreiche Unfälle, die vermieden werden können. Geht gemeinsam zum Bahnhof und schaut euch Züge an. Das sensibilisiert die Kinder! Danke!

#Kinder im Gleis#Notruf
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
12 Kommentare
  • Lokomotivführer sagt:

    Dass dieses “Spiel” ist – ich glaube, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren…
    Auch wenn nichts “technisches passiert” (materieller Schaden an Zug, Gleisanlagen…) ist die Gefahr für die Kinder größer als die meisten denken!
    Fährt der Zug über die Steine, werden diese meist zerbröckelt und die nun entstandenen Steinsplitter fliegen mit erheblicher Geschmindigkeit (wie ein Geschoß) in niedriger Höhe umher; und wenn man bedenkt, dass die Kinder meist an der Böschung mit dem Kopf auf Gleishöhe beobachten….

  • Florian sagt:

    Ich habe sowas ähnliches mal als kleiner Junge erlebt. Es war in keinem Hauptbahnhof, aber das spielt keine Rolle. Da hatten Jugendliche einen sehr dicken Ast auf die Bahnschienen gelegt. Gott sei Dank war das ca. 1km von einem Kopfbahnhof entfernt und der Zug musste an der Stelle schon auf 30km/h runterbremsen. So konnte der Tf es noch rechtzeitig sehen und anhalten. Trotzdem war ich da schon etwas geschockt.
    Und ich erlebe es immer wieder, dass Jugendliche aber auch Erwachsene die Gleise überqueren, weil sie keine Lust haben die Unterführung zu nehmen oder einen weiten Umweg zu gehen. Es ist unverantwortlich und ich will hoffen, dass mir so etwas nie passiert…

  • Ricco Leetz sagt:

    Ich bin ja nun auch schon einige Jahre auf der Schiene unterwegs. Bei fast jeder Schicht gehen mir sämtliche Szenarien durch den Kopf die auf der Schiene passieren können, aber bis jetzt bin ich gut von A nach B gekommen. Und das soll auch so bleiben aber verhindern kann man es leider nicht.

    Lg

  • Kevin sagt:

    Ich hoffe das es mich nie treffen wird.
    Trotz dass ich jetzt erst in wenigen Tagen meine Ausbildung als Eib L/T beginne fließen doch jetzt schon gedankenströme durch meinen Kopf. Sowas ist schrecklich und sehr Naiv. Dreimal auf Holz auf das es nie selbst erlebe.

    • Tim Grams sagt:

      Ich drücke dir die Daumen, dass es nicht passiert!

      Passiert aber leider viel zu oft.

      Grüße

    • Lokomotivführer sagt:

      Kevin, ich drück dir natürlich für deine weitere Berufslaufbahn alle Daumen, dass nichts passiert…. aber ich kann dir nur mal mit auf den Weg geben, was ich nach einem PU im “Anerkennungsverfahren als AU” von seitens der DB und Bahn BKK zu hören bekommen hatte: Ein PU gehört zum berufstypischen Risoko eines Lokomotivführers, wenn sie damit nicht klar kommen, müssen sie sich eine andere Arbeit suchen! Soviel zur Führsorgepflicht des AG!
      Aber tröste dich, es gibt sehr viele Lokomotivführer die hatten auch nach jahrzehnte langer Tätigkeit keinen PU….!
      Sollte es dich doch erwischen, halte dir immer vor Augen “bei einem Suizid – du hättest es doch nicht verhindern können, er wollte es so” – “bei einem Unfall – ist es (meist) einfach die Ignoranz und Gleichgültigkeit ggü den Gefahren, Verboten… – du warst einfach nur zur falschen Zeit da..”
      auf jeden Fall HAST DU KEINE SCHULD !!!
      Ich persönlich, habe die PUs “relativ gut verarbeitet” – Ausnahme spielende Kinder…. obwohl nicht “wirklich was passiert ist” (Blut geflossen) hat es meine Psyche doch ganz schön in Mitleidenschaft gezogen… Jahre später noch Alpträume über den Vorfall!
      Zum Schluß noch ein Tipp – auch wenn man im Falle des Falles “andere Sorgen hat” – auch wenn “nichts weiter passiert ist” – Zug stehen lassen BuPo / Unfallmanager ran, Vorfall untersuchen, dokumentieren lassen und Arbeit EINSTELLEN und ÄRZTLICHE BEHANDLUNG in Anspruch nehmen (Krankenhaus, D-Arzt, Psycholog. Betreung – in den meisten Faällen kommt der Schock erstStunden, Tage später – z.B. wenn du wieder an den Ereignisort kommst.

  • Tommy sagt:

    Naja, das Züge dadurch entgleisen halte ich für übertrieben aber keine Frage: DAS IST NAIV, DUMM & LEBENSGEFÄHRLICH was die da veranstalten !!

    • Tim Grams sagt:

      Leider hat es auch das schon gegeben.

      Ich stimme dir voll und ganz zu!

      • Sören sagt:

        Siehe Borkumer Kleinbahn, da habe 3 Steine am Bohnhofs-Bü die Lok schn bei geringer Geschwibdigkeit aus den Gleisen geholt. 6 stunden ohne Pendelzüge zu den Fähren ist schon schei…. . Und das im Sommer.

    • Carsten Drewes sagt:

      Sei dir Sicher… Dabei können Züge entgleisen… Auch bei niedrigen Geschwindigkeiten….
      Und glaube mir… DAS willst du nicht erleben….

    • Lokomotivführer sagt:

      Also Tommy, dass das alles lebensgefährlich, dumm, unbedacht ist darin stimmen wir sehr wohl über ein.
      Nun aber mal zu dem Entgleisen: Oh ja, das kann sehr wohl passieren! Du hast sicherlich schon einmal bemerkt, dass Züge “schwingen oder pendel”….
      Gehen wir einmal davon aus, dass der Zug gerade so schwingt, dass der Druck (Wagenlast) mehr auf nur einer Seite wirkt, also z.B. auf dem rechten Rad weniger Last liegt und genau an dieser Stelle liegt ein großer Stein, der vielleicht sogar zufällig keilförmig ist….
      Rollt nun das “leicht belastete Rad darüber wird es regelrecht hochgeschleudert. Vielleicht hast du es ähnlich selbst schon einmal erlebt, beim Auto fahren: mit einem Rad über einen Huckel… wenn das Ganze dann noch in einer leichte Kurve passiert – ist es schnell passiert….
      …oder der Stein wird weg geschleudert und verklemmt sich in Weichenteilen [die gerade in Bahnhofsbereichen häufiger vorzufinden sind] und das nächste darüber rollende Rad wird über das Schienenkopfniveau angehoben …. die Radführung fehlt und schnell liegt alles im Dreck!

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