25. Juli 2017

Man muss Wege gehen, die noch niemand zuvor gegangen ist – meine Geschichte!

Man muss Wege gehen, die noch niemand zuvor gegangen ist – meine Geschichte!

Im Jahr 2012 habe ich meine Schule beendet und stand vor einem neuen Lebensabschnitt. Ein Lebensabschnitt, von dem ich nicht weiß, ob es der richtige oder falsche Schritt sein wird. Ich nahm diese Ungewissheit an und ging einen Weg, der am Ende alles in meinem Leben verändert hat: eine Ausbildung zum Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn. Ein persönlicher Rückblick. 

Jedes Jahr wieder stehen zahlreiche Schüler vor einer großen Entscheidung. Ausbildung oder Studium? Oder doch ein duales Studium mit einem Mix aus beidem? Woher weiß man eigentlich nach der Schule, welchen Beruf man ergreifen soll? Ich glaube, dass es nur sehr wenige wissen. Auch ich hatte keine Ahnung, was ich später werden wollte.

Fahrdienstleiter gesucht

Dann kam dieser Tag, von dem ich heute sage, dass er einer der wichtigsten in meinem Leben war. Man erzählte mir, dass die Deutsche Bahn Fahrdienstleiter in Hannover sucht. Was bitte sucht die Deutsche Bahn? – war meine Reaktion. Bis dato dachte ich, dass bei der Deutschen Bahn nur Lokführer und Schaffner arbeiten. Oder gab es da noch diesen Zugführer?

Ich war sehr skeptisch und fragte mich zudem noch, ob ich wirklich für ein Unternehmen arbeiten möchte, das in der Presse immer negativ dargestellt wird und eigentlich auch immer zu spät kommt. Ich habe es ausgeblendet und den Beruf des Fahrdienstleiters hinterfragt. Was ist das für ein Beruf, was macht man da? Denn eine Tatsache hat mich bei der Deutschen Bahn von Anfang an überzeugt: Die Übernahmegarantie.

Kein anderes Unternehmen hat so offensiv dieses Wort in den Mund genommen wie die Deutsche Bahn. Nach den ersten Informationen wurde ich neugieriger und erweiterte mein Wissen über die DB. Ich stellte schnell fest, dass hinter dieser Bahn mehr steckt, als man immer so mitbekommt. Einen Tag später schickte ich meine Bewerbung ab. Schneller als jeder andere Arbeitgeber meldete sich die Deutsche Bahn zurück.

Wenige Tage später hatte ich bereits mein Vorstellungsgespräch. Nachdem dieses erfolgreich verlaufen ist, hatte ich ebenfalls eine Woche darauf den Einstellungstest mit einem Konzentrations- und Belastungstests. Heute gibt es, bevor diese beiden Schritte passieren, noch einen Online-Test. Insgesamt nach knapp drei Wochen hatte ich meine Zusage auf dem Tisch liegen und habe meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Rasant schnell.

Von vielen Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, hatte ich bis dato nicht mal ein Lebenszeichen gehört.

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Das erste Mal ICE

Ein bisschen mulmig war mir schon, als ich am 1. September 2012 meine Ausbildung bei der DB Netz AG in Hannover angetreten habe. Genau an diesem Tag bin ich auch zum ersten Mal mit einem InterCity-Express (ICE) gefahren. Die Begrüßungsveranstaltung zum Start der Ausbildung in Hamburg hat mich gepackt und beeindruckt.

Auch in den nächsten Wochen und nach den ersten theoretischen Seminaren blieb diese Begeisterung. Meine Azubi-Kollegen waren auch eine große Bereicherung in dieser Zeit. Es gab einige, die schon von klein auf den Kontakt zur Bahn gesucht haben und andere, die auch ohne Vorwissen eine Ausbildung begonnen haben.

Dieser Mix machte nicht nur die Seminare interessant, sondern auch die Zeit nach Feierabend. Denn selbst dort haben wir uns getroffen und Dinge, die wir im Seminar gelernt haben, noch einmal durchgesprochen und uns die entsprechenden Abläufe am Bahnhof angeschaut.

Von der Mechanik bis zur Elektronik

Die Ausbildung ist in drei große Hauptteile aufgeteilt. Genauer gesagt, in die drei Hauptstellwerksarten, auf denen man sich auskennen muss und auch mal gearbeitet haben muss. Ein bewegender Moment war definitiv der erste Besuch auf einem mechanischen Stellwerk.

Dort werden Weichen und Signale noch mit Hebeln umgestellt und die Schranken mit purer Menschenkraft gekurbelt. Das erste Mal etwas aktiv und bewusst zum Bahnverkehr in Deutschland beizutragen, fühlte sich irgendwie gut an. Auch die Fortsetzung der Ausbildung auf einem Drucktastenstellwerk, wo alles schon etwas moderner abläuft, bis hin zum elektronischen Stellwerk, wo man vor Bildschirmen sitzt und den Zugverkehr mit Mausklicks koordiniert, war aufregend und immer wieder ein tolles Erlebnis. Tag für Tag.

Neben diesen drei Hauptpunkten in der Ausbildung gab es auch noch andere Themen, die später für die Zusammenarbeit im Job wichtig sind. So gab es zum Beispiel das Seminar „Soziale Methodenkompetenz“. Hierbei handelt es sich um ein Outdoorseminar. Im Team muss man Aufgaben lösen und Hindernisse bewältigen. Das hat nicht nur unsere Ausbildungsgruppe enger zusammengeschweißt, sondern einem auch gezeigt, wie wichtig Teamarbeit ist, besonders in einem so großen Unternehmen.

Um wieder zurückzukommen zu den Stellwerken, möchte ich explizit das elektronische Stellwerk hervorheben. Es war im Oktober 2013, als ich das erste Mal eins betreten durfte und nahezu erschlagen wurde. Es war so viel. Alles hat geblinkt, überall hat das Telefon geklingelt und es wurde viel gesprochen. Diese Angst, dass ich es nicht schaffen würde, war wieder da. Wie soll ich das alles verstehen und schaffen? Wie können diese Fahrdienstleiter das verstehen und woher wissen sie eigentlich, was sie dort tun?

Beachtlich und beeindruckend zugleich und meinen größten Respekt. Das ich ein halbes Jahr später selber dort sitzen würde und einen Hauptbahnhof wie Hannover steuern würde, war unvorstellbar. Es wurde aber Realität. Natürlich hat dieser Beruf viel mit Learning bei Doing, aber auch viel mit Lernen der Richtlinien, Abläufen und Lernen von den „Großen“ zu tun.

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Alle Fahrdienstleiter, die während meiner Ausbildung für mich zuständig waren, haben mir ihr Vertrauen gegeben und mir stets zur Seite gestanden, immer geholfen und Fragen beantwortet. Keine Selbstverständlichkeit, aber genau das hat wieder gezeigt, wie wichtig ein Team sein kann.

Es ging immer näher auf die Abschlussprüfung zu und ich konnte tatsächlich ein halbes Jahr später Hannover Hauptbahnhof im Regelbetrieb bedienen und durfte auch schon einige Störungen zusammen mit den Kollegen abarbeiten. Die Komplexität war noch da, aber zugleich auch der Durchblick. Ich wusste, was ich tue und habe verstanden, was ich dort mache. Sechs Monate zuvor war das kaum vorstellbar.

Das große Finale, die Abschlussprüfung, verlangte nochmal alles ab, was man in den vergangenen Jahren gelernt hatte. Man war komplett auf sich alleine gestellt und musste Störungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade abarbeiten. Das Lernen auch nach Feierabend und außerhalb der Seminarzeiten hat sich dort bezahlt gemacht und ist aus meiner Sicht elementar wichtig, sofern man vorher nicht schon im Bahnbetrieb tätig war beziehungsweise ein gewisses Vorwissen hatte.

Ich habe es geschafft und das Beste nach dem Bestehen war, dass ich auch auf meinem Ausbildungsstellwerk Hannover bleiben durfte und mit den Kollegen, die mich ausgebildet haben, weiter zusammenarbeiten durfte.

Mehr Bekanntheit für den Fahrdienstleiter

Bereits während der Ausbildung zum Fahrdienstleiter wurde mir klar, dass dieser Beruf kaum Bekanntheit hatte. Immer wieder musste ich erklären, was das ist und ob ich nun Lokführer oder Schaffner bei der Bahn bin. Genau die gleichen Fragen, die ich mir vor der Ausbildung auch gestellt hatte.

Ich stellte mir also neue Fragen. Wie kann man diesen Beruf bekannter machen? Wie kann man das, was ich gelernt habe, transparenter machen, damit die Leute verstehen, wie komplex der Bahnbetrieb ist? Was macht die Bahn selbst dafür? Bereits kurz vor Abschluss der Ausbildung entschloss ich mich, einen Blog ins Leben zu rufen, der sich damit beschäftigt, wie man die Hintergründe des Bahnbetriebes transparenter machen kann.

Ein kleines Konzept hatte ich schnell skizziert und ich fing einfach an. Es sollte sowohl Texte als auch Videos geben. So startete ich am 1. Juni 2014 einen Blog mit dem Namen „Der bloggende Bahner (DBB)“ mit dazugehörigem YouTube-Kanal. Anfangs kam mal hier etwas, mal da etwas. Videos wurden mit dem iPhone aufgenommen. Ende des Jahres 2014, nachdem ich gerade 24 Videos in 24 Tagen für einen Adventskalender veröffentlicht hatte, zählte mein YouTube-Account 50 Abonnenten.

Da kamen sie wieder, die Fragen. Nicht von mir, sondern aus dem Freundeskreis und sogar von meinen Eltern: Warum verschwendest du so viel Zeit, mach doch lieber was Vernünftiges. Das schaut sich doch sowieso keiner an, nutze deine Zeit sinnvoller.

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Durchhaltevermögen zahlt sich aus

Trotz dieser harten Worte hielt ich an dem Projekt fest. Im Februar 2015 hatte ich dann Fuß fassen können. Eine neue Kamera mit Stativ und entsprechendem Ton wurde gekauft und ein Redaktionsplan für die nächsten sechs Monate wurde geschrieben.

Die Videos wurden besser, die Texte waren ansprechender und das Projekt wurde angenommen. Abonnenten und Follower kamen auf allen Plattformen regelmäßig dazu. Im April konnte ich dann den ersten Meilenstein erreichen. Die Deutsche Bahn kam auf mich zu und wollte gerne mit mir als Blogger zusammenarbeiten.

Ich habe es gemacht und durfte auch im Juni 2015 erstmalig als Blogger die Werbekampagne „Diese Zeit gehört Dir“ begleiten. Das ermöglichte mir nicht nur neue Einblicke in den Konzern, sondern sorgte auch dafür, dass ich neue Leute kennenlernen durfte. Schließlich stand Ende des Jahres ein neuer DBB-Adventskalender mit 24 Videos auf dem Programm. Auch ein Refresh meiner Webseite und ein eigenes E-Book wollte ich gerne herausbringen.

Hauptberuflich war ich weiter als Fahrdienstleiter aktiv und berichtete natürlich auch über meinen Alltag im Bahnbetrieb. Das war der Hauptpart in meinem Blog und weckt bis heute am meisten Interesse. Der Adventskalender 2015 war ein voller Erfolg und auch das E-Book mit Grundwissen zur Deutschen Bahn konnte ich im Januar 2016 herausbringen. Ebenfalls im Januar 2016 wurde ich zum Blogger des Jahres 2015 in der Kategorie bester Newcomer nominiert.

Eine Ehre und zugleich ein Schritt in die richtige Richtung. Auch meine Fahrdienstleiter-Kollegen wurden nach und nach auf mich aufmerksam und freuten sich, dass endlich mal jemand über diesen unbekannten Beruf etwas berichtet.

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Der Einstieg bei DB Personenverkehr

Doch das Jahr 2016 sollte eine unerwartete Wendung nehmen. Nachdem zahlreiche Schüler den Einblick nutzen, um sich auf anstehende Vorstellungsgespräche vorzubereiten und am Ende ebenfalls eine Ausbildung bei der Bahn angefangen haben, genauso wie ich es 2012 gemacht habe, erhielt ich für meine Aktivitäten im Mai 2016 ein Job-Angebot vom Social-Media-Team Personenverkehr der Deutschen Bahn.

Um eines nochmal klarzustellen: Der Beruf Fahrdienstleiter war nicht schlecht oder hat mir keinen Spaß gemacht. Ich habe es geliebt, zusammen mit meinen Kollegen in guten wie in harten Zeiten den Zugverkehr aufrecht zu erhalten, zu koordinieren und würde es auch heute noch mit voller Motivation tun.

Doch wenn dir jemand ein Angebot macht, was letztendlich eine Möglichkeit ist, dein Hobby zum Beruf zu machen, würde jeder ja sagen. Genau das habe ich auch gemacht und habe vier Jahre, nachdem ich meine Ausbildung zum Fahrdienstleiter begonnen habe, meinen Beruf gewechselt und bin seit September 2016 Social Media Redakteur beim Personenverkehr der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main.

Doch bis heute laufen mein Blog, YouTube-Kanal und alle anderen Kanäle, die zum bloggenden Bahner gehören, weiter und es erscheinen weiterhin viele Inhalte rund um den Bahnbetrieb der Deutschen Bahn. Es ist, wenn ich jetzt zurückblicke, ein Weg, den man nicht malen kann, ein Weg, den ich mir nicht hätte vorstellen können.

Vor 2012 wusste ich nicht, was ein Fahrdienstleiter ist und heute wünsche ich vielen jungen Menschen, dass sie genau so eine Ausbildung machen und Fuß fassen können bei einem Arbeitgeber wie der Deutschen Bahn.

Wege gehen, die noch niemand gegangen ist

Egal, wie unsicher die Zukunft zu sein scheint, egal wie steinig der Weg in der Zukunft aussieht, manchmal muss man den Schritt wagen und etwas tun, bei dem man im ersten Moment denkt, dass es eigentlich nur schief gehen kann. Wichtig ist, sich immer wieder zu hinterfragen. Denn auch im jungen Alter ist es wichtig, dass zu tun, was einem Spaß macht.

Ja, um etwas zu erreichen und sich abzuheben von anderen, muss man mehr tun als der Durchschnitt. Man muss Wege gehen, die noch niemand zuvor gegangen ist. Aber es ist fast immer so: Harte Arbeit zahlt sich aus. Nicht immer mit Geld, aber mit Erfahrung. Denn diese kann man nicht kaufen und ist eigentlich unbezahlbar.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Fachzeitschrift „Deine Bahn“ (Ausgabe Juli 2017). Du hast die Möglichkeit, bei kostenloser Registrierung, auf zahlreiche Ausgaben der Fachzeitschrift zuzugreifen! Hier kostenlos registrieren!

#Ausbildung#Entwicklung#Werdegang
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
2 Kommentare
  • Matthias sagt:

    Du bist immer wieder – wie vor ein paar Tagen auch – im Kreise deiner früheren Fahrdienstleiter – Kollegen im größten Hauptbahnhof der Welt 😉 – willkommen, Tim.
    Es ist schon toll zu sehen, was du in den vergangenen 5 Jahren geleistet und geschafft hast.
    Weiter so? Ist ja wohl klar!

    • Tim Grams sagt:

      Hallo Matthias,

      vielen Dank für deine Worte. Freut mich sehr zu hören.
      Ich werde immer wieder probieren vorbeizuschauen. Mein „Bahner-Leben“ hat bei euch und mit euch begonnen und auch ihr alle habt einen Anteil an diesem Blog.

      Wir sehen uns! 🙂

      Beste Grüße
      Tim

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