25. Oktober 2016

Wieso wird mir im Zug nie langweilig?

Wieso wird mir im Zug nie langweilig?

Es ist 07:15 Uhr am Montagmorgen. Ich stehe am Gleis 3 in Hannover Hauptbahnhof. In wenigen Minuten fährt hier der Sprinter nach Frankfurt am Main ein und ich weiß, diese Woche warten wieder 3.300 Schienenkilometer auf mich. Wo so mancher Bahnkunde die Hände vor dem Kopf zusammenschlägt, kommt bei mir die Euphorie. Warum, dass möchte ich dir in diesem Beitrag näher erläutern.

In den vergangenen 30 Tagen habe ich mehr als 20.000 Schienenkilometer zurückgelegt. Wieso tue ich mir das an? Wieso wird mir nicht langweilig?

Als erstes muss man natürlich sagen, dass ich in Frankfurt am Main arbeite und dadurch auch dort hinfahren muss. Aber ich mache diese Zugfahrten in gewisser Art und Weise auch freiwillig, weil es für mich keine Belastung ist. Ich lege pro Tag 660 Kilometer mit dem Zug zurück und habe vier Stunden Zeit für mich, für meine Arbeit und für meinen Blog. Alles ganz in Ruhe. Zumindest in 99% der Fälle.

Meine Routine, die ich jeden Morgen absolviere und vor mehr als sechs Monaten entwickelt habe, habe ich von meinem Zuhause in den Zug verlagert. Auch dort kann ich das ohne Probleme machen. Doch was mache ich mit meinen vier Stunden im Zug genau?

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Fokus, Ruhe und Arbeit

Sobald mein Laptop aus dem Standby geholt wird und ich anfange in den Arbeitsmodus zu kommen, steigt meine Konzentration enorm.

Ich bin sofort auf die Arbeit konzentriert und schaffe viel mehr in kürzester Zeit. Vor allem jetzt in der Herbstzeit ist es am Morgen etwas länger dunkel. Diese Ruhe in der Natur und den Vorteil der Abteile im ICE, wo man das Licht ausschalten kann, nutze ich gerne um mich auf den Tag vorzubereiten.

Entweder gehe ich die Aufgaben des Tages durch oder ich lausche für ein paar Minuten einem aktuellen Hörbuch während ich mich im Sitz zurücklehne und aus dem Fenster schaue. Es gibt für mich einfach keine Langeweile im Zug.

Stress, Weiterbildung und Information

Stress spielt bei mir keinerlei Rolle. Über den DB Navigator bin ich stets über meine Zugverbindungen informiert und weiß über eventuelle Verspätungen Bescheid.

Somit kann ich auch die Zeit am Bahnsteig nutzen um einen Podcast oder eben mein Hörbuch zu hören und mich dadurch auch ein wenig weiterzubilden und zu informieren. Auf meinem Smartphone habe ich eine Lese-Liste – diese wird auch genutzt um mich bei wichtigen Themen auf dem aktuellen Stand zu halten.

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Unterhaltungen

Unglaublich, aber wahr: Ich habe schon unzählige Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen im Zug geführt. Nicht das permanent auf Leute zugehe, um mir die Zeit zu vertreiben, aber man kommt irgendwann einfach ins Gespräch. Mit dem einen mehr mit dem anderen weniger.

Es ist spannend zu erfahren, wie gerne Leute mit dem Zug fahren und wie diese Kunden eben die Zeit im Zug nutzen. Ich empfehle jedem Reisenden einfach mal die Kopfhörer abzunehmen und probieren mit anderen im Abteil oder Wagen ins Gespräch zu kommen. Dabei vergeht die Zeit nicht nur sehr schnell, sondern man lernt auch unglaublich nette Leute kennen.

Langeweile im Zug? Ohne mich!

Auf gehts in die nächsten 30 Tage bzw. die nächsten 20.000 Schienenkilometer. Wie verbringst du deine Zeit im Zug? Wird dir manchmal langweilig? Ich freue mich auf dein Feedback in den Kommentaren. 

Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
21 Kommentare
  • Anna Amely sagt:

    Also mir wird bei längeren Zugfahrten auch nicht langweilig. Entweder bin ich dann nämlich mit den Pfadfindern unterwegs oder bin auf Klassenfahrt.
    Und mit dem Pfadfindern spielen wir dann Karten oder reden miteinander.
    Bei einer Klassenfahrt unterhalte ich mit meinen Mitschülern.

  • Moin Tim,
    ich mal wieder 😀 ich habe zwar schon mal hier geantwortet aber es ändert sich ja doch meistens etwas oder es kommt was hinzu 😉

    Bei meinen fast wöchentlichen Reisen von Bremen in den Schwarzwald und zurück, hat es sich jetzt häufiger ergeben, dass ich über Nacht gefahren bin. Leider bin ich aber einer, der im Zug nicht so wirklich den Schlaf finden kann und wenn, dann nicht sehr lange und nur unter großen Mühen. Das heißt ich bin auf dieser langen Fahrt meist wach und dann kommt einem die Frage “Was soll ich machen?” Am Laptop oder Tablet arbeiten kann ich nicht, da das ständige Tippen auf den Tasten durchaus die anderen Fahrgäste von ihrem Schlaf abhält. Unterhaltungen über WhatsApp z.B. mit Freunden wird auch schwierig morgens um 2 Uhr und draußen gibt es nichts zu sehen bei der Dunkelheit. Das sind dann tatsächlich mal die Fahrten, wo mir ein bisschen langweilig wird. Ich kann auch keine 6 Stunden am Stück ein Buch lesen. Das lege ich nach spätestens 1 – 1,5 Stunden wieder weg. Musik hören kann ich auch nicht durchgehend. Vielleicht hast du ja einen Tipp für solche Fahrten?
    Ansonsten habe ich mir für den Rückweg angewöhnt meist immer die selbe Verbindung zu nutzen, wenn es von den Anschlüssen her klappt. Wenn ich in Basel in den Zug einsteige werden erstmal die Neuigkeiten durchgelesen und ggf. auf Nachrichten geantwortet. Der Rest der Fahrt ergibt sich daraus, was ich gelesen habe oder was ich noch zu tun habe. Letztens habe ich von Karlsruhe bis Hannover eine Konferenz in einem Chat abgehalten und das trotz dessen, dass ich in Mannheim noch umsteigen musste 😀
    Auf jeden Fall kommen immer wieder auch Probleme hinzu, wenn ich z.B. einen IC nutzen muss oder einen Regionalzug. Da fehlt dann wieder das WLAN oder aber auch auf der ICE-Linie Köln – Basel, wo meist in einem der beiden Zugteile das WLAN ausgefallen ist. Weiß man vorher auch nicht. Da wird es dann auch ein bisschen langweilig. Mal schauen, was sich so ergibt….

    Grüße aus Bremen 🙂

    • Tim Grams sagt:

      Hi Florian,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine ausführliche Ausführung.
      Ich habe tatsächlich einen Tipp. Podcasts.

      Diese sind oft nicht sehr lang und können beliebig gewechselt werden. Du kannst dir vor jeder Fahrt deine Podcasts aussuchen und bereits herunterladen. Dann hast du diese immer dabei und kannst ohne Internet direkt reinhören. Die Zeit vergeht meist sehr schnell und man lernt sehr viel dazu.

      Probier es einfach mal aus. Es gibt mittlerweile ein sehr breites Angebot in nahezu jeder Kategorie.

      Beste Grüße
      Tim

  • Frank sagt:

    In auch in diesem Beitrag noch einmal Hallo Tim,
    Auf meinen Zugfahrten habe ich mein iPad zum Filme oder Serienschauen, zum Podcast oder Musik hören dabei und mein iPhone hält mich über Verspätungen und Anschlüsse auf dem Laufenden und ich kommuniziere mit Feunden und Familie. Da ich auf längeren Strecken möglichst versuche 1. Klasse zu fahren kommt man gefühlt weniger mit Leuten ins Gespräch da hier meistens nicht so viel los ist. Aber wenn es sich ergibt ist häufig dann doch eine nette Abwechslung.
    Respekt vor Deinen vielen Schienenkilomternm, ich bin mal drei Jahre lang 250 Kilomter täglich mit dem Auto gefahren. Hätte mir gewünscht da auch eine annehmbare Zugverbindung zu haben, weil das doch schon sehr an die Substanz geht.
    Gruß Frank

    • Tim Grams sagt:

      Hey Frank,

      Vielen Dank auch hier für dein ausführliches Feedback. Echt klasse.
      Hört sich sehr gut an, was du im Zug so alles erledigst. Zugzeit ist einfach Nutztzeit.

      Beste Grüße
      Tim

  • Udo sagt:

    Ich schaff auch ca. 120.000 km im Jahr, langweilig ist mir auch nie, Allerdings ist das Sitzplatzproblem trotz Bahncard 100 noch immer kostspielig.
    Da warten wir noch immer auf eine kundenfreundliche Lösung für die Inhaber der “schwarzen Mamba”

    • Tim Grams sagt:

      Hi Udo,

      ich stimme dir vollkommen zu und man kann nur hoffen, dass da noch einiges passieren wird.
      Danke dir für deine Offenheit.

      Beste Grüße
      Tim

  • Pierre Ofzareck sagt:

    Für mich war und ist beim Bahnfahren schon immer der Weg das Ziel gewesen. Bahnfahren ist langweilig? Mir nie gewesen und auch noch nie geworden. Jetzt bin ich auch nicht täglich als Pendler unterwegs und nutze meistens die Züge des Nahverkehrs, weil es mir nicht auf Schnelligkeit ankommt. Ich fühle mich einfach wohl, wenn sich unter mir Räder drehen. Und bei keinem anderen Verkehrsmittel ist die Bewegung derart geschmeidig gleitend, wie beim Sinuslauf der Eisenbahn. Die Landschaft verändert sich, doch man spürt davon fast nichts, denn die Trassierung der Bahn egalisiert das alles und so passt die Bewegung oft überhaupt nicht zum Bild der Landschaft, die in einem ständigen auf und ab am Fenster vorbei zieht.

    Herzliche Grüße aus Köln

    Pierre

    • Tim Grams sagt:

      Hi Pierre,

      Vielen Dank für dein positives, ausführliches Feedback. Wirklich klasse. Genieß deine Bahnreisen weiterhin so.

      Beste Grüße
      Tim

  • Michael sagt:

    Hast Du ungeachtetu der fehlenden Langeweile nicht auch schon mal überlegt, ob sich ein Umzug vielleicht finanziell und zeitmäßig lohnt? Zuhause hat man ja doch noch mehr Ruhe, ich jedenfalls.

    • Tim sagt:

      Hey Michael!

      Es geht mir sehr gut mit dem vielen Reisen. Es macht mir Spaß und es erfüllt mich. Ich kann kaum woanders so gut entspannen und auch arbeiten, wie im Zug.

      Beste Grüße
      Tim

  • Florian sagt:

    Hallo Tim,

    nun habe ich auch diesen Beitrag entdeckt 😀
    Jeden Tag von Hannover nach Frankfurt und wieder zurück – Respekt! Eine Sitzplatzreservierung wirst du aber nicht haben oder? Wir als Bahnmitarbeiter kriegen so etwas wahrscheinlich nicht…

    Wenn ich eine Stunde und länger unterwegs bin, was momentan durch das ständige Besichtigen von Rangier- und Güterbahnhöfen im PZ Hannover noch häufiger der Fall ist (allein die Strecke Bremen – Hannover schon 5 Mal hin und zurück…), dann mache ich meistens gar nichts. Das heißt dann die Fahrgäste beobachten oder die Landschaft bzw. die Strecke beobachten, teilweise auch die Bahnhöfe genauer anschauen oder raten, welchen man als nächstes durchfährt. Es kommt selten vor, dass ich dann mal eine Stunde lang Musik höre. Wenn ich mit anderen Leuten zusammenfahre (meine Kollegen z.B.), dann wird sich nur unterhalten und nichts anderes. Das kann einem schon eher langweilig vorkommen aber, ob man es glaubt oder nicht, es kann durchaus interessant sein.
    Zum Thema Stress: null Komma null. Wozu Stress machen? Den hatte ich nur einmal, als durch Verspätungen die Gefahr bestand die allerletzte Verbindung von Wien nach Budapest zu verpassen, was sehr ärgerlich gewesen wäre, wenn man schon das Stück von Bremen nach Wien geschafft hat… ansonsten bin ich nur froh, wenn ich doch noch irgendwie weiterkomme bzw. wenn ich endlich am Ziel bin. Apps nutze ich bei der Suche nach Alternativen teilweise sogar gar nicht und selbst Reiseverbindungen stelle ich mir teils selber zusammen. Die findet man nicht ohne weiteres in den Reiseauskünften 🙂

    Grüße
    Florian

    • Tim sagt:

      Hallo Florian,

      vielen lieben Dank für dein Feedback zum Beitrag.
      Eine Sitzplatzreservierung habe ich nie und habe ich bisher auch nicht gebraucht.

      Möglich wäre das aber! 🙂

      Respekt auch an dich! Langweilig hört sich das keinesfalls an. Das Unterhalten mit den Kollegen ist doch super. Da hört man ja in der Regel ja auch keine Musik, wenn man mit Kollegen unterwegs ist.

      Super, dann weiterhin allzeit Gute Fahrt.

      Beste Grüße
      Tim

  • Nickel sagt:

    Bei mir ist es so, dass wenn ich mal eine längere Zugfahrt habe, was bei mir nicht allzu häufig vorkommt(ich bin Schüler), lese ich, höre Musik oder schaue einfach durchs Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft.

  • Natalie sagt:

    Hallo Tim,
    gestern habe ich deinen Blog ganz zufällig über Facebook entdeckt, da dieser Blogpost auf meiner Timeline angezeigt wurde. Tatsächlich ist mir auch niemals langweilig, wenn ich die richtige “Hilfsmitteln” dabei habe. Bei längeren Zugreisen, die über eine Stunde andauern, nehme ich immer ein spannendes Buch mit. So habe endlich Zeit zum Lesen. Aber besonders gerne beobachte ich Menschen am Gleis und da erlebe ich kuriose Geschehen. Vergessene Haustiere im Zugabteil, geöffnete Koffer am Gleis oder verlassene Aktenkoffer am Sitzplatz – Ich habe alles davon erlebt. Das ist sogar besser als Fernsehen 🙂 Darüber habe ich einen Blogpost verfasst: https://www.livolett.de/lustige-bahngeschichten
    Viele Grüße
    Natalie

    • Tim sagt:

      Hey Natalie,

      freut mich, dass du mich über Facebook entdeckt hast. Ich hoffe, dass du auch in Zukunft mal wieder vorbeischaust.
      Danke auch für deinen Beitrag, den schaue ich mir in Ruhe mal an.

      Beste Grüße
      Tim

  • hdd7 sagt:

    20.000 Km im Monat sind schon eine Menge, Soviel fahre ich (glücklicherweise) nicht.
    Aber wenn ich mal fahre dann bin ich auch so 6-7 Stunden unterwegs und versuche mich da auch irgendwie zu beschäftigen.
    Entweder gucke ich auf meinem MacBook einen Film, lese eBook oder Zeitschriften oder ich höre einfach nur Musik und gucke aus dem Fenster.
    Was ich allerdings festgestellt habe (ich pendel seit Februar 2016 von München ins Ruhrgebiet) ist allerdings, das man ohne Sitzplatzreservierung heutzutage keinen Zug mehr betreten sollte.
    Entweder sind die Reservierungsanzeigen bei betreten des Zuges noch nicht eingeschaltet, oder der Zug ist derartig ausgebucht das ich mit dem Gepäck erstmal durch den ganzen Zug laufen muss um einen sicheren Sitzplatz zu bekommen.
    Wie machst du das eigentlich bei 20.000 km im Monat, hast da da für jede Fahrt eine Sitzplatzreservierung?
    Ich muss dazu sagen das ich auf meinen Fahrten von München ins Ruhrgebiet immer durchgehende Züge bevorzuge und im Grunde genommen lieber etwas länger ohne Umsteigen unterwegs bin als das ich Reisezeit spare auf einer Verbindung mit Umsteigen.

    • Sebastian Gentsch sagt:

      Ich werde auch bald enorm viel fahren, denn ab 1. Dezember besitze ich die Bahncard 100 und darauf freue ich mich schon wie verrückt. Ich brauche sie nicht dienstlich, obwohl ich sie zur Arbeit natürlich nutzen werde, sich aber so eigentlich nicht lohnen würde. Aber ich werde unbedingt die Neubaustrecke nach München gleich nach Fahrplanwechsel testen und auch die Neubaustrecke Köln – Rhein/Main kenne ich noch nicht. Ich werde nach Feierabend, je nachdem welchen Frühdienst ich habe, einfach mal zum Beispiel mit dem ICE noch irgendwo hinfahren, zum Beispiel nach Hamburg oder Hannover oder Leipzig bevor ich nach Hause fahre. Es gibt einfach genügend Gründe für mich, viel zu fahren und ich werde eine Liste mitführen, auf der ich jede private Fahrt mit der Bahncard 100 festhalten werde.

      • Tim Grams sagt:

        Hey Sebastian,

        vielen Dank für deinen Kommentar zur BahnCard 100 und zum Thema Langeweile im Zug. Ich wünsche dir ganz viel Spaß auf deinen Reisen und mit deiner BahnCard 100.

        Beste Grüße
        Tim

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