8. Juli 2015

Zwischen Kunst und Betriebsgefahr – die Sprayer

Zwischen Kunst und Betriebsgefahr – die Sprayer

Es war eines Abends während der Nachtschicht als mich ein aufgeregter Lokführer anrief: „Neben mir in der Abstellgruppe befinden sich Graffiti-Sprayer. Sie laufen entlang der Hauptgleise“. In diesem Moment gehen bei einem Fahrdienstleiter alle Alarmglocken an. 

“Personen im Gleis” heißt die Betriebsgefahr. Züge sind zurückzuhalten. Welcher Gefahr sich diese Personen in diesem Moment aussetzen, ist ihnen oft nicht bewusst.

Nicht selten erreichen uns Anrufe bei denen von Sprayern berichtet wird. Es ist immer höchste Vorsicht geboten. Die Bundes-Polizei erreicht diese Plätze, wo die Sprayer in den Bahn-Betrieb eingreifen, meist schlecht, deshalb entkommen sie zu oft.

Auf der einen Seite habe ich großen Respekt vor der Kunst, die diese Personen ausüben, auf der anderen Seite weiß ich, welcher Gefahr sie sich aussetzen. Vor allem S-Bahnen sind kaum zu hören, wenn sie sich nähern.

Bundespolizei braucht meist zu viel Zeit!

Die Polizei hat nun einen Bereich gesperrt um den Sprayern auf die Schliche zu kommen, die vom Lokführer gemeldet wurden. Für uns Fahrdienstleiter heißt das meist: Weniger Gleise, gleiche Anzahl von Zügen – kurz: Verspätung.

In den meisten Fällen werden die Sprayer nicht erwischt und es bleibt eine beschmierte S-Bahn oder besprühte Wagen zurück. Ein Schaden der jährlich in die Millionen geht. So schön das Endergebnis meistens aussieht, es muss trotzdem nicht an Zügen oder Waggons sein.

Deutsche Bahn, Sprayer, Graffiti, Hauptbahnhof, Betriebsgefahr

Es gibt so viele verlassene Gebäude oder triste Wände, an denen sich ein Graffiti gut machen würde. Im Bahn-Betrieb sorgt es leider immer wieder für Gefahren. “Schäden” für die Reisenden, die dann mit eventueller Verspätung abfahren oder eintreffen, sind nicht zu vergessen.

Ich wünsche mir, genauso wie von vielen Reisenden, auch von Sprayern, Respekt vor dem Bahn-Betrieb. Denn nicht nur andere werden in Gefahr gebracht, sondern auch sie selber!

Hattet ihr schon mal Kontakt mit Sprayern und was haltet ihr davon?

#Betriebsgefahr#Fahrdienstleiter#Graffiti#Hannover#Sprayer
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
3 Kommentare
  • Christoph sagt:

    Als “Kunst” kann man das meines Erachtens nicht bezeichnen. Das meiste sind sinnlose Schmierereien, und unterm Strich handelt es sich immer um Sachbeschädigung! Wenn sich jene “Künstler” dabei noch in Gefahr begeben und dabei etwas passiert – selbst Schuld, ich habe da null Mitleid.

    VG Christoph

    • Tim Grams sagt:

      Hey Christoph,

      vielen Dank für dein Feedback zu diesem Thema. Ich gehe vor allem bei der Aussage “Sachbeschädigung” voll mit.

      Beste Grüße
      Tim

  • Ich sehe das genau so!
    Es gibt viele alte Häuser/Wände die sich für Grafitti bestens eignen würden.
    Ich als Mitglied bei den Ostsächsischen Eisenbahn Freunden Löbau e.V hatte auch schon mit sowas zutun wie z.B. Eines Morgens kam ich zum Arbeitseinsatz in unseren Lokschuppen , uns sah schon vom weiten das einige unserer draußen stehenden Waggon voll mit Graffiti besprüht waren. Ich dachte ich sehe nicht richtig, weil die Wagen so voll waren das man denken konnte es wären bunte Zirkuswagen gewesen und leider hatte es auch eine unserer kleinen Rangierlokomotiven getroffen.
    Alle Mitglieder waren geschockt, und es machte eine Heiden Arbeit das ganze wieder ab zu bekommen und die Wagen neu zu lackieren usw…

    Gruß Mario

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