31. August 2017

Ist der Komfort Check-in der richtige Schritt?

Ist der Komfort Check-in der richtige Schritt?

Die Deutsche Bahn arbeitet seit einigen Jahren an digitalen Features und Produkten. Eines der neusten soll die Fahrkartenkontrolle wegfallen lassen. Ich werfe für euch einen Blick auf den Komfort Check-in.

  • „Einmal die Fahrkarten bitte!“
  • „Ist noch jemand zugestiegen?“

Viele von euch werden diese Sätze kennen. Doch schon in einigen Jahren könnte es deutlich ruhiger werden, wenn der Zugbegleiter oder die Zugbegleiterin zur Fahrkartenkontrolle durch den Zug läuft und die Fahrgäste kontrolliert.

Der Grund dafür ist ein neues Feature im DB Navigator mit dem Namen Komfort Check-in. Im Folgenden möchte ich dir erklären, wie der Komfort Check-in funktioniert, was du dazu brauchst um diese Funktion innerhalb des DB Navigators zu nutzen und wie die Reise weitergehen könnte.

Was ist der Komfort Check-in?

Der Komfort Check-in, der zuvor mit dem Namen Self Check-in bekannt wurde, ersetzt die Fahrkartenkontrolle. Dieses Feature ist direkt im DB Navigator integriert. Innerhalb der App kann man sich, sobald man seinen Sitzplatz hat, selber einchecken bzw. kontrollieren.

Der Zugbegleiter sieht auf seinem mobilen Kontrollterminal, ob man sich bereits eigenständig kontrolliert hat oder ob er selber kontrollieren muss. Aktuell befindet sich dieses Feature in ausgewählten Zügen im Testbetrieb und kann als Beta-Version genutzt werden.

Wie funktioniert der Komfort Check-in?

Folgende Punkte musst du erfüllen, um den Komfort Check-in zu nutzen:

  • Die neuste Version der App DB Navigator ist auf deinem Smartphone installiert
  • Du hast eine Fahrkarte in Form eines Handy- oder Online-Tickets gebucht
  • Du hast einen Sitzplatz reserviert

Hast du alle diese drei Punkte erfüllt, kannst du dich auf zum Bahnhof machen und warten bis dein Zug einfährt. Fährt der Zug ein, steigst du ein und begibst dich zu deinem reservierten Sitzplatz und machst es dir bequem.

Anschließend öffnest du die DB Navigator App und gehst unter dem Reiter im Menü „Meine Tickets“ in deinen Reiseplan für deine Fahrt. Wenn der Zug das Feature Komfort Check-in unterstützt, befindet sich im Reiseplan ein Button mit der Beschriftung „Komfort Check-in (Beta)“. Diesen tippst du an und es öffnet sich ein Fenster, wo deine Reservierungsdaten erneut angezeigt werden.

Jetzt kannst du erneut prüfen, ob du dich im richtigen Wagen befindest und auf deinem reservierten Sitzplatz sitzt. Sollten die Daten miteinander überstimmen, übernimmst du mit dem Bestätigen die Fahrkartenkontrolle und der Zugbegleiter bekommt auf seinem mobilen Kontrollterminal die Information, dass du für ihn die Fahrkartenkontrolle übernommen hast.

Wo gibt es den Komfort Check-in?

Die Testphase für dieses Feature ist am 24.07.2017 in zwei Zügen gestartet. Im ICE 912 und ICE 915 auf der Strecke von Dortmund bzw. Essen nach Stuttgart finden erste Tests und Kundenumfragen statt.

Seit dem 28.08.2017 ist der Komfort Check-in in drei weiteren Zügen verfügbar. Neben den ICE-Zügen mit der Nummer 786 und 581 auf der Strecke von Hamburg nach München ist das Komfortmerkmal auch in den ICE-Zügen mit der Nummer 787 und 582 verfügbar. 

Ob und wann weitere Züge folgen steht noch nicht fest.

Wo geht die Reise mit dem Komfort Check-in hin?

Bereits im Jahr 2015 wurde im Rahmen des Programms Zukunft Bahn bekannt, dass die Deutsche Bahn zeitnah an einer Lösung der eigenständigen Fahrkartenkontrolle arbeitet. Damals noch unter dem Namen Self Check-in hat man von Anfang an offensiv betont, dass keine Arbeitsplätze dabei eingespart werden.

Mitarbeiter sollen beim Wegfall der Fahrkartenkontrolle stärker in den Service am Kunden eingebunden werden. Ein Beispiel ist der am Platz Service in der 2. Klasse, aber auch der Kunden-Dialog bei Fragen vor und während der Reise. Der Fokus vom Feature Komfort Check-in liegt im Komfort für den Kunden.

Es geht nicht darum mit aller Gewalt diese Funktion für alle Kunden einzuführen, sondern den Kunden, die es gerne nutzen würden, ein attraktives Angebot zur Verfügung stellt.

Wie können BahnCard 100 Kunden den Komfort Check-in nutzen?

Morgens noch schnell den Brustbeutel umhängen, Sitz nach hinten und schlafen legen. Viele BahnCard 100 Kunden machen das genau so. Es sind die Kunden, die wohl Jahr für Jahr am meisten Geld bezahlen um mit der Bahn unterwegs zu sein.

BahnCard 100 Kunden sind die Kunden, für die der Komfort Check-in wohl die Bereicherung schlechthin wäre. Leider können sie aktuell nicht Teil des Testprogramms sein.

Auch wenn es technisch eine sehr große Herausforderung wird, sollte man schnellstmöglich probieren mit den treusten Kunden zusammenzuarbeiten und den Komfort Check-in Stück für Stück verbessern.

Zwischenfazit

Der Komfort Check-in zeigt, dass die Deutsche Bahn weiter probiert digitale Produkte und Features zu entwickeln um den Endkunden das Reisen so einfach wie möglich zu machen.

Den langsamen Schritt mit dem eingeschränkten Nutzerkreis begrüße ich sehr, da es sich um eine Funktion mit großen technischen Aufwand handelt. Mitarbeiter sollten weiterhin mitgenommen werden und müssen ein Mitspracherecht bei den Entscheidungen haben. Eingespart werden dürfen sie keinesfalls, denn der persönliche Kunden-Dialog hat einen hohen Stellenwert.

Ich wünsche mir, dass man BahnCard 100 Kunden mitberücksichtigt und auch diese relativ kleine Gruppe an Kunden beim Ausbau des Features dabei hat. Ich bin gespannt auf eure Meinung zu diesem Thema.

Lass mich unter Berücksichtigung der Testphase wissen, wie du den Komfort Check-in findet und schreib deine Meinung in die Kommentare.


Mehr zum Komfort Check-in im Bahnfunk-Podcast

Bahnfunk-Podcast, Bahn-Podcast, BahnfunkIm Bahnfunk-Podcast haben wir bereits vor einiger Zeit zum Komfort Check-in eine Episode veröffentlicht. Dort haben Lukas und ich das neue Feature analysiert und kommentiert. Zur Bahnfunk-Episode zum Thema Komfort Check-in

 


 

#Fahrkartenkontrolle#Komfort Check-in
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
9 Kommentare
  • Gouv sagt:

    Viel wichtiger für BC100 fände ich einen check in, der im Verspätungsfall automatisch die (magere) Erstattung auf ein hinterlegtes Konto abwickelt.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Gouv,

      auch da stimme ich dir zu. Allerdings sollte man diese Funktion direkt für alle Kunden mit Kundenkonto freischalten. So hätten noch mehr etwas davon.

      Beste Grüße
      Tim

  • Frank sagt:

    Sehr überzeugendes Konzept, bin schon vom Ticket in der DB Navigator App begeistert. Pflege sogar die Tickets für Dienstreisen hier nach in dem ich einfach die Ticketnummer eintippe. Sogar wenn ich dieses nicht selber bestellt und bezahlt habe erscheint das Ticket dann in der App.
    Wenn jetzt auch noch die Fahrkartenkontrolle selber gespart werden kann wäre das ganze in meinen Augen noch kundenfreundlicher. Vor allem wenn das bisher zur Fahrkartenkontrolle eingesetzte Personal sich dann mit um den Service am Kunden kümmern kann.
    Leider wird es wohl aber noch einige Jahre dauern bis die Fahrkarte in Papierform ausgedient hat. Meine Eltern zum Beispiel fahren mehrmals im Jahr nach München aber ich habe es bis heute trotz iPhone und DB Navigator App, noch nicht geschafft Ihnen die Fahrkarte auf dem Samrtphone schmackhaft zu machen. Die Angst das iPhone könnte mal entladen, geklaut oder kaputt sein ist einfach zu groß. Die Skepsis gegenüber zu viel Technik und evtl. Blicke anderer Mitreisender lassen Sie doch lieber ein Ticket zwar Online am PC kaufen, aber es wird dann ausgedruckt und in der Tasche mitgeführt, die natürlich niem als geklaut werden könnte 😉

    • Tim Grams sagt:

      Hi Frank,

      vielen Dank für deine offene und ehrliche Meinung und das damit verbundene Feedback zum Komfort Check-in.
      Freut mich, dass dir das Feature gefällt.

      Ich gebe dir recht: Es wird noch Jahre dauern bis die Papierfahrkarte ausgedient hat. Das ist auch gut so, denn man muss bei diesem Wandel alle Generationen mitnehmen und jedem offen lassen, wie und wo er seine Fahrkarte kaufen will.

      Ich stimme dir ebenfalls zu, dass auch die Papierfahrkarte geklaut werden kann. Da verstehe ich die Skepsis gegenüber dem Smartphone (Handy-Ticket) einfach nicht. Allerdings kann ich dir bestätigen: Auch meine Eltern kaufen Papier-Tickets. Gleiche Skepsis.

      Beste Grüße
      Tim

      • Chrischi sagt:

        Hallo, Ihr da
        Ich bin dafür die Papierfahrkarte so lange wie möglich zu erhalten, je mehr möglichkeiten ein Zugticket zu kaufen desdo besser, jeder sollte das so machen können wie er es möchte (Kundenfreundlich) wenn eine neue Möglichkeit dazu kommt (smartphone) muss man sie ja nicht durch eine Alte ersetzten (Papierfahrkarte ) sondern als Erweiterung sehen. Nicht jeder unter 40 WILL ein Smartphone haben 😉

        • Tim Grams sagt:

          Hey Chrischi,

          vielen Dank für dein Feedback. Ich stimme dir voll und ganz zu. Niemand hat zum Glück gesagt, dass auf einmal die Papierfahrkarte weg ist. Es wird durch den Komfort Check-in oder durch die Handy-Tickets bzw. Online-Tickets nichts ersetzt, sondern es gibt dadurch nur mehr Möglichkeiten und bietet für den Reisenden mehr Optionen und dieser kann die für sich beste Option wählen.

          Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass man sich weiterentwickelt und neue Dinge ausprobiert.

          Danke nochmals für dein Feedback.

          Beste Grüße
          Tim

  • Franzi sagt:

    Hallo.
    Ich bin zugbegleiterin und in dem Test von KCI mit dabei. Das Thema mit den BC 100 und sogar Monatskarten ist den Kollegen die das Projekt betreuen sehr präsent und sie sind dabei das auszubauen. In Kombination mit KCI muss immer eine Reservierung vorhanden sein also müssten die BC 100 und Monatskarten Besitzer jedes Mal bevor sie in den Zug steigen über die App eine Reservierung vornehmen.

    Generell funktioniert es bisher recht gut. Jetzt müssen wir sehen wie es denn dann läuft wenn es wirklich viele Reisende nutzen, bisher gab es nur vereinzelte. Da sich das erstmal rum sprechen musste, da nur Reisende die eine Fahrkarte ab 28.08. gekauft haben KCI nutzen konnten und viele kaufen ja schon Ihr Fahrkarte lange vorher.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Franzi,

      vielen Dank für dein offenes Feedback aus erster Hand.
      Aktuell ist es leider noch so mit den Monatskarten und BahnCard 100 Inhabern. Aber gut zu wissen, dass es bekannt ist und sich daran vielleicht bald etwas ändern.

      Sehr gut auch zu hören, dass der Komfort Check-in bereits gut funktioniert. Ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt.

      Beste Grüße
      Tim

    • Dagmar sagt:

      Hallo Franzi,
      Schön, dass das Thema BC 100 so präsent ist. Allerdings find ich die Aussage, BC 100 Kunden müssten dann eine Resevierung vornehmen gelinde gesagt irritierend. Dass sie das faktisch müssten, um am Self Check In teilzunehmen, ist mir schon klar. Aber es kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, dass der BC 100 Kunde, um dem Zugbegleiter Arbeit abzunehmen zusätzlich zu seinen 4200 Euro pro Jahr dann noch pro Fahrt 4,50 drauflegen soll. Warum sollte er das bitte tun? Und wie erfährt der Zub solche Kurzfristreservierungen? Es gibt ja nicht mal für den Zug eine Realtime Anzeige. Und wie ist das wenn der Kunde mal für eine Stunde seinen reservierten Platz verlässt, das Bordrestaurant will ja auch besucht werden? Die Reservierung wird ja derzeit nach einer Viertelstunde nach Abfahrt nicht mehr angezeigt, an der nächsten Station setzt sich ein Fahrgast genau auf diesen Platz? Derzeit ist ja die Reservierung dann verloren.
      Es tun sich da sehr viele Fragen auf. Persönlich denke ich, ohne eine inkludierte Reservierung, wie sie bereits in der ersten Klasse besteht und eine Realtime Übertragung der aktuellen Reservierungssituation ist das ganze nicht vernünftig realisierbar. Wie man dann mit dem Einchecken auf den Comfort Plätzen umgeht, muss man dann eh nochmal überdenken. Oder das fällt dann schon in eine Zeit in der das BC 100 Konzept sowieso überholt ist.

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