1. September 2016

Herausforderung Personalgewinnung – Gemeinsam den Generationenwechsel im Bahnbetrieb meistern!

Herausforderung Personalgewinnung – Gemeinsam den Generationenwechsel im Bahnbetrieb meistern!

Der größte Generationenwechsel in der Geschichte der Deutschen Bahn steht an. Sich darauf vorzubereiten, diesem zu stellen und weiterhin als attraktiver Arbeitgeber auf dem Markt aufzutreten, ist mehr als nur eine Herausforderung. Es ist ein Kampf, wo jeder kleine Fehler umgehend bestraft wird.

Die Generationen, die in den nächsten Jahren die Schule verlassen, haben klare Vorstellungen was sie wollen. Vor allem wollen sie wertgeschätzt, gefordert und gefördert werden, aber eben auch mehr als nur eine gute Ausbildung bzw. ein gutes Studium angeboten bekommen.

Anfangen muss man bei dieser Generation am Besten schon im Alter zwischen 13-15 Jahre. Bleibt man dort nach einem Tag der offenen Tür oder Praktikum im Kopf hat man es geschafft. Die jungen Menschen, die sich in diesem Alter schon für ein Unternehmen begeistern und auch damit identifizieren, muss man gewinnen und halten!

Die Deutsche Bahn stark betroffen durch Generationenwechsel

Vor allem bei der Deutschen Bahn wird dieser Generationenwechsel einschlagen, wie nirgendwo anders.

Durch eine etwas vernachlässigte Personalpolitik zu Beginn der 2000er, rennt man nach dem Desaster in Mainz etwas hinterher und wirbt seitdem Jahr für Jahr kräftig um neues Personal!

Das Ziel ist es 2020 bester Arbeitgeber in Deutschland zu sein. Ein weiter und durchaus steiniger Weg. Doch es ist noch zu schaffen.

Ich beziehe mich hier vor allem auf die Berufe im Bahnbetrieb, wie Lokführer, Fahrdienstleiter und z.B. Gleisbauer. Diese Berufe sind, neben einigen andern, das Fundament der Deutschen Bahn.

Leider musste man das im vergangenen Jahr anhand des Lokführerstreiks schmerzlich spüren. Doch ich bin überzeugt, dass so ein langer Streik in Zukunft nicht mehr passiert.

Fokus auf die Zukunft

Doch lassen wir die Vergangenheit jetzt mal Vergangenheit sein und konzentrieren uns auf die Zukunft. Wo liegt die Herausforderung in der Personalgewinnung?

Man bedenke: Personalgewinnung ist nicht gleich Personalgewinnung. Von heute auf morgen war gestern.

Auch die Deutsche Bahn muss früher anfangen! Die jungen Menschen müssen den Gedanken verlieren, dass die Deutsche Bahn ein Eisenbahnverkehrsunternehmen ist, was nicht pünktlich fährt. Dieses Bild wird leider von älteren Generationen immer wieder weitergegeben.

Flinkster Connect, Berlin, Der bloggende Bahner, Elektroauto, Co2 frei, Deutsche Bahn, Bahnblogger, Blogger

Doch die Deutsche Bahn ist mehr als ein Eisenbahnverkehrsunternehmen. Im Jahr 2016 ist die Deutsche Bahn einer der größten Mobilitätsanbieter Deutschlands. Egal, ob Fern- oder Nahverkehr, Carsharing oder Bikesharing oder “Open Data” Vorreiter.

Die Deutsche Bahn kann mehr als nur Züge fahren. Das muss jedem klar sein und vor allem muss das auch genauso kommuniziert und publiziert werden. Komplett transparent und für jeden einsehbar.

Durch die Digitalisierung werden sich einige Berufe im Bahnbetrieb stark verändern. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass sich bei Unterstützung beider Seiten (Ideengeber und betroffener Beruf) ein positives Gesamtergebnis abzeichnen wird.

Im folgenden werde ich auf einige Berufe eingehen und vor allem erklären, warum der Traumberuf Lokführer noch lange nicht am Ende ist.

Lokführer werden autonom? Denkste!

Als Dr. Rüdiger Grube sich im Juni 2016 gegenüber den Medien über autonome Züge äußerte, hätte er wohl nicht damit gerechnet, was das unter den Lokführern auslösen würde.

Gut, man muss sagen, dass die Aussage „autonome Züge in 2021, 2022, 2023“ ohne genaue Angaben von Strecken und Anzahl der Züge nicht sehr konkret war.

Bevor ein Aufschrei zu diesem Thema entsteht, sollte man dieses Thema differenziert betrachten. Allen von uns ist klar: Es wird autonome Züge geben. Allen von uns ist auch klar: 2023 wird nicht ganz Deutschland mit autonomen Zügen befahren.

Des Weiteren steht auch fest, dass der Beruf Lokführer eine viel zu große Verantwortung mit sich trägt, sodass man diese nicht mal eben auf eine Maschine übertragen könnte, zumal es keinerlei digitale Infrastruktur für solch ein autonomes System gibt. Auch bis 2023 nicht.

Generationenwechsel, Traumberuf Lokführer, Lokführer, Traumberuf, Deutsche Bahn, Weselsky, Deutschland, Bahn-Betrieb, Reisen, Rüdiger Grube

Deshalb liebe Schüler/-innen und angehende Azubis: Euer Traumberuf stirbt nicht aus. Nicht heute, nicht 2023 und auch nicht 2035. Der Bahnbetrieb braucht euch, wie das Baby die Mutter braucht. Vor allem in diesem Beruf gibt es viel Potenzial bei der jungen Generation.

Ich habe in meiner Community sehr viele junge Menschen, die später gerne Lokführer werden wollen. Genau die müssen abgeholt und mit Infos versorgt werden (Beispiel: Einladen zum Tag der offenen Tür um Impressionen zu verankern).

Langfristig gilt es, wie bereits in der Einleitung erwähnt, ein gutes Verhältnis mit dieser Generation aufzubauen. Wie sagt man so schön: “Diese hegen und pflegen”. Akzeptanz und Toleranz spielt dabei eine sehr große Rolle.

Mehr Fahrdienstleiter statt Mainz 2.0

Doch nicht nur im Beruf Lokführer bahnt sich einiges an Veränderung an, sondern auch im Beruf Fahrdienstleiter. Ich war selber Fahrdienstleiter für einen sehr großen Bahnhof in Norddeutschland. Mir fallen immer wieder drei Stichworte ein, wenn es um den Beruf Fahrdienstleiter geht: Verantwortung, Belastung, Präzession.

Zu jeder Tageszeit muss man als Fahrdienstleiter, wie auch beim Lokführer, 100% geben. Auf Abruf die Lösung parat haben und dabei noch sicher handeln. Es ist aber auch die Abwechslung und die Herausforderung in einem so jungen Alter eine große Verantwortung auf den Schultern zu haben. Die einen können damit umgehen, die anderen nicht.

Generationenwechsel, ESTW, Elektronisches Stellwerk, Reisen, Deutsche Bahn, Bahn, Tim Grams, Der bloggende Bahner, Blogger, Bahn

Auch in diesem Beruf ist es wichtig, den Menschen davon zu erzählen und einen tiefen Einblick zu gewähren. Sehr selten ist der Beruf Fahrdienstleiter bei den Menschen bekannt und kann direkt eingeordnet werden.

Ich bin davon überzeugt, wenn der Beruf transparenter und öffentlicher wird, dann werden sich nicht nur die Richtigen dafür interessieren, sondern auch am Ende den Beruf mit Leidenschaft und voller Energie ausüben.

Zugbegleiter durch die Digitalisierung abschaffen?

Die größte Herausforderung im Recruiting wird neben dem Lokführer und Fahrdienstleiter aber vor allem der Beruf Zugbegleiter bzw. Kaufmann/Kauffrau für Verkehrsservice sein. Immer mehr Serviceleistungen werden durch die Digitalisierung ersetzt.

In einigen Punkten bestimmt richtig, aber in der Kommunikation mit dem Reisenden ist die Methode „Mensch zu Mensch“ immer noch die Beste! Auch hier sollte man nicht vergessen, dass dieser Beruf auf keinen Fall wegfallen wird. Er wird sich verändern. Es werden Aufgaben wegfallen und neue dazu kommen. Für viele ältere Kollegen wahrscheinlich nicht einfach, aber eine neue Herausforderung, die man durchaus bewältigen kann.

Ich schätze die Arbeit der Kollegen in den Zügen und Bahnhöfen sehr, da dort der echte Kontakt mit dem Kunden ist. Vertrauen wird bei dem Kunden groß geschrieben und genau für dieses Vertrauen sorgt das Personal in und an den Bahnhöfen und im Zug!

Weil wir gestern verschlafen haben, heißt es heute richtig Gas geben!

Dazu kann ich nur sagen: Herausforderung annehmen, mitbestimmen und gemeinsam eine tolle Veränderung im Konzern schaffen, für Kunden und Mitarbeiter der nächsten Generation!


Dieser Beitrag erschien zuerst in der Fachzeitschrift “Deine Bahn” (Ausgabe August). Bei Interesse kann der Beitrag hier kostenlos heruntergeladen werden! Ebenfalls hat man die Möglichkeit, bei kostenloser Registrierung, auf zahlreiche Ausgaben der Fachzeitschrift zuzugreifen! Hier kostenlos registrieren!

Bild-Quelle

#Herausrorderung#Personalgewinnung#Recruiting
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
6 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.