25. Oktober 2017

So lief meine Evakuierung im IC ab

So lief meine Evakuierung im IC ab

Vor kurzem habe ich zum ersten Mal eine Evakuierung in der Bahn erlebt. Die Erlebnisse der Bahnfahrt habe ich für euch mal zusammengefasst und möchte euch einen Einblick geben, was dort hinter den Kulissen passiert. 

Es war mein erster Arbeitstag nach dem Urlaub und ich merkte schnell, dass es ein besonderer Tag werden sollte. Das erste mal seit langen durfte ich morgens mit dem IC statt ICE nach Frankfurt reisen.

Das wird bis zum Fahrplanwechsel auch so bleiben, da die „Sprinter-Verbindung“ ab September 2017 von einem ICE auf IC heruntergestuft wurde. Man fährt allerdings nur 12 Minuten länger, was also überhaupt kein Problem ist. Letztendlich ist es mir auch egal, ob ich mit dem IC oder ICE unterwegs bin. Hauptsache ich komme halbwegs pünktlich und sicher und sitzend an.

Stillstand: Technische Störung am Zug

Auf dieser ersten Fahrt im IC seit langem, erlebte ich etwas, was ich bei meinen vielen Bahn-Kilometern tatsächlich noch nie hatte. Aber erstmal der Reihe nach. Wir waren planmäßig unterwegs und haben Göttingen, sowie Kassel, wie geplant hinter uns gelassen.

Die „Sprinter-Verbindung“ hält schließlich nicht in Göttingen und Kassel, sondern fährt Non-Stop ab Hannover bis Frankfurt durch. Kurz vor Fulda blieben wir aber abrupt auf der freien Strecke stehen.

Schnell meldete sich der Zugbegleiter zu Wort und erklärte die Situation. „Auf Grund von einer technischen Störung an unserem Zug sind wir zum Halten gekommen. Wir schauen uns das Problem an und melden uns sobald wir etwas Neues für Sie haben“.

25 Minuten später meldete sich der Zugbegleiter erneut zu Wort und gab bekannt, dass die Fahrt mit diesem Zug nicht fortgesetzt werden kann und wir evakuiert werden müssen. Es wird gerade alles vorbereitet und sobald neue Informationen vorliegen kommen wir wieder auf Sie zu, so der Zugbegleiter im Namen der Crew.

IC fährt auf Gleis 9 in Hannover Hauptbahnhof ein

Evakuierung: Es wird spannend

Auf der einen Seite total ärgerlich, aber für mich ein neues Erlebnis und somit hochspannend. Aus meinem ehemaligen Beruf des Fahrdienstleiters wusste ich noch was alles jetzt gemacht werden muss. In Zusammenarbeit mit der Betriebszentrale wird vereinbart, wo ein neuer Zug herkommen kann oder ob man vielleicht auch einen Zug nehmen kann der vielleicht auf derselben Strecke unterwegs ist.

Die erste Variante wurde bei uns gewählt und schnell bekam ich und jeder Reisende die Info, dass innerhalb der nächsten 30 Minuten ein Zug neben uns halten werde in den wir dann übergehen. Weitere Informationen zur Evakuierung folgen in Kürze, so das Zugbegleitpersonal.

Vorbildliche Kundenkommunikation

Bevor ich zum Vorgang der Evakuierung komme, möchte ich die Kommunikation der Mitarbeiter hervorheben. Eine solche besondere Situation haben alle beteiligten zu jeder Zeit im Griff gehabt. Man hat sich informiert gefühlt und machte sich eigentlich von Info zu Info weniger Gedanken, ob es irgendwann nochmal weitergehen wird.

Vorbildlich ging es weiter und man erklärte wie die Evakuierung abläuft. Sobald der neue Zug neben uns gehalten hat, wird an zwei Türen in der Mitte und an der Spitze des Zuges eine Hilfsbrücke installiert. Dort stehen Mitarbeiter bereit und helfen mit Gepäck, sowie beim Übergang in den neuen Zug. Nach etwa 40 Minuten war der neue Zug auch schon da.

Da in unserem Zug ungefähr 250 Fahrgäste waren und aus Sicherheitsgründen nur zwei Türen genutzt werden konnten, dauerte der Evakuierungsprozess ebenfalls nochmal 30 Minuten. Die Mitarbeiter standen mit helfender Hand bei Seite. Die Reisenden bedanken sich zahlreich und waren mit dem Prozess zufrieden.

Ich habe auch kurz mit zwei Zugbegleitern gesprochen, die vor kurzen noch zu diesem Thema geschult worden sind und somit ihr Wissen direkt abrufen konnten. Schließlich setzen wir unsere Fahrt mit ca. 100 Minuten Verspätung fort und mussten auf Grund der Fahrplananbweichung des öfteren auf dem Weg nach Frankfurt noch öfter anhalten und kamen schließlich mit 140 Minuten Verspätung in Frankfurt an.

„Die Technik kann versagen“

Viele Fahrgäste konnten bereits wichtige Telefonate im Zug durchführen und waren am Ende sehr glücklich heile und sicher angekommen zu sein. Ein Kunde, der neben mir saß, gab mir als Feedback: „So einen Kundenservice in einer derartig außergewöhnlichen Situation ist vorbildlich und bringt automatisch ein Sicherheitsgefühl mit. Technik kann versagen, dass ist bei Fahrzeugen normal. Nur morgen muss ich das nicht wieder haben“.

Dieser Aussage kann ich mich nur anschließen. Es war am Ende eine neue und spannende Erfahrung, die ich nicht jeden Tag haben muss, aber toll zu erleben war. Vor allem der Kundenservice und die Kundenkommunikation in diesem Vorfall waren mehr als vorbildlich.

Habt ihr eine Evakuierung im Zug schonmal erlebt? Ich freue mich auf euer Feedback in den Kommentaren.


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#Bahn#Evakuierung
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
18 Kommentare
  • Fabi sagt:

    Eine Evakuierung habe ich noch nie erlebt aber einen Baum im Gleis. Der erixx-Triebwagen kam kurz vor Soltau zum Halten und der Zugführer informierte uns, dass er vor einem Baum stehe und auf weitere Infos warte. Nach ca 10 min meldete er sich wieder, um zu sagen, dass er sich es draußen ansehe. Nach ca. 45 Minuten ging es dann auf Befehl nach Visselhövede zurück, wo dann Taxis nach Uelzen nach ca 10 min kamen. Hier habe ich mich mit den wenigen, aber präzisen Ansagen gut informiert gefühlt.

  • Meine Frau wurde vor sicher bereits neun Jahren aus dem Regionalzug evakuiert nach Streckensperrung wegen Bahnsuizid. Lief alles gut, aber trotz einfachem Ausstieg in einen gepflegten Rasen am Rande eines Wohngebietes mußte auf die Feuerwehr gewartet werden. Egal, wie fit oder gebrechlich man ist, gleiches Recht für alle 🙂

  • Henning Frey sagt:

    Sehr cool geschrieben! Weiter so…

  • Annette Riegel sagt:

    Hallo, ich habe gerade vor ein paar Tagen (3.11.) eine Evakuierung erlebt und war auch sehr beeindruckt von der Professionalität, mit der diese schwierige Situation absolviert wurde. Es war im RE auf der Fahrt von Greifswald nach Berlin, als der Zug ebenfalls abrupt stehenblieb und der Zugführer uns meldete, er hätte gerade „die Oberleitung gekappt“. Obwohl wir wirklich mitten in der Pampa waren, kam sehr schnell das DB- Sicherheitsteam, Polizei und ein Hubschrauber. Etwa nach 50 Minuten nahm uns der IC auf. AlsdieEvakuierung erfolgreich abgeschlossen war, bedankte sich der Zugfü´hrer des RE bei allen Beteiligten.Da er uns so gut informiert hatte, kam zukeiner Zeit Panik oder Unruhe unter den Reisenden auf. Ich fand es absolut vorbildlich, wie das Team diesen Notfall gemanagt hat undfühlte mich stets sicher. Vielen Dank!! Annette

  • Gouv sagt:

    OT: der 776 ist leider auch kein ICE mehr, d.h., wer mit WLAN besser arbeiten kann, als ohne, hat eine gute Verbindung nach Norden verloren 🙁

  • so etwas ähnliches hatte ich mit einen alten IC am 3.Nov, wollte von Leipzig nach Berlin zu einen Konzert. (Der IC hatte das Endziel Rostock) Auf einmal hielt der Zug In „Bergwitz“. Schaden am Treibfahrzeug hieß es, nach ca 30min kam ein ICE vorbei, wir wurden in diesen evakuiert, allerdings war am ICE nur EINE Tür offen und wir mussten alle auf den Gang stehen. Als der IC dann doch wieder fahren konnte, musste alle die nach Rostock wollten wieder in den IC zurück, danach ging es endlich weiter. Am ende waren es 50min Verspätung. Das ganze hatte ein gutes: Ich habe dabei einen Musiker kennengelernt der für meine Lieblingsband ein Remix erstellt hatte. Zum Glück kam ich noch rechtzeitig zum Konzert der selbigen Band.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Marcel, Danke für deine Einschätzungen und das Teilen deine Erfahrungen. Sehr toll, was du trotz der Umstände erlebt hast.

      Beste Grüße
      Tim

  • Sehr interessanter Bericht! Es zeigt, dass die Deutsche Bahn das Krisenmanagement sehr gut drauf hat. Man kann sich auf die Bahn und ihre Mitarbeiter verlassen.
    Liebe Grüße
    Niki Schmölz

    • Tim Grams sagt:

      Hi Niki, vielen Dank für dein Feedback. Auch wenn mein Beispiel/meine Erfahrung nicht für alles spricht, stimme ich dir zu, dass wenn alles klappt, es wirklich sehr gut ist.

      Beste Grüße
      Tim

  • Mikal Ruhland sagt:

    Bei uns in Mörfelden Stand mal ein IC mik defektem Steuerwagen. Also hieß es Lok von hinten nach vorne holen. Währenddessen waren die Türen geöffnet und ich weiss jetzt warum es bei uns eine zugewucherte Bahnsteigverlängerung gibt. Dazu gibt es auch ein Video auf meinem YT Kanal.
    Titel:
    Steuerwagen DEFEKT! IC muss Lok umsetzen.

  • Ralf Ziebell sagt:

    Evakuierung schön und gut! Aber was ist, wenn Rollis an Bord sind ? Habe einen Freund der von Geburt an im Rolli sitzt.

    • Tim Grams sagt:

      Hallo Ralf, alle Mitarbeiter sind auf so eine Situation ausgebildet. Im Regelfall ist es möglich auch Evakuierungen mit Mobilitätseingeschränkten Personen durchzuführen.

      Beste Grüße
      Tim

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