21. August 2016

Einsteigen, bitte! – Buch Rezension

Einsteigen, bitte! – Buch Rezension

Ich lese mittlerweile wirklich einige Bücher. Die Meisten haben allerdings wenig mit der Eisenbahn zu tun. In der neusten Lektüre, die ich gelesen habe, sieht das etwas anders aus. Das Buch „Einsteigen, bitte!“ mit Bahnhofsgeschichten und tollen Bildern von bekannten Autoren, wie zum Beispiel Harald Martenstein, John von Düffel und Dr. Philipp Springer, hat mich gepackt. Sogar so, dass ich es euch gerne vorstellen würde.

Bevor ich euch die einzelnen Geschichten etwas anteasern werde, ein kleiner Überblick, was euch erwartet. Auf dem Cover steht neben dem Buch-Titel noch eine sehr passende Beschreibung des Buches: Eine literarisch-fotografische Entdeckungsreise.

Dieser kleine Vorgeschmack passt exakt zum Buch und hat mich immer wieder sehr begeistert. Die Fotos, die detailreichen Texte und die Gefühle, die in dem Buch präsentiert werden, waren sehr passend ausgewählt. Nun aber zu den einzelnen Geschichten.

Einsteigen, bitte! Los geht’s!

Das Bahnhofskind

Das Vorwort, geschrieben von Harald Martenstein, liefert einen guten Einstieg in das Buch und bringt mit dem Vergleich zum Flughafen auch gleich etwas mit, was bis heute Bestand hat. Sein letzter Satz im Vorwort lautet: “Es wird nie Flughafenkinder geben!“. Er hat recht, Bahnhofskinder wird es dafür umso mehr geben.

Bahnhöfe sind das Zentrum vieler Städte, wo die Flughäfen genau gegenteilig platziert sind. Er beschreibt seine Geschichte als Bahnhofskind und berichtet von Dampflokomotiven, die wie wilde Tiere agieren. Ingesamt ein gelungener Einstieg.

Umsteigen in die Nostalgie

Die erste richtige Geschichte mit dem Namen “Die wildwestfälische Pause” kommt von Jan Wiele. Wenn man nur nach dem Buch geht, ist er der Profi-Umsteiger in Altenbeken. Altenbeken liegt in der Nähe von Paderborn und ist heute auch noch Umstiegsbahnhof für sehr viele Bahn-Kunden. Es geht in alle Himmelsrichtungen. Hannover, Paderborn, München, Osnabrück usw..

Jeder der mehr als einmal in Altenbeken gestrandet ist, bereitet sich gedanklich schon auf die Pause vor. Dieser Bahnhof hat sogar noch ein Bahnhofslokal, was gleichzeitig auch Reisezentrum der Bahn ist. Der Wirt, so sagt Miele, ist sowohl Gastgeber, als auch Bahn-Ratgeber. Alles gleichzeitig! Da ich selber schon öfter in Altenbeken war, hat mich die detaillierte Geschichte von Jan Miele sehr angesprochen.

Aber auch für jemanden, der bisher nicht da war, absolut lesenswert.

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Mut zum Bahn fahren

Die Geschichte “Ruth auf Reisen” handelt von Ruth Riedermann. Eine sehr langwierige, teils undurchsichtige Geschichte. Ich musste sie zweimal lesen, bevor ich den Faden gefunden hatte. Allerdings war mir am Ende nicht ganz klar, was die Autorin Katja Kullmann eigentlich sagen wollte. Die gute Ruth bekommt einen Reisegutschein zum Geburtstag und ist sehr unschlüssig, ob sie nun verreisen soll. Die Geschichte ist sehr detailreich und beschreibt das Bahnhofsgeschehen sehr gut. Mehr aber auch nicht.

“Türen schließen selbsttätig”

Es ist die dritte Geschichte mit dem Titel “Die Bahnhofsansagerin”, die das erste Mal richtig unter die Haut geht. Jeder Bahnreisende wird die Ansagen in einem Bahnhof kennen. Teilweise vollkommen automatisch, oft aber immer noch live und echt. So auch in dieser Geschichte. John von Düffel schreibt über den Traumberuf Bahnhofsansager und eine Stimme, die sowohl erregt als auch das Chaos im Blick hat. Absolute Leseempfehlung.

Kindheit am Frankfurter Hauptbahnhof

Die Liebe vom Bahnhof steht hier ganz klar im Mittelpunkt. Oskar Mahler schreibt in seiner Geschichte “Der Frankfurter Hauptbahnhof und das Glück” über das Erwachsenwerden am Frankfurter Hauptbahnhof. Einen Satz aus der Geschichte, den ich wohl so schnell nicht vergessen werde, habe ich für euch: “Ein Bahnhof lässt einen mit seinen Gedanken auf Reisen gehen.”

Ein Mausoleum für Wolfsburg

Die VW-Stadt oder besser der Bahnhof der VW-Stadt Wolfsburg soll etwas Kunst abbekommen. Künstler Maximilian Thiel teilt in seiner Kurzgeschichte “Graben” detailreich und fasziniert die Entstehung der Kunststation am Wolfsburger Hauptbahnhof mit. Gefühle und die nähe zu den Menschen spielen in der Geschichte eine sehr große Rolle. Die erste Geschichte, die die Menschen am Bahnhof und ihr Verhalten mal etwas genauer beschreibt.

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Der getrennte Bahnhof

Was wäre so ein Buch ohne Rückblick auf die Trennung Deutschlands. Ein Bahnhof stand dabei explizit im Mittelpunkt. Der Bahnhof Friedrichstraße. Dieser Bahnhof wurde mittendrin getrennt und war dadurch Dreh- und Angelpunkt für die Menschen, die von West- nach Ost-Deutschland und umgekehrt Reisen wollten. Eine super Kurzgeschichte mit dem Namen “Bahnhof der Tränen” von Dr. Philipp Springer, die mir auch einiges neu aufgezeigt hat.

Stuttgart, oder?

Die Geschichte “Eine Fahrtkarte für das Denken” war in meinen Augen die langweiligste bzw. unbedeutendste. Auch nach mehrmaligen Lesen hat sie kein wirkliches Interesse geweckt. Viel zu viel Kunst und viel zu wenig Bahnhof. Meiner Meinung nach passt dieser Teil von Renate Wiehager einfach nicht in das Gesamtbild des Buches.

Der Tempelbahnhof

Die vorletzte Geschichte handelt vom grandiosen Bahnhof in Mumbai. Bist du in kürze auf dem Weg nach Indien? Dann lies auf jeden Fall mal rein! Andreas Altmann gibt interessante und bedenkliche Einblicke, unteranderem ein Terroranschlag aus 2008, bei dem 58 Menschen ums Leben gekommen sind.

Abschied

Die letzte Geschichte von Jürgen Drommert geht intensiv auf Lokomotiven ein. Welche Geschichte würde eine Lokomotive erzählen, die ihre letzte Fahrt macht? Was hat diese erlebt? Er nimmt Abschied von diesen Loks und fügt sich mit dieser Geschichte super in das Buch ein.

Alles in allem hat mich das Buch „Einsteigen, bitte!“ überrascht. Ich habe ein Buch erwartet, was mit altem Schreibstil und langweiligen Geschichte daherkommt. Genau das Gegenteil ist eingetreten. Teilweise sehr spannende und gefühlvolle Kurzgeschichten, die einen mitgerissen haben und in die jeweiligen Situationen mitgenommen haben. Damit gibt es von mir für euch eine klare Leseempfehlung.

Hast du auch das Buch schon gelesen? Dann würde ich mich über einen Austausch in den Kommentaren sehr freuen!

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Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
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