15. November 2017

Autonomes Fahren auf der Straße bei der Bahn – gut so!

Autonomes Fahren auf der Straße bei der Bahn – gut so!

Seit einigen Wochen gibt es in Deutschland das erste autonome Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr. Das Angebot kommt nicht von Mercedes, VW, Audi oder Tesla, sondern von der Deutschen Bahn. Ich erkläre euch, warum das ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Deutschen Bahn ist und wieso es richtig ist, neben dem Kerngeschäft Schiene auch auf die Straße zu schauen und dort aktiv zu werden.

Bad Birnbach hatte vor drei Wochen hohen Besuch. Als Bahnchef Lutz und zahlreiche Medienvertreter in dem kleinen Dorf östlich von München aufgelaufen sind, war es wohl eher ein Jahresevent als eine Alltagsveranstaltung. Das war es nicht nur für Bad Birnbach, sondern für die gesamte Mobilitätsbranche.

Genau in diesem Ort, Bad Birnbach, hat die Deutsche Bahn vor drei Wochen ihr erstes und auch das erste autonome Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr präsentiert. Mit der Marke IOKI (I = Input, O = Output, KI = Künstliche Intelligenz) startet die Deutsche Bahn in ein neues Zeitalter.

Das autonome Fahren auf der Straße wurde in den letzten Jahren immer relevanter und damit auch breit diskutiert. Mehr Automobilkonzerne bringen Assistenzsysteme in die Fahrzeuge, die dem Fahrer von Generation zu Generation viele Dinge abnehmen oder ihn bei der Fahrt unterstützen. Umso spannender ist es, dass ausgerechnet die Deutsche Bahn neben dem Kerngeschäft Schiene nun in dieses Geschäft einsteigt.

Per Knopfdruck 600 Meter mit 15 km/h

In Bad Birnbach kommt eine Art Sammeltaxi zum Einsatz, was die Fahrgäste aus dem Ort zum Bahnhof fährt und natürlich auch wieder nach Hause. Das ganze funktioniert auf Knopfdruck per App und zwar fast den gesamten Tag. Die Strecke, die der autonome Kleinbus zurücklegen wird, ist mit 600 Metern überschaubar.

Zur Sicherheit ist weiterhin zwar ein Fahrer an Board, der aber nur in Störungsfällen eingreifen wird. Auch die Geschwindigkeit ist nicht die höchste. Der Kleinbus kann zwar bis zu 40 km/h fahren, aus Sicherheitsgründen wird die Strecke aber zuerst nur mit 15 km/h zurückgelegt. Immerhin. Nach Bad Birnbach in Niederbayern, soll in den kommenden Monaten auch ein autonomes Angebot auf der Straße in Hamburg folgen.

Autonomes Fahren auf der Straße. Der DB Shuttle in Berlin

Bitte erstmal Kerngeschäft

Bereits seitdem das erste Mal bekannt wurde, dass die Deutsche Bahn sich mit dem Thema autonomes Fahren auf der Straße beschäftigt, melden sich immer wieder Kritiker zu Wort.

„Die Bahn verliert mit dem Verkehr auf der Straße den Blick auf das Kerngeschäft.“

„Erstmal pünktlich auf der Schiene, bevor man sich mit der Zukunft beschäftigt.“

Das sind nur zwei der vielen Kommentare im Netz. Auch ich habe mich seit Bekanntgabe der Deutschen Bahn intensiv mit dem Thema beschäftigt und auch schon im Bahnfunk-Podcast mit meinem Kumpel Lukas über das Thema intensiv diskutiert. Es gibt meinerseits eine ganz klare Meinung zu dem Thema autonomes Fahren auf der Schiene:

Es ist genau der richtige Schritt, dass die Deutsche Bahn auch auf der Straße in die Zukunft einsteigt. Denn bis zum Bahnhof hat man den Kunden bereits an Bord. Warum soll man ihn das abgeben und einem anderen Unternehmen bis zum Ziel übergeben? Besser übergibt man ihn an ein eigenes Angebot auf der Straße. Die Reisekette von Haustür zu Haustür ist das Reisen und die Mobilität der Zukunft.

Warum ist das richtig?

Die Mobilität wird sich in Zukunft schneller verändern als wir uns das vorstellen können. Es ist nicht nur das autonome Fahren auf der Straße. Es geht auch darum sich auf der Straße zu etablieren und dort aktiv zu sein, wo der Kunde aktiv ist. Und das mit Angeboten und Features, die dem Endkunden einen wirklichen Mehrwert bieten.

Viele Reisen enden für den Reisenden nicht am Bahnhof, sondern oft an einer Haustür oder an einem Unternehmenseigang, wenn man zum Beispiel auf Dienstreise unterwegs ist. Mit Call a Bike und Flinkster bietet man bei der Bahn bereits ein Sharing-Angebot an. Zukunftsfähig sind die Angebote aber nicht mehr wirklich. Call a Bike lohnt sich in Großstädten. Flinkster im Einzelfall auch.

Dennoch bleiben die Fahrzeuge und Fahrräder ungenutzt, wenn man am Ziel angekommen ist, man muss sich wieder um die Rückgabe kümmern und ist zeitlich oft gebunden. Mit dem autonomen Fahren wird sich das ändern.

Fahrgastwechsel beim autonomen Fahrzeug der Deutschen Bahn in Bad Birnbach

Autonomes Fahren bringt die Vorteile der Schiene auf die Straße

Der Kunde kann auf Abruf den Service bestellen und sobald er am Ziel angekommen ist, wird das Auto wieder frei und kann erneut gebucht und verwendet werden. Man muss sich auch nicht mehr um die Rückgabe der Fahrzeuge kümmern, sondern muss diese nur bestellen.

Alles auf Abruf und auch nur dann, wenn es wirklich nötig ist. Der aus meiner Sicht wichtigste Faktor ist die Zeit, die man im autonomen Fahrzeug nutzen kann. Im Zug kennen wir das bereits und die Deutsche Bahn betont es in ihren Werbekampagnen auch immer wieder.

Es ist deine Zeit, die du produktiv und nach deinen Vorstellungen nutzen kannst. Du musst dich nicht mehr ums fahren kümmern, sondern kannst entspannt weiter arbeiten oder weiter entspannen.

Der Endkunde muss somit nur vom Bahnsteig zur nächsten Abholstation oder Haltestelle in Bahnhöfsnähe laufen und kann bequem seine Reise fortsetzen und dann am Ende nahezu nahtlos von Haustür zu Haustür reisen.

Ich freue mich über diese Entwicklung und bin davon überzeugt, dass die Deutsche Bahn damit einen wichtigen Schritt für die Zukunft bereits getan hat. Still stehen sollte man jetzt aber nicht. Weiter machen ist die Devise und den Vorsprung ausnutzen.

Wie ist eure Meinung zu diesem Thema? Freue mich auf euer Feedback in den Kommentaren.


Mehr zum autonomen Fahren auf der Straße im Bahnfunk-Podcast

Bahnfunk-Podcast, Bahn-Podcast, BahnfunkIm Bahnfunk-Podcast haben wir bereits vor einiger Zeit zum Komfort Check-in eine Episode veröffentlicht. Dort haben Lukas und ich das neue Feature analysiert und kommentiert. Zur Bahnfunk-Episode zum Thema „Autonomes Fahren auf der Straße“.

 


#Autonomes Fahren#Bad Birnbach#Deutsche Bahn
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!

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