22. September 2016

Eine Ausbildung, die mein Leben verändert hat!

Eine Ausbildung, die mein Leben verändert hat!

Jedes Jahr stehen viele tausende Schüler vor dieser einen Frage: „Was mache ich nach der Schule?“ Mir ging es 2012 nicht anders. Warum damals eine Ausbildung zum Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn das Beste war, was mir passieren konnte und wie diese Ausbildung mein Leben verändert hat, erzähle ich dir jetzt.

Für mich war die Deutsche Bahn im Jahr 2012 und auch in den Jahren davor ein Unternehmen, was Züge von A nach B bewegt. Unbewusst wurde einem die Meinung aufgedrängt, dass die Deutsche Bahn ja immer zu spät sei.

Auch ich habe bis zu diesem Zeit einige negative Erfahrungen gesammelt. Wir reden hier von fünf bis zehn Minuten Verspätung. Heute lache ich darüber. Aber es zeigt, dass viele einfach nicht wissen, was eigentlich hinter dem Bahnbetrieb steckt. Mehr dazu am Ende des Beitrags.

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Bewerben, bewerben…!

Ich war also Anfang des Jahres 2012 auf der Suche nach einer Ausbildung. Jede Woche habe ich mehrere Bewerbungen geschrieben und abgeschickt. Ziel war der kaufmännische Bereich, ohne eigentlich viel darüber zu wissen. Ich wollte mit einer Ausbildung eine Grundlage schaffen und diese dann nach und nach weiter ausbauen.

Eines Tages erzählte mir ein Bekannter von dem Beruf Fahrdienstleiter und gab mir ein paar Infos mit. Nachdem ich mich im Internet informiert hatte, konnte ich mir immer noch nicht viel darunter vorstellen.

Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht, dass es diesen Beruf überhaupt gibt. Dennoch klang der Beruf sehr interessant, sodass ich mich im Februar 2012 für eine Ausbildung zum „Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg (offizielle Berufsbezeichnung des Fahrdienstleiters)“ beworben habe.

Die Deutsche Bahn kann Tempo!

Schneller als jeder andere Arbeitgeber meldete sich die Deutsche Bahn zurück. Wenige Tage später hatte ich bereits mein Vorstellungsgespräch. Nachdem dieses erfolgreich verlaufen ist, hatte ich ebenfalls eine Woche darauf den Einstellungstest mit Konzentrations- und Belastungstests.

Aktuell gibt es, bevor diese beiden Schritte passieren, noch einen Online-Test. Diesen gab es bei mir nicht, sodass ich dazu auch keine Aussage treffen kann.

Insgesamt nach knapp drei Wochen hatte ich meine Zusage auf dem Tisch liegen und habe meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Rasant schnell. Von vielen Unternehmen bei denen ich mich beworben habe, hatte ich bis dato nicht mal ein Lebenszeichen gehört.

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Die Ausbildung zum Fahrdienstleiter

Ich startete am 01.09.2012 eine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg ohne jegliche tiefgreifende Kenntnisse über die Deutsche Bahn, den Bahnbetrieb und schon gar nicht den Beruf Fahrdienstleiter.

Wer meint, dass sowas eine Grundvoraussetzung ist, hat sich definitiv getäuscht. Natürlich ist es super, wenn man schon vorab einiges an Abläufen kennt, notwendig ist es aber nicht.

Bevor ich auf die Ausbildung zum Fahrdienstleiter eingehe, möchte ich betonen, dass bei jedem Beruf nur zwei Dinge zählen: Der Wille des Auszubildenden und das Interesse am Beruf. Mehr braucht es nicht!

Eine Ausbildung bei der Bahn beginnt immer im großen Rahmen. Es findet in vielen Großstädten am ersten Ausbildungstag eine Veranstaltung statt, wo die neuen Kollegen zusammenkommen und begrüßt werden.

Es wird viel zum Konzern erzählt und die aktuelle Strategie mit auf den Weg gegeben. Aus meiner Sicht eine super Sache, die auch gleich aufzeigt, wie groß die Deutsche Bahn ist.

Weiter geht es in den folgenden Tagen dann mit einem Einführungsseminar, wo es tiefer in die Materie Bahn geht. Der Beruf bleibt weiterhin außen vor. Es geht vorrangig um den Konzern.

Wie ist er aufgestellt? Wer ist eigentlich mein Chef und wer ist mein Ansprechpartner, wenn ich zum Beispiel mal krank sein sollte? Wichtige Fragen, die viele Auszubildende am Start ihrer Ausbildung beschäftigen, werden damit gleich zu Beginn beantwortet und man fühlt sich sicherer.

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Über 100 Jahre alte Technik

Nach dem Seminar steigt man dann in die Ausbildung zum Fahrdienstleiter ein. Was bis heute Bestand hat und aus meiner Sicht elementar wichtig ist für die Ausbildung, ist der Start bei der ältesten Stellwerkstechnik. Die mechanischen Stellwerke.

Unglaublich aber wahr: Immer noch mehr als 25% aller Stellwerke in Deutschland (Stand 2015) sind mit der über 100 Jahre alten Technik ausgestattet und tragen Tag für Tag zum Bahnbetrieb bei.

Dieses Seminar ist die Grundlage und aus meiner Sicht auch zu Beginn gleich das wichtigste Seminar. Alles was danach kommt baut auf diese Technik auf. Noch heute kann ich ein mechanisches Stellwerk bedienen, da es damals einfach in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Zu erwähnen ist noch, dass jedes Seminar, was mit Stellwerkstechniken zu tun hat, einen Theorie- und Praxisteil hat. Bei mir in der Ausbildung gab es sowohl Praxiszeiten an sogenannten Betriebsfeldern, wo eine Strecke mit Modeleisenbahnen nachgebaut worden ist und mit der echten Technik bedient werden kann, als auch Praxiszeiten auf Stellwerken, wo wirklich Züge fahren.

Durch diese Abwechslung kommst du nicht nur in Kontakt mit erfahrenen Kollegen, sondern kannst auch Dinge, die du in der Theorie vielleicht noch nicht so verstanden hast, in der Praxis nachvollziehen.

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Die Drucktasten

Die nächsten Seminare bauen, wie bereits gesagt, unmittelbar auf das Seminar „Mechanische Stellwerke“ auf. Zuerst behandelt man nach dem Regelbetrieb den Störungsbetrieb und geht dann weiter zu den Drucktastenstellwerken.

Dort durchläuft man ebenfalls wieder eine Theorie und Praxisphase und natürlich den Störungsbetrieb. Die Stellwerkstechnik ist etwas umfangreicher und hat damit auch einen längeren Praxisteil in der Ausbildung.

Viel Computer

Das letzte Stellwerksseminar handelt von Elektronischen Stellwerken. In Zukunft wird es immer mehr von dieser Stellwerkstechnik geben und die Ausbildung läuft in der Regel auf die soggenanten ESTWs (Abkürzung für elektronisches Stellwerk) hinaus.

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Das ESTW-Seminar hat den längsten Theorie- und Praxisteil, da es in diesem Fall zu einem Software-Stellwerk am Computer übergeht. Alle Stellwerksarten zuvor waren physisch. Besonders gut hat mir die Aufteilung der Theoriewochen gefallen. Hier wechseln sich die Theorie und Praxiswochen immer wieder ab, sodass man das erlernte in der kommenden Woche direkt im echten Stellwerk nachvollziehen kann.

Das Theorieseminar findet parallel an einem Simulator statt, wo bestimmte Abläufe eingestellt werden können und somit gut herübergebracht werden.

Nochmal als Erinnerung: Das elektronische Stellwerk ist letztendlich ein mechanisches Stellwerk. Wenn du diese Technik verinnerlicht hast, fällt dir sowohl das Arbeiten an Drucktastenstellwerken, aber auch an elektronisches Stellwerken leichter. Die wichtigen, tiefgreifenden Informationen und Schulungen bekommst du dann im ESTW-Seminar.

Teambuilding und viel Action

Doch es gab nicht nur Seminar zu Stellwerkstechniken in der Ausbildung zum Fahrdienstleiter. Neben dem Trassenmanagement, gab es auch zwei weitere Seminar, die ich mal genauer hervorheben möchte.

Starten möchte ich mit dem SMK-Seminar in Regensburg. SMK bedeutet Soziale Methoden Kompetenz. Neudeutsch würde man Teambuilding sagen.

Die gesamte Ausbildungsgruppe kommt eine Woche zusammen und führt verschiedene Übungen und Aufgaben im Team durch. Was für den ein oder anderen etwas kindlich bzw. nicht zeitgemäß erscheint, wird überrascht werden. Mit Hilfe von zwei Trainern und Experten auf dem Gebiet Teambildung werden Tag für Tag mehrere Aktionen durchgeführt.

Ich war sehr begeistert von diesem Seminar und man hat gemerkt, wie eng es die gesamte Gruppe zusammengeschweißt hat und im Anschluss das Arbeiten in Gruppen erleichtert hat.

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Das zweite Seminar, was ich hervorheben möchte ist „Projektmanagement“. Was sich so hochtrabend anhört, ist am Ende auch für den Beruf des Fahrdienstleiters wichtig und von Bedeutung. In diesem Seminar bekommt man Anregungen von seiner Führungskraft zugeteilt und kann sich frei ausleben.

Jeder kann seine Idee zu dem Thema einbringen und man arbeitet zum Beispiel gemeinsam an einem neuen Produkt. Auch dieses Seminar hat gezeigt, wie wichtig es ist im Team zusammenzuarbeiten. Am Ende wurden die Ergebnisse vor einem Gremium vorgestellt, die entscheiden konnten, ob das gestartete Projekt in Zukunft weitergeführt wird.

Tatsächlich wurde eines unserer Produkte in die Tat umgesetzt und ist bis heute Bestandteil der Ausbildung zum Fahrdienstleiter.

Das waren jetzt ziemlich viele Inhalte zu der Ausbildung zum Fahrdienstleiter. Nun möchte ich wieder zurückkommen und dir sagen, warum es die beste Entscheidung war, genau das zu machen und warum diese Ausbildung mein Leben verändert hat.

Diese Ausbildung hat mein Leben verändert

Als ich mich damals für eine Ausbildung zum Fahrdienstleiter entschieden hatte, hatte ich, wie bereits anfangs erwähnt, kaum Ahnung vom Beruf geschweige denn von der Deutschen Bahn.

Das ich heute, mehr als vier Jahre später einen Bahn-Blog betreibe, zeigt, dass sich einiges geändert hat. Es ist nicht nur so, dass die Ausbildung mich zu einem Bahninteressierten gemacht hat, es sind auch die Kollegen, die mich auf diesen Weg und auf diese Reise mitgenommen haben.

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Ich lebe die Bahn mittlerweile Tag für Tag und wenn ich zurückblicke sehe ich immer noch den ahnungslosen Tim, der damals bei der Bahn angefangen hat ohne zu wissen, wo die Fahrt überhaupt hingeht.

Ich habe durch diesen Beruf ein neues Hobby gefunden, was mich so sehr motiviert hat, dass ich genau dir jetzt ruhigen Herzens diese Worte schreiben kann: Wenn du im jungen Alter schon Verantwortung übernehmen willst und Teil einer großen Familie werden willst, die dich auf der Reise unterstützt, dann bewirb dich für eine Ausbildung als Fahrdienstleiter.

Machmal mag das Bild der Deutschen Bahn trügen, das war auch bei mir so, aber dahinter steckt einfach so viel. Viel Spannendes, viele Themen, die von außen einfach scheinen, aber in Wirklichkeit mit einem großen Aufwand verbunden sind.

Sei mutig, willig und starte einen neuen Schritt in deinem Leben und vielleicht wird es auch dein Leben so positiv, wie meines, verändern!

#Ausbildung#Einblick#Fahrdienstleiter
Tim Grams
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
27 Kommentare
  • Danyal sagt:

    Hallo,

    auch ich hab 09/2012 angefangen hatte keinerlei erfahrungen. Und doch Liebe ich diesen Job. Bin Bahnfahrer bei der Dortmunder Verkehrbetriebe.

    Mein grosser Wunsch ist es bald Stellwerker zu werden.

    Kannst du mir paar Tipps geben ?
    Welche Test kommen auf mich zu?

    Wie kann ich mich bestens drauf vorbereiten?

    Danke im voraus

  • TrainsimulatorTV sagt:

    Hallo Tim,
    dein Artikel ist, wie immer, interessant geschrieben und hat mir neue Eindrücke über den Beruf des Fahrdienstleiters und den Konzern Deutsche Bahn gegeben.
    Ich möchte an dieser Stelle die Lücke des Onlinetestes auffüllen, den du ja noch nicht bestreiten musstest, und meine Erlebnisse dazu berichten, die erst wenige Monate jung sind.
    Ich habe mich Ende Juli auf einen Ausbildungsplatz zum „Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer und Transport“ (Bezeichnung des Lokführers) beworben. Innerhalb weniger Tage bekam ich eine Antwort per E-Mail und ca. eine Woche später die Einladung zum Onlinetest. Diesen muss man innerhalb von 14 Tagen bewältigen. Man kann den Test an einem Stück – so habe ich das gemacht – aber auch an mehreren Tagen lösen. Insgesamt dauert der Test ca. 1,5 – 2 Stunden.
    Danach folgte eine etwas längere Wartezeit. Mitte September erhielt ich dann eine SMS, wo um ein Telefonat gebeten wurde. Anschließend wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, welches demnächst ansteht. Der Rest wird sich ähnlich verlaufen, wie du es in deinem Artikel ausführlich beschrieben hast.
    Ich hoffe, dass ich dir/euch mit diesem Beitrag weiterhelfen konnte 😉

    Mit freundlichen Grüßen
    TrainsimulatorTV

    • Tim sagt:

      Guten Tag Oscar,

      vielen lieben Dank für die ausführliche Ergänzung! 🙂
      Damit macht es den Beitrag perfekt.

      Danke auch für dein Feedback zum Beitrag!

      Beste Grüße
      Tim

  • […] Nachrichten zu bestimmten Betriebsabläufen, die ich so gut ich kann beantworte. Auch beim Thema „Personalgewinnung“ bin ich mittlerweile sehr aktiv und freue mich immer wieder über eure […]

  • Paul Schumacher sagt:

    Hallo Tim,
    ich finde deine Kommentare über deinen Arbeitgeber und die Eisenbahn -allgemein- einfach klasse. Ich bin schon 40 Jahre bei der Bahn (….bei Rheincargo..ehemals HGK und vor der Fusion KBE). Kaum jemand kennt die Komplexität der Eisenbahn, aber viele sprechen trotzdem sehr schlecht darüber.
    Weiterhin viel Spaß bei der Arbeit bzw. bei deinem Hobby
    Viele Grüße
    Paul

    • Tim sagt:

      Hey Paul,

      vielen lieben Dank für dein Feedback. Das trifft es vollkommen auf den Punkt.
      Den Spaß werde ich definitiv nicht verlieren. Es geht weiter, immer weiter.

      Beste Grüße
      Tim

  • Matze sagt:

    Schön wie du deine Ausbildung erklärt hast und auch deine anfängliche Orientierungslosigkeit bei der Wahl deines künftigen Berufs. Ich bin einerseits Bahnfan, andererseits auch Kritiker wenn bestimmte Dinge überhand nehmen wie derzeit die vielen Zugausfälle im Raum Stuttgart welche eine hohe Belastung für uns Pendler sind und in der eigentlichen Flexibilität einschränken, da man sich nie sicher sein kann ob der Regionalzug fährt.
    Jedenfalls habe ich mich auch auf deinen Job in Stuttgart beworben und bereits den Online Test absolviert – bin gespannt wie es weiter geht.
    Grüße nach Hannover
    Matthias

  • Lukas K. sagt:

    Hey,
    Sehr schöner Text, jetzt weiß ich was mich diesen Sommer erwartet. Nächste Woche den Termin für die Vertragsunterzeichnung 🙂 Finde deine Entwicklung wirklich krass und du hast meinen Respekt auf jeden Fall verdient.
    LG Lukas K.

    • Tim Grams sagt:

      Hey Lukas,

      vielen lieben Dank für dein Feedback. Ich wünsche dir jetzt schonmal viel Spaß und Erfolg.

      Beste Grüße
      Tim

    • max müller sagt:

      Mein lieber Lukas, wenn du aus dem Text da oben erkannt hast was dich erwartet, dann hast du jetzt schon Deinen Beruf verfehlt. Dann mußt du ein großartiger Analytiker sein.
      Dich erwartet ein knüppelharter Job. Ein Fahrdienstleiter arbeitet 3 Sonnabende und 2 Sonntage im Monat – jeden Monat – jedes Jahr – !!
      Dein Privatleben wird eine Änderung erfahren von der Du Dir überhaupt keine Vorstellung machen kannst.
      Wenn Deine Kumpel am Wochenende zur Partygehen oder Grillfeste feiern, dann gehst Du zur Arbeit. Du wirst am Freitag zwischen 10 Uhr und 11 Uhr aufbrechen und dann übers Wochenende bis zu 37 Stunden arbeiten. Dazu noch die Fahrzeit von und zum Einsatzort.
      Wenn Du Sonntag zur Nachtschicht fährst, dann ist es 17 Uhr an Wochentagen 19 Uhr oder eher, je nach Anfahrtsweg.
      Immer wieder wirst du deinem Lebenspartner erklären müssen warum du schon wieder zur Arbeit mußt und Du nicht mitgehen kannst. Wenn Du an einem Vereinsleben teilnehmen willst, Sport, Schach, Kartenspielen oder was auch immer, dann mußt Du Dir im Klaren darüber sein, daß Du jeden zweiten Übungs/Trainingstag ausfallen lassen mußt. Ligaspiele, Turniere und Vereinsveranstaltungen finden am Wochenende statt – dann wenn du auf einem Stellwerk sitzt.
      Tim schreibt : er lebt die Bahn jeden Tag. Einer von tausenden bekommt nach so kurzer Zeit die Chance einen Bürojob zu bekleiden und dann seine Wochenenden zu Hause zu verbringen und zu christlichen Zeiten zur Arbeit zu fahren. Wenn Du Glück hast und landest auf einem Mega-Stellwerk und dann noch mehr Glück hast und Du verstehst Dich mit Deiner „Neuen Familie“ gut kannst Du von einer harmonischen Arbeit ausgehen. Bedenke wie viele Fahrdienstleiter allein auf ihrem Stellwerk sitzen, 220 Schichten im Jahr nur mit Dir allein und ein paar fremden Stimmen aus dem Telefon. Fernseh, Radio, Computer, Tablett und die vielen anderen „Spielzeuge“ der Neuzeit sind verboten !! Jede Art von Ablenkung gefährdet die Sicherheit Deiner Handlungsweise – trotzdem mußt Du immer auf dem neuesten Stand der Regeln und Vorschriften sein. Eine falsche Entscheidung kann schnell zu Verletzten und Toten oder hohem Sachschaden führen.
      Wenn Du glaubst Du bekommst Deinen Jahreurlaub dann wenn Du es willst, dann irrst Du. Schnell mal frei nehmen weil Vater oder Mutter Geburtstag haben hängt extrem von der Personalsituation ab (Krankheit, Urlaub usw).
      Nur wenn Du ganz sicher bist, daß Du Dein ganzes Leben in den Dienst der Bahn (also Deiner Arbeit) stellen willst , nur wenn Du sicher bist daß Du einen Lebenspartner findest, der das alles ertragen kann und vielleicht mit Deinem Arzt gesprochen hast, wegen der körperlichen Belastung durch den Wechseldienst, dann, ja dann bist Du richtig und Deine Entscheidung Fahrdienstleiter zu werden macht einen Sinn. Ich kann Dir nach 45 Dienstjahren sagen :“ Mit Eisenbahnromantik hat dieser Beruf nichts zu tun“

      • Pit sagt:

        Lieber Max Müller,

        ich würde gerne mit Ihnen über ihre Berufserfahrung sprechen. Sie haben in ihrem Kommentar ein sehr klares Bild abgegeben.
        würde mich freuen, wenn sie mich kontaktieren.

      • Alexander sagt:

        ich war, max, nur 3/4 jahr bei db finde aber die berufswirklichkeit aus eigenem erleben und gepraechen mit kollegen getreu geschildert. wechselschicht ist lebensveraendend -belastend und -verkuerzend. soziales leben veraendert sich radikal.
        von einem besuch in einem estw erinnere ich ein haufen bildschirme in sehr abgedunkelter umgebung und einen fdl der die ganze zeit gespannt wie ein luchs die bildschirme ueberwachte. punktgenaue entscheidungen sind in kuerzester zeit zu faellen. tims bericht ist schoen geschrieben und es ist natuerlich interessant und auch spannend so einen grossen komplexen kosmos kennenzulernen doch die begeisterung verklaert doch sehr. gut dass max hier die wirklichkeit dargestellt hat.

        • Tim Grams sagt:

          Hallo Alexander,

          vielen Dank für deine Sicht der Dinge. Der liebe Max hat das natürlich sehr gut dargestellt. Allerdings geht jeder anders damit um. Meine Sicht der Dinge habe ich hier niedergeschrieben und kann auf Grund meiner Erfahrungen eben sagen, dass es Spaß macht und zu einer Leidenschaft werden kann. Für mich hat diese Ausbildung mit den anschließenden Berufsjahren mein Leben verändert und ich bin froh diesen Schritt gegangen zu sein. Natürlich kann es auch ganz anders laufen. Man sollte die Arbeit niemals unterschätzen.

          Beste Grüße
          Tim

      • Knut K sagt:

        Bravo Max,
        ganz genauso ist` s.
        Eisenbahner kannst du nur mit Herzblut sein, sonst scheiterst du. Aber, Eisenbahner kann man durchaus werden.
        All die, für die die Berufswahl Eisenbahner zu werden, nur ein Vorschlag der Arbeitsagentur war, seid ehrlich wenn` s nix
        für Euch ist. Lieber vorher aufgeben, als später wenn` s los geht. Ins Fernsehen und Zeitung kommt kein Eisenbahner gerne.
        Ach ja, der Mensch ist auch nur ein Tier unter der Sonne,
        aber ein selten angemerkter Punkt, (jetzt wird` s schmutzig): Denkt an Euer Sexualleben.
        Das gehört zum Leben, wie Essen und Trinken. Nicht nur um Nachwuchs zu zeugen.
        Ich sage nur: Früh/Spät/Nachtschicht.
        Ich persönlich bin schon mit 60 tot.

        • Tim Grams sagt:

          Hallo Knut,

          danke für deine Ergänzung bzw. dein Feedback.
          Den letzten Abschnitt für ich so nicht unterschreiben. Denn das ist auch von Person zu Person unterschiedlich. Daher kann man das nicht verallgemeinern.

          Beste Grüße
          Tim

  • Jörg Börk sagt:

    Hallo,

    sehr positiver und informativer Text, danke dafür. Ich hatte ebenfalls seit 2012 versucht, einen Job in der Bahnbranche zu bekommen. War zunächst nur bei der DB auf der Suche, die haben mich aber jedes Mal abgelehnt. Nach langer Recherche bin ich dann über die Seite https://www.schienenjobs.de/bahn-ausbildung/ an alle wichtigen Infos gekommen und habe darüber dann auch andere Stellenangebote gefunden. Ich hoffe ich kann Suchenden, wie mir, damit noch weiterhelfen. LG Jörg

  • Noel sagt:

    Hallo Tim,

    wir kennen uns ja schon. Du hast mir damals sehr geholfen, mich auch für diesen Job zu motivieren, und bist ein wichtiger Teil meiner Eisenbahner-Ausbildung geworden. Regelmäßig schaue ich ob es noch was gibt was du erzählst, was ich wissen müsste. Vor einem Jahr wusste ich viel über die Tf aber nichts über Stellwerke geschweige den Sicherungstechnik im allgemeinen. Und nun`? Was soll ich sagen? Der Regelbetrieb ist nun beendet, ab jetzt geht es in die Seminare für die Störungen, ich weiß so viel mehr und sehe die Gleisanlagen und das System Bahn mit ganz anderen Augen, für die meisten unwichtige Details interessieren mich sehr, und ich erkenne Fehler in der Signalisierung (was auch mal vor kommt) sofort.

    Was ich aber noch sagen wollte. Die Ausbildung hat keineswegs nur das Ziel die Leute ins ESTW zu bringen. Meine Klasse in der ich bin wird nur für Alt-Technik ausgebildet. Da gehört dann so tolles Zeug wie EZMG und Siemens & Halske 1912 dazu, mein Stellwerk ist also über 100 Jahre alt, toll oder? 🙂

    • Tim Grams sagt:

      Hi Noel,

      vielen lieben Dank für deine offenen und ehrlichen Worte.
      Echt klasse, dass du dich auch regelmäßig bei mir informierst.
      Ich wünsche es dir weiterhin viel Erfolg in der Ausbildung und das alles reibungslos abläuft und alles so funktioniert, wie du dir das vorstellst.

      Beste Grüße
      Tim

  • Andreas sagt:

    Ich habe von 1997 bis 2000 die EiB Fahrweg-Ausbildung durchlaufen, wurde auf Relais-Stellwerk (SpDr 60) geprüft. Leider hat die DB von 12 Auszubildenden nur einen übernommen.

    Nachdem ich dann eine längere Zeit in verschiedenen Jobs/Firmen verbracht habe, habe ich bei einem regionalen Eisenbahnunternehmen im Süden Schleswig-Holsteins erstmal auf Triebfahrzeugführer umgesattelt und bin dort 9 Jahre gefahren.

    Dann kam eine interne Stellenausschreibung heraus wo für unser ESTW Personal gesucht wurde und nach einer 5-monatigen, internen Ausbildung ging es dann für mich los. Natürlich ist Wechseldienst auf Dauer keine leichte Sache aber der Beruf macht Spaß, fordert mich. Solange ich Frühschichten weg tauschen kann ist alles gut 🙂

    Da ich bereits mit 5 Jahren zum ersten mal auf einem mechanischen Stw war (und dann im Urlaub immer wieder) und dadurch mein Berufswunsch früh fest stand, macht mir eh niemand den Job madig 🙂

    • Tim Grams sagt:

      Hey Andreas,

      vielen Dank für deinen klasse Kommentar.
      Freut mich sehr, dass du deinen Weg so gegangen bist und zufrieden damit bist.
      Wirklich super.

      Weiterhin alles Gute!

      Beste Grüße
      Tim

  • […] bisschen mulmig war mir schon, als ich am 1. September 2012 meine Ausbildung bei der DB Netz AG in Hannover angetreten habe. Genau an diesem Tag bin ich auch zum ersten Mal mit […]

  • Ana sagt:

    Hallo! Ich finde es auch echt toll! Als ich aus Uruguay komme muss ich aber sehr viel bürokratisch machen bevor ich mich für die Ausbildung anmelden kann 🙁 Ich hoffe das es klappt und dann sehen wir uns da 🙂 LG, Ana

  • Verena sagt:

    Hallo Tim,

    vor 4 Wochen hab ich mich bei der DB beworben und auch schon die Zusage für das Vorstellungsgespräch für nächste Woche bekommen (Triebfahrzeugführerin). Das mit dem OnlineTest wurde zu keiner Zeit erwähnt oder mittgeteilt. Kannst mir Du, oder wer aus dem Blog sagen, wann und ob dieser noch gefordert wird?

    Viele Grüße aus Niederbayern

    • Tim Grams sagt:

      Hallo Verena,

      Vielen Dank für deine Nachricht und deine erfreuliche Zusage zum Vorstellungsgespräch. In der Regel findet der Online-Test vor dem Vorstellungsgespräch statt. Warte erstmal dieses ab und stelle ggf. eine Frage diesbezüglich an diesem Tag.

      Ich drücke dir die Daumen und stehe bei Fragen jederzeit zur Verfügung.

      Beste Grüße
      Tim

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