21. Januar 2016

Darum ist WLAN im Nahverkehr gar nicht notwendig

Darum ist WLAN im Nahverkehr gar nicht notwendig

Internet, egal wann und wo, soll in der Mobilität zum Standard werden. Im Auto, an öffentlichen Plätzen und auch in den Zügen. Ich sage aber, dass WLAN im Nahverkehr einfach nicht notwendig ist und erkläre wieso.

Schaut man an die Bahnsteige, fast egal in welchem Bahnhof, fällt auf: Immer mehr Menschen stehen mit dem Kopf nach unten guckend auf ihr Smartphone und surfen, lesen, schreiben und kommunizieren. Kaum in der Bahn verändert sich das Bild unwesentlich. Einige holen ihr Tablet raus, die anderen bauen ihren Schreibtisch mit Laptop und Notizbuch auf und arbeiten weiter. Heute gibt es nur ein Problem: Das Datenvolumen und die Verfügbarkeit von WLAN.

Aktuelle Situation

Wir schreiben das Jahr 2016 und die Deutsche Bahn kann lediglich im Fernverkehr mit vielen Einschränkungen ein gutes WLAN anbieten. Gründe dafür findet ihr hier. Auch das Mobilfunknetz entlang der Strecken reicht für kein Telefonat länger als fünf Minuten. Der Fernverkehr soll bis Mitte des Jahres ein konstantes WLAN-Angebot erhalten, sodass jeder Kunde die Möglichkeit hat, seine Mails abzurufen und Internetseiten zu besuchen. Ebenfalls hat die Bahn heute schon mit dem ICE-Portal eine Grundlage für die Unterhaltung während der Reise geschaffen. Auch für das ICE-Portal soll im Sommer ein weiteres Update mit mehr Angeboten folgen.

Das will die Bahn anbieten

Das neue, im Dezember vorgestellte, Konzeptpapier „Zukunft Bahn“ verrät, dass die Deutsche Bahn bis 2021 das größte WLAN-Netz in Deutschland haben wird. Unter dem Namen „WLAN@DB“ soll es für die Kunden möglich sein, egal ob am Bahnhof, im Nahverkehr oder Fernverkehr, eine konstante Internetverfügbarkeit zu haben. Das Netz soll eine Geschwindigkeit von >0,5 Mbit/s für jeden Kunden garantieren. Aus meiner Sicht eine solide Grundidee, die aber von weiteren Faktoren abhängt. Die Telekom spielt dabei eine große Rolle. Funktioniert der Ausbau der Sensoren und Repeater an der Strecke und in den Zügen nicht, wird sich das Datum weiter und weiter nach hinten verschieben. Zudem gibt es ein weiteres Problem.

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Konflikt Mobilfunkanbieter

Schon heute gibt es Datentarife mit mehr als 1 GigaByte in LTE Geschwindigkeit für wenig Geld. In Zukunft wird die Situation noch kritischer. Die Angebote werden für die Kunden noch attraktiver. Das heißt: Mehr Datenvolumen für das gleiche bzw. sogar weniger Geld. In Norwegen bekommt man heute schon einen Datentarif mit 80 GigaByte für umgerechnet 80€. Auch in Deutschland wird dieser Fall, zumindest in den nächsten fünf Jahren, eintreten. Wir sprechen hier immerhin von 1 GigaByte für 1€.

Darum ist WLAN im Nahverkehr überflüssig

Keiner weiß, was in diesen 5 Jahren passiert. Doch ich bin mir sicher, dass das WLAN im Nahverkehr, durch die rasante Entwicklung der Mobilfunkanbieter mit ihren Angeboten, zur Nebensache wird. Warum sollte ich als Bahn-Kunde mit einer Internetgeschwindigkeit von >0,5 Mbit/s surfen, wenn ich mit meinem mobilen Internet mindestens 10 Mbit/s bekomme. Schon heute brauche ich kein WLAN im Nahverkehr, da die Telekom auf meinen Strecken eine sehr gute LTE Verfügbarkeit anbietet. Natürlich ist das nicht überall der Fall, aber der Ausbau in den ländlichen Region für LTE ist noch lange nicht abgeschlossen.

Fazit

Die Deutsche Bahn ist auf einem soliden Weg. Es wurde erkannt, wie wichtig Internet für die Kunden auf der Bahn-Reise ist. Auch der Gedanke, das größte WLAN-Netz in Deutschland zu werden, ist ein gutes Ziel. Doch warum erst in 5 Jahren? Warum setzt man so sehr auf den Nahverkehr. Ich kann verstehen, dass die meisten Kunden im Nah- und Regionalverkehr unterwegs sind, doch in fünf Jahren werden 80% der Kunden einen deutlich besseren Mobilfunkvertrag mit mehr Volumen, zu einem günstigeren Preis erhalten haben. Aktuell und in den kommenden zwei Jahren wäre WLAN im Nahverkehr eine gute Option, doch danach wird es immer mehr aus dem „Rampenlicht“ verschwinden.

Ich bin auf eure Meinung zu diesem Thema gespannt? Wie seht ihr die aktuelle Entwicklung und was denkt ihr von der Zukunft?

#Deutsche Bahn#Nahverkehr#WLAN
Tim
Der bloggende Bahner – Für mehr Verständnis im Bahn-Betrieb!
36 Kommentare
  • Raeblein sagt:

    Hallo

    Erstmal danke für den Blog.
    Sei mir bitte nicht böse ich sehe das anders.
    Ja niemand weiß wo wir in 5 Jahren mit der Mobilen Komunikation sein werden, ich denke aber das gerade in Dingen wie Tunneln oder einfach nur „am Rande Zivilisation“ das konstante und „langsame“ Wlan einen wackeligen „Mobilstandart“ (wie auch immer der dann Heißt) überlegen ist, BESONDERS wenn die DB mehr oder weniger vom Kunden erwartet sich aktuelle Infos aus dem „Netz“ zu ziehen statt sie durch verständliche (!) mehrsprachige(!) mindestens zweimal wiederholte durchsagen auch in „Puselmuckel“ zu verkünden, respektive per fachkundigen und Ortskundigen und mindestens zwei sprachigen Zugbegleiter zu erklären wie man von A nach C kommt wenn die Bahn mal wieder glaubt in B sei schluß
    Auch sollte man nicht von der Handweisen das Wlan zwei Kundengruppen besonders unterstützen würde, das eine sind finanziell schlecht gestellte die eben nicht 1 GB Incl Volumen haben, und die vielleicht aus Konzernsicht noch wichtigere Gruppe dürften Reisende aus fremden Ländern sein denn beim WLan fällt kein Roaming an.
    und wenn man das ganze nicht mit $ in den Augen betreibt böte der Freifunk auch eine praktikabele Lösung zumindest für die Bahnhöhe, aber wenn dann alle, nicht nur die wo man keine Kostenpflichtigen Hotspots vermieten kann soviel Gerechtigkeit muss dann von einem Möchtegern-Staatsbetrieb erwartet werden

    • Tim sagt:

      Guten Tag,

      ich bin dir keinesfalls böse. Du kannst hier sehr gerne deine eigene Meinung preisgeben. Das habe ich ja auch getan.

      Ich möchte aber klarstellen, dass alle Mobilfunkanbieter, sowohl an den Strecken, als auch in den Tunneln, gerade massiv an einem Ausbau der Funkmasten bauen.
      Zudem geht es um den Nahverkehr. Und nochmal: In 5 Jahren wird sich jeder mindestens einen 1 GB Datentarif leisten können. Davon bin ich überzeugt.

      Ebenfalls fallen die Roaming-Gebühren in den nächsten Jahren auch weg, sodass es nicht zwingend teuer wird. WLAN am Bahnhof und im Fernverkehr sind ein absolutes Muss, aber im Nahverkehr definitiv nicht!

      Danke für deine Meinung!

      Beste Grüße
      Tim

      • Andreas sagt:

        1 GB sind verdammt wenig, wenn man auf den täglichen wegen Musik streamen oder Videos schauen möchte. Hier sehe ich auch gerade keine Trendwende, ganz im Gegenteil. Waren vor ein paar Jahren noch Tarife mit 3 GB für ca 50€/Monat nicht selten, muss man dazu heute schon sehr viel mehr ausgeben.

        • Tim sagt:

          Hallo Andreas,

          wer redet denn von einem GB? Ich rede von der Umrechnung 1 GB/1€. Dadurch wurden 10GB/10€ kosten. Aktuell bekommt man schon für 39€ 15 GB in Deutschland. Das ist denke ich ein gutes Angebot. Wenn sich alles so weiterentwickelt, wird das mobile Internet sehr günstig werden und dadurch ist das WLAN im Nahverkehr einfach unnötig.

          Beste Grüße
          Tim

    • Hallo Raeblein

      Ich bin da vollkommen deiner Meinung. Die Versorgung mit Internet nur auf die Mobilfunkprovider per Mobilfunk abzuwälzen finde ich unzureichend. Gerade ausländische Touristen profitieren von freiem WLAN enorm. Aber auch Schüler, die um jeden Euro auf der Prepaidkarte kämpfen. Hinzu kommen Geräte, die einfach gar keine Mobilfunkanbindung haben: Laptops, E-Reader oder diverse Tablets. Und morgens im vollen RE mag ich vielleicht vollen Ausschlag LTE haben, bekomme aber trotzdem kein Bit durch die Leitung. Die ist nämlich dann einfach voll.

      Aber die DB hat ganz andere Baustellen, die sie vielleicht besser vorher angehen sollte, bevor sie sich ums WLAN kümmert.

      btw: Tim, woher hast du die Information “ dass alle Mobilfunkanbieter, sowohl an den Strecken, als auch in den Tunneln, gerade massiv an einem Ausbau der Funkmasten bauen“?

      • Tim sagt:

        Hey Markus,

        Ich möchte nochmal betonen, dass ich mich nicht auf heute oder morgen beziehe, sondern auf die nächsten Jahre. Die Mobilfunkanbieter bauen massiv im LTE Bereich aus, sodass aus meiner Sicht ab 2020 WLAN im Nahverkehr nicht mehr notwendig ist, wie im Beitrag geschrieben.

        Diese Information geht aus einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn vom September ’15 hervor. Ich suche gerade schon akribisch danach.

        Beste Grüße
        Tim

    • Michael Schmidt sagt:

      Also ich habe einen Vertrag mit 2GB für 13 Euro im Monat. Telefon und SMS flat. Da soll niemand sagen, dass nicht finanziell schlecht gestellte eine Chance auf einen günstigen Tarif haben. Und wer die 13 Euro im Monat nicht hat, der braucht und hat auch kein Smartphone oder Laptop.

  • Thomas Minar sagt:

    Mobile Internetversorgung ist Lifestyle und wird sich noch über Generationen halten. Nicht jeder lebt z.B. im Ruhrgebiet, wo es manchmal ausreicht, die Straßenseite zu wechseln, um die nächste Stadt zu erreichen. Somit wird die Netzabdeckung noch lange ein Thema bleiben. Da kommt es gelegen wenn die Bahn mit ihren Vertragspartnern versucht, eine akzeptable Versorgung anzubieten. Je nach Stand der Technik, und deren Finanzierbarkeit, wird auch in diesem Segment nachgebessert werden. Wer, so wie ich, oft und schnell unterwegs ist wird bereits bemerkt haben, dass selbst LTE noch lange nicht „der Weisheit letzter Schluss“ ist.

  • Matthias sagt:

    Hallo Tim,

    es ist gut das zumindest mal in die Mobilfunkmasten entlang der Tunnelstrecken investiert wird. Für mich war es ein Unding – auch wenn ich kein Geschäftsmann bin, der es nötiger hat als ich – zum Beispiel zwischen Hannover und Fulda (ab da Fahrt über Hanau weiter nach Frankfurt (Main) und weiter nach Süddeutschland) oder Mannheim – Stuttgart, es gibt einfach mal keinen Empfang. Und da ich gerne vorher informiert sein möchte ob ich bspw. in Mannheim den Anschluss nach Saarbrücken noch bekomme schaue ich gerne mal in die DB App. Das geht natürlich nur wenn Netz da ist, und das ist an den meisten Tunnelstrecken nicht der Fall.

    Für flächendeckendes WLAN bin ich auch nicht, im Fernverkehr favorisiere ich es eher als im Regionalverkehr. Denn Deutschland hat mehr zu bieten als nur der Blick auf’s Smartphone.

    Viele Grüße
    Matthias

    • Tim sagt:

      Hallo Matthias,

      Danke für dein Feedback und deine Meinung zu diesem Thema.
      Eins steht fest: Es wird WLAN in den nächsten Jahren überall geben. Trotzdem sage ich, dass es, vor allem für uns Deutsche, komplett unnötig ist, aus den im Beitrag genannten Gründen.

      Super Schlusswort!

      Beste Grüße
      Tim

  • Tradibahner sagt:

    Moin Tim,

    woher hast du die Weisheit, das es demnächst auch in D-Land LTE-Tarife mit einem Durchnittspreis von 1€/GB geben wird? So wie ich unsere Netzbetreiber kenne, wird man zunächst den Netzausbau finanzieren müssen, und dann steht ja auch 5G vor der Tür, auch das muss erstmal vom Netzbetreiber finanziell gestemmt werden.

    • Tim sagt:

      Moin,

      das ist keine Weisheit, sondern lediglich eine Vermutung. Da Deutschland generell nachzieht was das Angeht. Bei Vodafone gibt es beispielsweise Datentarife von 15 GB für 40€. Heute schon. Vor zwei Jahren war das höchste 3 GB. Ich denke, dass beschreibt die Entwicklung ganz gut.

      5G wird kommen, allerdings wird LTE erstmal zum Standard und damit auch zu einem deutlich vergünstigten Preis verfügbar sein.

      Beste Grüße
      Tim

  • Es gab in der Vergangenheit einige Studien, die eine Steigerung der Fahrgastzahlen durch kostenloses WLAN im Nahverkehr beobachtet haben. Damit gilt auch hier: die Bahn verkauft „Quality Time“ und es besteht ein Investitionsanreiz. Ich würde es also nicht so leicht abtun…

    • Tim sagt:

      Hallo Raphael,

      ich stimme dir zu, diese Studien und Statistiken gibt es. Doch unter der Beachtung von den von mir geschriebenen Gründen, ist es aus meiner Sicht einfach unnötig.

      Beste Grüße
      Tim

  • Reinhard Greulich sagt:

    Ich las mal von einem Gutachten, das die Kosten allein für den Nahverkehr der DB auf 7,5 Milliarden Euro plus Betriebskosten berechnet hat. Das ist einfach Irrsinn, fast die Regionalisierungsmittel eines ganzen Jahres für so ein Gimmick auf den Kopf zu hauen. Denn Geld wird man nicht nehmen können, da kommt kein Cent zurück.

  • Thomas Sommerfeld sagt:

    Ich sage es mal kurz und knapp:
    Die Deutsche Bahn hat in ihrer grenzenlosen Arroganz einfach verpennt die Bedürfnisse der Kunden im Auge zu behalten.
    Es reicht eben nicht nur an die 1. Klasse zu denken (bei Lufthansa abgeschaut).
    Kostenloses WLAN auf den Bahnhöfen und in den Zügen und den Zugang zum WLAN auf der Rückseite vom Ticket. So sollte es sein. Ein guter Ansatz wäre auch vernünftige Repeater in den Zügen zu verbauen. Das was die DB bisher getan hat, war am Kunden vorbei!!
    Andere Bahnen machen es uns inzwischen vor.
    Deutschland, das Land der Innovationen?? In Sachen Bahn leider nicht.

    • Tim sagt:

      Hallo Thomas,

      kurz und knapp war das nicht. Aber gut.
      Ich stimme dir zu, dass aktuell nicht alles so läuft, wie man sich das vielleicht vorstellt.
      In Zukunft wird sich einiges ändern. Aber das ist ein anderes Thema.

      Beste Grüße
      Tim

  • Hubert sagt:

    Hallo Tim,
    ich würde die zukünftige Entwicklung ähnlich einschätzen wie Du! – Was aus meiner Sicht aber bleibt ist die Zuverlässigkeit (Störfestigkeit) einer eigenen WLAN-Ausrüstung der Züge (auch im Nahverkehr). Weiterhin ist von Bedeutung wer für dieses System verantwortlich ist: Bisher habe ich auch erlebt, dass das Mobilfunknetz bzw. der von mir ausgewählte Provider eben nicht zur Verfügung stand – und natürlich ohne direkte Folgen für ihn. Wenn ich aber 2 Systeme zur Verfügung habe, dann habe ich eine größere Sicherheit, dass wenigstens ein System funktioniert. Natürlich stellt sich auch die Frage der Wirtschaftlichkeit. Diese hängt meines Erachtens primär davon ab, welche Bedeutung eine zuverlässige Datenverbindung für Gesellschaft und Politik hat. Wenn man der Auffassung ist, dass Internet für die Mehrheit der Bevölkerung ein „Spiel- und Spaßterritorium“ ist, dann kann man sich sehr schnell Deiner Auffassung annähern. Ist man der Auffassung, dass das Internet „lebenswichtig“ ist (z. B. wegen wichtiger beruflicher oder auch medizinischer Aufgaben – auch im Nahverkehrszug), wird man eher zu zwei Systemen greifen (auch dann wenn dies natürlich wesentlich teurer ist).
    Gruß Hubert

    • Tim sagt:

      Hallo Hubert,

      vielen Dank für deine ausführliche Begründung deiner Meinung.
      Ich stimme dir zu. Internet sollte aus meiner Sicht in beiden Kategorieren „Mobilfunk“ und „WLAN“ vorhanden sein. Nur unter den aktuellen Voraussetzungen ist WLAN im Nahverkehr unnötig.

      Beste Grüße
      Tim

    • Zweifler sagt:

      Zum einen muss man vielleicht auch mal fragen, ob sich die DB nicht zu abhängig von der Telekom gemacht hat. In den Augen der Nutzer ist ja immer die DB schuld, wenn Internet im Zug nicht richtig funktioniert . Auch dann, wenn das Problem eigentlich von der Telekom verursacht wird – sei es fehlende Netzabdeckung oder mangelhafte Wartung eines WLAN-Repeaters.

      Zum anderen: wenn man so durch den ICE geht, wird eigentlich schon der größere Teil von Laptops (und wahrscheinlich auch Smartphones) für nicht berufliche Zwecke genutzt. Je mehr Leute versuchen, Filme zu streamen, umso größer werden gleichzeitig die Anforderungen an die Bandbreite – im Zug und von außen in den Zug hinein. Genau hier liegen die Probleme – die Anwendungen, die die Datenflatrate schnell erschöpfen, machen auch die WLAN-Ausrüstung anspruchsvoll.

      Tja, und die Fernbusse haben es einfacher: die Netzabdeckung an Autobahnen ist oft besser als an Bahnstrecken, es sitzen weniger Leute drin, was dann niedrigere Anforderung an die Gesamtdatenmenge stellt, und bei Einrüstung von zusätzlicher Elektronik in Züge sprechen die Aufsichtsbehörden ein größere Wort mit, als das bei Straßenfahrzeugen der Fall ist (auch so eine Asymmetrie zu Lasten der Bahn). Dobrindt steht da, und fordert von den Bahnen die WLAN-Einrüstung, tut aber seinerseits nichts, um das zu erleichtern.

  • Earl Y. Bird sagt:

    In der Diskussion um Internet per WLAN in Zügen wird häufig vergessen, dass WLAN im Zug nicht mit WLAN zuhause oder im Hotel verwechselt werden darf. Hinter dem mitfahrenden WLAN-Router im Zug befindet sich nicht ein breitbandiger Internetanschluss per V-DSL, TV-Kabel oder Glasfaser, mit einer günstigen Flatrate für rund 30 Euro/Monat, sondern IMMER eine Mobilfunkanbindung (im besten Fall mehrere, gebündelte Mobilfunkanbindungen) hin zum Internet. Diese Mobilfunkanbindungen sind insbesondere im fahrenden Zug von schwankender Qualität (mal schnelles LTE, mal Funkloch) und werden teuer über das übertragene Datenvolumen abgerechnet. Somit ist ein Internetzugang im Zug eigentlich nur ein, per WLAN geteilter Mobilfunkzugang und wie dieser unzuverlässig, langsam und teuer.

    • Thomas Minar sagt:

      Da triffst den Nagel auf dem Kopf.
      Genau das wird oft vergessen….der schnelle Ortswechsel eben.
      Die Mobilfunkanbieter sind nun einmal daran interessiert, mit wenig Hardware viele Verbrauchen zu erreichen.
      Ab Kleinstattbedarf, und natürlich darüber hinaus, wird die Sache „märkantil“. Aber zwischen den Dörfern?
      Nun hat die Bahn erkannt, dass es der Sympathie der Kundschafft behilflich ist, wenn Internet zugeführt wird.
      Also: Masten an die Strecken und Router in die Wagen.

  • Nessa sagt:

    Ich kann nur von mir selbst sprechen. Ich habe einen Datentarif von 750MB mit Telefonieren für 20,-€ im Monat. Als Netzqualität maximal H, unterwegs im Zug oft E. Und meine Nahverkehrsfahrten dauern mehr als eine Stunde. Ich denke daher, dass es genug Leute gibt, die davon profitieren könnten.

  • Alex sagt:

    Fehlendes WLAN im Zug ist kein Bug, sondern ein Feature 😉 Die Deutsche Bahn muss dies nur richtig vermarkten! In Zeiten, wo die Leute rund um die Uhr auf ihre Geräte starren und sich immer mehr von der ständigen Erreichbarkeit und der Informationsflut gestresst fühlen, ist fehlendes WLAN doch fast schon wieder eine gute Sache. Am besten auch noch einzelne Abteile einführen, in denen sämtlicher Mobilfunkempfang abgeschirmt ist, damit die Leute für die Dauer der Zugfahrt einfach mal offline sind, aus dem Fenster schauen und die Gedanken schweifen lassen (oder mal wieder ein Buch lesen). Könnte man dann als „Digital Detox Lounge“ vermarkten…

    • Tim sagt:

      Hey Alex,

      Kreative Antwort und Denkweise! Durchaus wäre es toll, wenn die Deutsche Bahn einzelne Wagen im Fernverkehr „offline“ lässt.
      Ich denke dir ist das Problem mit dem WLAN bekannt, was Ende dieses Jahres nun endlich behoben werden soll.

      Beste Grüße
      Tim

  • Christopher Otto sagt:

    Hallo Tim,

    danke für dein Beitrag. Ich denke in ferner Zukunft gebe ichbdir recht, aber in naher Zukunft wäre zumindest als Überbrückung ein funktionierendes Wlan netz in den Nahverkehr wünschenswert. Ich wohne auf dem Land und habe täglich 30 minuten einfache Fahrt vor mir. Wo ich gespannt bin, die Privatbahn Länderbahn möchte demnächst kostenfreies WLAN in den ALEX Zügen zwischen München und Lindau anbieten. Da ich täglich mit dieser Bahn unterwegs bin, freue ich mich über diesen Service. Wer weiß vlt zieht die db bald nach.

    Gruß
    Christopher

  • Henubis sagt:

    Es hat ja fast etwas Meditatives, wie oft du wiederholst, dass es bald unnötig ist. Wieso soll denn im Nahverkehr nicht ausgerüstet werden, im Fernverkehr schon? Es ist so einfach, die Kosten für Volumen auf Kunden abzuwälzen. Ist das sinnvoller? Wie bereits vorher erwähnt wurde, steigt aber der Datendurchsatz entlang der Strecken nicht zwangsläufig. Da sind Mobilfunkanbieter wie die Bahn Oligopolisten und eröffnen aus Güte eine(n) Mast/Strecke. Da muss Druck und Anreiz von der Deutschen Bahn und der Politik kommen.

    Weiterhin fahre ich unregelmäßig, aber oft, von Bonn nach Aachen, wofür sich fast nur Regioverkehr anbietet. Internet ist bis auf Köln meist Edge oder nicht verfügbar. Abgesehen davon, dass die regulären Preise den Fernbuspreisen deutlich unterlegen sind, bieten Fernbusse WLAN, was für bspw. ein paar Bekannte den endgültigen Umstieg bedeutet hat. Diese Art von Service kann für die Bahn eben auch einen dauerhaften Verlust von Kunden bedeuten. Das durchaus rationale Argument der Unnötigkeit verliert sich also in der Weitsicht. Es sollte Ziel sein, mehr Kunden auf die Schiene zu holen und nicht weniger. Dafür muss es Anreize geben, egal wie sinnvoll sie einem Bahner im ersten Moment erscheinen.

    • Tim sagt:

      Hey Henubis,

      vielen Dank für dein Feedback! Aus heutiger Sicht kann ich das voll und ganz verstehen. Ich betrachte mit meinem Beitrag aber vor allem die Zukunft.
      In Zukunft werden sich die Mobilfunkverträge zu Gunste des Kunden deutlich verbessern und auch Mobilfunkmasten werden von Jahr zu Jahr weiter ausgebaut, sodass aus meiner Sicht kein WLAN im Nahverkehr im Jahre 2020 mehr notwendig ist.

      Beste Grüße
      Tim

  • […] werden müssen und mehr Kunden. Ebenfalls müssen auch die einzelnen Verbünde mitspielen, um das WLAN im Nahverkehr auf die Schiene zu bringen. Die Grafik zeigt sehr genau, wo das Problem […]

  • Schlicki sagt:

    Ich muss dir da deutlich widersprechen.

    Zum ersten werden Reisende in Nahverkehrszügen grundsätzlich schon wie Kunden dritter Klasse behandelt, sei es im Komfort der Waggons, der Pünktlichkeit (‚wegen der Vorbeifahrt eines Fernzuges blablabla…), der Informationsmenge (z.B. umgekehrte Wagenreihung, zu 99% keine Info, für Fernvekher immer und auf allen Kanälen), Plätze der ersten Klasse sind dauernd von Nichtzahlern belegt, Kontrollen finden aber extrem selten statt, und jetzt auch noch kein WLAN? Nein, es muss Schluß damit sein, gerade die Pendler immer weiter als Randerscheinung wahrzunehmen! Jedes Jahr werden die Preise gerade im VRR deutlich erhöht, für die 1. Klasse dazu auch noch überproportional und der Mehrwert findet quasi nicht statt, es geht eher rückwärts.
    Und zum Zweiten: du sagst, man hätte ja eh genug Volumen, da braucht man nicht auch noch WLAN. Bist du schonmal die Ruhrgebiet-Achse von Düsseldorf nach Dortmund gefahren und hast dabei die Netzabdeckung im Auge behalten? Ich kann es jetzt nur für o2 sagen, aber da kannst du Volumen en masse haben, bringt aber nichts.

    – rund um Düsseldorf Flughafen nur EDGE
    – zwischen Essen und Bochum nur EDGE oder GPRS
    – zwischen Bochum und Dortmund KEIN Netz
    – zwischen Mülheim und Essen GPRS oder Nichts

    • Tim sagt:

      Guten Tag Schlicki,

      Danke für deinen Kommentar. Allerdings kann ich deine Erfahrungen nicht teilen. Ich bin zwei Jahre im Nahverkehr fast täglich unterwegs gewesen. Du kannst Nahverkehr und Fernverkehr auch schlecht vergleichen. Die Deutsche Bahn alleine dafür in die Verantwortung zu nehmen, ist auch nicht richtig. Dazu gehört immernoch das Bundesland.

      In diesem Beitrag rede ich von weit in der Zukunft. Es wird noch mindestens bis 2020 dauern, bis der gesamte Regionalverkehr mit WLAN ausgestattet ist. Bis dahin wird das Mobilfunknetz auch besser sein und die Verträge günstiger, sodass sich WLAN dann kaum noch lohnen wird. Ebenfalls muss die Technik immer wieder an den neusten Standard der Repeater angepasst werden.

      Trotzdem Danke für deine Meinung. Ich kann diese auf Grund meiner Erfahrungen nicht teilen.

      Beste Grüße
      Tim

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